Der Umstieg von E-Bike auf ein mit muskelkraftbetriebenes Trekkingrad

Eigentlich geht die Geschichte ja immer so: Es steht ein Fahrrad ohne E-Motor zu Hause und alle Freund*innen haben sich mittlerweile ein E-Bike g ekauft. Auf Touren kommt man dann selbst eigentlich kaum noch mit. Und wenn, ist man selbst ganz schön aus der Puste, während alle anderen fröhlich lächelnd bei der nächsten Pause in ihr Butterbrot beißen.

Ein neues E-Bike muss her. Warum eigentlich?

So ist es auch Fahrradrabaukin Gudrun ergangen. Gudrun fährt schon ihr Leben lang Fahrrad. Immer und überall. Im Alltag, um kleinere Besorgungen zu machen oder um Freund*innen zu besuchen. Gerne geht es auch auf längere Touren quer durch Deutschland. Am liebsten mit guten Freund*innen oder ihrem Mann.

Ein Fahrradrabauke auf dem E-Bike? Runter da!

Tourenmanagerin und Fahrradveteranin

Wenn wir selbst Tourentipps brauchen, fragen wir auf jeden Fall auch immer Mutti. So nun ist es raus. Gudrun ist Mutti und Mutti ist Gudrun und obendrein ist sie auch noch unsere unterstützende Tourmanagerin hinter den Rabauken-Kulissen. Motto: Immer ‘ne Karte und Touren-Tipps parat.

Doch selbst eine Trekkingradveteranin kommt an ihre Leistungsgrenzen, wenn das eigene Rad in die Jahre gekommen ist und alle nur noch mit E-Bikes über den Asphalt bügeln.

VSF. Ganz klar. Aber ohne rote Klingel.

Ist ein E-Bike wirklich immer die beste Wahl?

Zack stand neben der treuen Begleiter*in plötzlich ein motorisiertes Gefährt. Eins mit tiefem Einstieg, dafür aber mit ordentlich Bums im Sportmodus. Vorausgesetzt man will ordentlich Bums und den Akku schnell leer fahren und am liebsten nicht mehr selbst treten. Irgendwie wurden Gudrun und der neue Esel aber nie so ein richtig enges Team.

Dreckige Schuhsohlen und das neue VSF T-700 ohne Akku

In der Stadt kommt man schnell mit den E-Bike voran

Klar, in die Stadt kommt man schnell voran und eine Radtour mit den E-Bike Freund*innen fühlt sich auch nicht mehr wie eine Bergetappe bei der Tour de France an. Damit bleiben die Klamotten auch trockener. So richtig wollten Esel und Gudrun aber trotzdem nicht zusammen wachsen. Was war da bloß los?

Doch ein „ABER“ ist immer geblieben. So wurde doch wieder ein Trekkingbike gekauft.

Diesen Frühling war es dann soweit, Gudrun aka Mutti hat sich ein neues Fahrrad gekauft, mit Riemenantrieb und ganz ohne Motor. Warum ohne Motor? Der Trend geht doch zum E-Bike? Investigativer Journalismus à la Fahrradrabauken. Wir haben bei Gudrun nachgefragt:

Weiße Fahrradfahrturnschuhe 😄

Das Interview. Warum hast du dir ein Fahrrad ohne E gekauft und fährst wieder ohne Motor?

B: Hallo Mutti, ab hier werde ich dich Gudrun nennen. Wir machen das hier ja seriös.

G: Hallo Bastian. Schön, dass du mal wieder zu Hause bist…

B: Bist du heute schon mit dem Fahrrad gefahren? Und wenn ja mit welchem?

G: Heute tatsächlich noch nicht. Das neue Rad ist ja eher etwas für den Urlaub und für längere Touren. Für kleinere Besorgungen im Dorf habe ich noch ein altes Trekking Fahrrad das läuft nach 15 Jahren immer noch ganz ok. Glaube ich zumindest *grinst*

B: Welche Strecken fährst du normalerweise mit dem Fahrrad?

G: Alles. Von bis könnte man sagen. Kleinere Sachen im Ort besorge ich mit dem Fahrrad und auch in Urlaub sitze ich am liebsten auf dem Sattel. Das ist immer noch die schönste Art zu Reisen für mich.

B: Warum hast du dir wieder ein normales Fahrrad gekauft und kein neues E-Bike?

G: Ganz einfach, weil ich wieder sportlicher und flexibler unterwegs sein wollte.

Die Trägheit von meinem E-Bike zeigt sich immer mal wieder in ganz banalen Alltagssituationen. Man sollte sich darüber im Klaren sein, dass ein E-Bike nur schwer ist und das Ladegerät auf längeren Touren immer dabei sein muss. Mal eben schnell in Bus oder Bahn ist nicht. Alles viel zu schwer. Ich kann das Rad einfach nicht gut anheben und damit fühle mich hierdurch sehr unflexibel.

Man kann auch ohne Motor kräftig in die Pedale treten

B: Gibt es Dinge, die dich am E-Bike stören? Oder andersherum gefragt: Was schätzt du an einem Fahrrad ohne Motor?

G: Auf jeden Fall das Gewicht des Fahrrads. In beide Richtungen gedacht.

Als ich bei einer Bekannten war zeigt mir das E-Bike an dass der Akku nicht mehr geladen war so bin ich den ganzen Weg mit dem schweren Fahrrad nach Hause gefahren, um zu Hause festzustellen dass der Akku immer noch halb voll war. So viel zur neuen Technik das Leben leichter machen.

Mein neues Trekkingrad lässt sich leichter bewegen, für mich jedenfalls.

B: Statistisch gesehen fahren in deiner Altersgruppe die meisten Menschen mit dem E-Bike. Gibt dir das nicht zu denken?

G: Was soll das denn heißen? Nein, im Ernst, ich fühle mich eher wieder als Sonderling aber Das macht nichts.

Riemenantrieb statt Fahrradkette

B: Wie fühlt es sich an wieder ohne Motor unterwegs zu sein? 

G: Schön. Einfach nur schön. Als hätte man eine Leichtigkeit zurück gewonnen. Fahrradfahren macht wieder Spaß.

Mein Mann sagt mir jetzt immer nach den Touren, dass ich nicht mehr so kaputt aussehe. Es macht einfach Spaß.

B:Fährst du trotzdem (auch ohne Motor) noch mit deinen Freund*innen Fahrrad?

G: Ja klar auf jeden Fall hab ich letztens noch gemacht. 50 km klappen immer noch und ich kann mithalten. Außer am bei Steigung, da bin ich dann doch langsamer und später k.o. wenn ich das Tempo mithalten möchte.

B: Du hast schon einige längere Touren auf dem Sattel absolviert. Welche hat dir am Besten gefallen?

G: bis vor ein paar Wochen hätte ich auf jeden Fall noch „Elbradweg“ gesagt. Von Magdeburg nach Bad Schandau. Wunderschön. Im letzten Urlaub waren wir aber an der Schlei im Norden Deutschlands unterwegs. Von Flensburg bis Damp auf einem Teil des „Ostseeküstenradweg“ in Schleswig Holstein . Dabei haben wir die Schlei umrundet. 300 km in 4 Tagen und das ganz ohne Motor.

Lenkeransicht

B: Welche Tour möchtest du unbedingt nochmal radeln?

G: Die „Friedensroute“ in Westfalen. Eine Rundtour von Münster über Osnabrück. Die nächste Tour ist ja bekanntlich immer die Schönste.

B: Nimmst du hierfür dein E-Bike oder dein neues Trekkingrad?

G: Größere Radtouren fahre ich nur noch mit meinem neuen Trekkingrad. Zumindest in den nächsten Jahren *lacht*

B: Was möchtest du unseren Leser*innen, die evtl. auch vor der Entscheidung stehen sich ein neues Fahrrad zu kaufen, unbedingt noch mit auf den Weg geben?

G: Das sollte natürlich jede:r für sich selbst entscheiden. Ich möchte hier keine Kaufempfehlung abgeben. Ein E-Bike zu kaufen ist natürlich im ersten Augenblick sehr verlockend, dennoch würde ich jedem bzw. jeder empfehlen auch mal ein gutfahrendes Trekking Bike als Kontrast auszuprobieren. Das wird sich auf jeden Fall lohnen.

B: Danke für das Gespräch. Du hast uns auf jeden Fall inspiriert. Wir finden es großartig zu sehen, dass es nicht immer ein E-Bike sein muss, um mit Leichtigkeit unterwegs zu sein. 

G: Danke dir ebenfalls. Ich freue mich jetzt auf die vielen Kilometer die ich jetzt ohne Motor fahren werde.

Es ist eben ein tolles neues Fahrrad ohne Akku

Danke für das Gespräch. Ein Schlusswort zum Nachdenken

Wir hoffen, dass dieser kurze Artikel den*die Eine*n oder den*die Andere*n ebenfalls zum nachdenken bringt. Es muss nicht immer schneller und weiter sein. Der Weg ist auf einer Fahrradtour definitiv das Ziel, auch mal schwitzen, auch mal Hunger, auch mal doof.

Erlebt man auf einem E-Bike sicherlich auch. Doch auf dem E-Bike lediglich in der Lightvariante, denn  auf den letzten Kilometern können wir oder Gudrun nicht mehr den Sportmodus dazu schalten 😉 Wenn die eigene Gesundheit nicht mehr mitspielt, ist das alles natürlich eine ganz andere Nummer. Doch solange die Knie uns tragen, halten wir die Fahne für selbst gekurbelte Kilometer hoch.

Ein Plädoyer für das Selbertreten soweit es die eigene Gesundheit zulässt

Dieser Artikel ist ein Plädoyer für das Selbertreten, dafür, die Kurbel mit der eigenen Kraft zum Drehen zu bringen. Zu erfahren, dass das geht und wie gut sich das anfühlen kann. Zum Schluss haben wir noch zwei Top-Argumente für das Fahrrad ohne Motor:

Zwei Top-Argumente für den kauf eines „normalen“ Trekkingbikes

Nr.1: E-Bikes regeln bei 25 ab und mit einem guten Rad könnt ihr bergab schneller sein. 

Nr. 2: Ein Akku braucht immer Saft ohne seid ihr auf jeden Fall freier und unabhängiger. 

Am Ende muss aber jede*r für sich selbst entscheiden.

Letzten Endes entscheidet natürlich jede*r für sich selbst, wie man sich auf den Touren fortbewegen möchte. Wenn ihr wissen wollt, wie wir damals ein Fahrrad gekauft haben, klickt hier. Eher eine Bauchgefühl–Geschichte, aber so ist es eben immer bei uns.

So oder so,

Bleibt Rabauken