Sommer, Sonne, die Alpen und zum Abschluss das Meer. Ungefähr 415 km mit dem Rad auf dem Alpe-Adria Radweg gen Süden, auf einem der beliebtesten Radwege Mitteleuropas. Sagen wir jetzt einfach mal so. Die TransAlp für TransAlp-Neulinge, irgendwo zwischen beschaulich in der Gegend rumgondeln und dann doch zwischendurch am Berg mal ordentlich ins Schwitzen kommen. Das Ganze war aber auch ganz schön warm, puuh. Panorama und Landschaft? Yo. Berge, Täler, Flüsse? Check. Eine Radreise von Salzburg bis Grado im Sommer 2020. Auf die Sättel fertig los!

Drahtesel vor Bergpanorama in Mallnitz

Der Alpe-Adria Radweg: Eine Fahrradtour von Salzburg nach Grado

Mit den Erinnerungen ist das ja immer so eine Sache und mittlerweile ist der Sommertrip mit dem Rad über den Alpe-Adria Radweg schon wieder eine ganze Weile her, nämlich fast ein Jahr. Irgendwie fehlte bislang die Lust über die Tour zu schreiben. Nicht, weil es so fürchterlich langweilig war oder so. Ganz im Gegenteil. Aber ich dachte die ganze Zeit, diese Tour mit all den Erlebnissen könne auch mal einfach so stehen bleiben, ganz ohne Bericht im Blog, Social Media und den ganzen Bums.

Meinungen können sich ändern und ‘ne Tour über den Alpe-Adria Radweg ist einfach eine Geschichte wert

Aber – und das ist ja ‘ne schöne Sache – Meinungen können sich ändern und dieser Bericht ist dafür ein gutes Beispiel. Mittlerweile steht ja der nächste Corona-Sommer vor der Tür und das Virus nervt immer noch rum. In den vergangenen kalten Monaten musste ich wieder häufiger an den Sommertrip über den Alpe-Adria Radweg denken und habe dabei schnell gemerkt, dass das Schreiben darüber auch so ein bisschen die Vorfreude auf den Sommer steigert. Also dann: Zeitmaschine angeworfen und Ausstieg im Sommer 2020.

Auf zum Meer: Die Route des Alpe-Adria Radwegss

Der Alpe-Adria Radweg & Wie es für uns losging

Mal grob was zum Ablauf und Kontext unserer Radtour, damit ihr das irgendwie zeitlich und von der Strecke her etwas besser einordnen könnt. Wir haben den Alpe-Adria Radweg recht standardmäßig befahren. Also Start in Salzburg, mit dem Ziel in sieben Tagen in der Lagunenstadt Grado anzukommen und von den Tagesabschnitten nicht ganz so wie auf dem Foto oben abgebildet.

Anreise mit dem Auto – Zwei Räder, vier Taschen, ein Zelt und auf ins Abenteuer

Angereist sind wir mit dem Auto, Fahrradträger hinten drauf und nochmal kurz in die Rabauken-Packliste geguckt, ob wir denn auch das Notwendigste dabeihaben. Sonnenbrille? Musik? EC-Karte? Yo, alles drin. Der ganze Kram passt dann tatsächlich in vier Taschen, an jedem unserer Räder zwei. Das Zelt wird auf einen Gepäckträger gespannt und schon kann der Spaß losgehen. Auf nach Salzburg zum Startpunkt des Alpe-Adria Radweg. Yee-Haw!

Auf dem Campingplatz in Salzburg – Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Tag 1 auf dem Alpe-Adria Radweg: Salzburg – Pfarrwerfen (ca. 50 km)

Nach einer Nacht auf einen Campingplatz in der Stadt, starten wir früh morgens in Salzburg, der Mozartstadt am Fluss Salzach. Für die haben wir allerdings an diesem Tag nicht so wirklich etwas über. Wir wollen einfach raus ins Grüne, in Richtung Berge, die schon aus der Entfernung grüßen und daher lassen wir das sicherlich hübsche und interessante Städtchen auch größtenteils links liegen. Der Alpe-Adria Radweg ruft! Und das sehr laut. Vorbereitung ist aber wie immer alles. Deswegen kaufen wir noch fix einen Radreiseführer, damit wir uns einige nervige Blicke auf’s Handy ersparen können. Also kurz in die Stadt zu einer lokalen Buchhandlung und das Teil einpacken.

Dann aber ab auf den Alpe-Adria Radweg und raus in die Natur

Und jetzt aber ab und raus aus der Stadt. Halt, fast, irgendwas stimmt mit der Schaltung an einem unserer Räder nicht. Außerdem wäre eine Trinkflaschenhalterung für das andere Rad auch nicht schlecht. Soll ja knalle warm werden und ordentlich Höhenmeter stehen auch auf dem Programm. Okay, dann nochmal kurz einen Schlenker zum Radladen, schnelle Reparatur und noch eine alte aus der Ecke gekramte Halterung eingekauft. Fertig. Und jetzt können wir es endlich rollen lassen.

Die Salzach – Ständiger Begleiter auf den ersten Kilometern

Start des Alpe-Adria Radweg: Aus Salzburg raus und an der Salzach entlang locker einrollen

Auf den ersten 30 km hinter Salzburg können wir uns perfekt einrollen. Der Alpe-Adria Radweg verläuft hier die ganze Zeit schön flach an der Salzach entlang, easy😎 Nach der Salzach ist auch das Tal benannt, das wir nun auf dem ersten Teil des Alpe-Adria Radwegs durchqueren. Hier ist noch eine Menge Verkehr, der aber mit den Kilometern nachlässt. Wir starten gemütlich, wollen erstmal auf dem Sattel ankommen und ein Gefühl für’s strampeln bekommen. Das Wetter spielt uns voll in die Karten, die Sonne scheint und wir haben das perfekte Radfahrwetter, für uns jedenfalls.

Immer der Salzach folgen und am Horizont grüßen bereits die Alpen

Felder, Wiesen und die Alpen am Horizont – Die ersten Meter auf dem Alpe-Adria Radweg

Wir schauen auf diesen ersten Kilometern viel nach links und rechts, erfreuen uns an Wiesen, Feldern, Hügeln und den Gebirgszügen der Alpen am Horizont. Trotz einiger kurzer Stops kommen wir schnell an auf dem Rad, vergessen direkt den stressigen Arbeitsalltag, kommen gut voran und freuen uns schon auf den ersten Metern wie Bolle, dass wir uns diesen Rad-Trip rausgesucht haben. Alpen wir kommen!

Wiesen, Wälder und feinstes Wetter hinter Salzburg

Noch geht es kaum spürbar bergauf, aber einige Höhenmeter liegen vor uns

Wir bewegen uns locker-pfeifend voran, wohlwissend das noch einige Anstiege auf uns warten. Insgesamt geht es auf dem gesamten Alpe-Adria Radweg 3550 m hoch und 3910 m runter. Nach etwas mehr als 30 km ist es dann auch soweit und der Talpass Lueg steht auf dem Plan. Nicht die Welt, aber immerhin 1,5 km “kräftig bergauf”, wie uns der Reiseführer wissen lässt. Na dann mal runterschalten und gucken was kommt.

Die Alpen sind dann halt doch nicht das Rheinland – Wat wellste maache?

Auf dem Rad sind wir Alpen-Neulinge und leben halt auch in Köln, wo der sagenumwobene Monte Troodelöh (118 m) die höchste Erhebung auf Stadtgebiet ist. Mal vom Dom abgesehen. Naja, wir ahnen daher was noch alles auf uns zu kommt und irgendwie hatten wir ja auch Bock auf Berge und Anstiege, zumindest die eine Hälfte unserer Zweier-Reisegruppe. Wir strampeln den Pass hoch und finden Meter für Meter unser Tempo. Oben angekommen sind wir gut angeschwitzt und gönnen uns eine kurze und wohlverdiente Pause mit ‘nem Blechdrink aus dem Automaten – Corona lässt auch hier grüßen.

Der erste kurze Pass und das erste Mal K.O.

Abfahrt vom Pass Lueg – Die erste Panne lässt nicht lange auf sich warten

Den Puls ist schnell wieder runtergefahren und geht es weiter. In den Bergen radfahren heißt ja auch Abfahrten genießen dürfen. Das Motto lautet also, erst etwas anstrengen und dann schön bergab rollen lassen. Herrliche Sache. Nach der kurzen Pause am Pass Lueg geht es direkt steil bergab und das im doppelten Sinne, denn einige hundert Meter später macht es “PLING” an einem unserer Hinterräder und es schleift direkt massiv. Diagnose: Speiche rausgeknallt. Toll. Kein Plan wie man das repariert und daher auch erst recht kein Ersatz dabei. Ein klassischer Anfängerfehler, sicherlich.

Die erste Panne auf der Abfahrt vom Pass Lueg – Was ein Sch***

Eine ungewollte Taxifahrt – Und dann ein zweites Mal den Talpass Lueg hinauf

Panne auf der ersten richtigen Abfahrt des Alpe-Adria Radwegs. Klasse. Eines unserer Räder ist auch schon etwas in die Jahr gekommen und der Belastung mit dem Mix aus Geschwindigkeit und Gewicht der Taschen nicht so ganz gewachsen. Aber kann halt auch passieren, machste nix. Wir kommen zum stehen und recherchieren direkt die nächste Werkstatt. Ein vorbeifahrender Radfahrer erklärt uns, dass sein Cousin eine Werkstatt in der Nähe hat. Da könnte man hin. Perfekt!

Rolle rückwärts mit dem Taxi und den Talpass Lueg nochmals hoch

Jedoch müsste man da ein Stück zurück und nochmal über den Talpass Lueg. By the way: Der Typ hat ein Rennrad ohne Taschen und dazu Oberschenkel wie Baumstämme, also im positiven. Massive Teile. Für den also sicherlich kein Ding 10 Mal diesen kleinen Pass hoch und runter zu fahren. Macht der bestimmt auch einbeinig Nachts nach spontanem wecken. Ein netter und hilfsbereiter Mensch aber, er werkelt noch kurz am Rad rum, da tut sich aber nicht viel. Wir rufen also ein Taxi und fahren zurück zur Werkstatt des Cousins in Kuchl (Golling) .

Speichenbruch am Hinterrad und kein Werkzeug am Start

Kompetente Radreparatur und dann gehts weiter in Richtung Bad Gastein

Während der Reparatur legen wir vor dem Laden eine Kaffeepause ein. Glücklicherweise haben wir Sahnewetter und es ist noch recht früh am Tag. Die Pause genießen wir. Nach erfolreicher Behandlung beim Fahrradservice Wallinger (sehr zu empfehlen) schwingen wir uns wieder auf die Sättel und kraxeln nochmals – ja genau – nochmals – die Straße zum Pass Lueg hinauf. Fühlt sich beim zweiten Mal auch gar nicht mehr so schwer an. Dieses Mal klappt es auch mit der Abfahrt, die Speiche hält und es geht weiter auf hügeligem Terrain in Richtung Bad Gastein.

Übernachtung auf dem Campingplatz bei Pfarrwerden – Abschluss des ersten Tourentags

Die erste Nacht verbringen wir auf einem kleinen Campingplatz bei Pfarrwerfen, mit herrlicher Aussicht ins Tal und auf die umliegenden Alpengipfel. Richtig schön. Außerdem gibt es coronakonformes Abendessen: Dosenbier an Tiefkühlpizza, für uns an diesem Tag das perfekt Gericht. Wir lassen es uns schmecken, holen uns noch eine zweite Dose und gucken einfach nur in die Umgebung. Die Sonne geht langsam unter. Ein schöner und ruhiger Ort und der perfekte Abschluss eines super guten ersten Tourentags auf dem Alpe-Adria Radweg.

Am Abend des ersten Tourentages – Abschluss in Pfarrwerfen

Tag 2 auf dem Alpe-Adria Radweg: Pfarrwerfen nach Kötschachdorf (ca. 50 km)

Der zweite Tag startet früh am Morgen. Wir holen uns die am Abend vorbestellten Brötchen an der Rezeption ab und machen uns bei feinstem sommerlichen Morgenstunden erste einmal einen Kaffee am Zelt. Beine und Köpfe haben den ersten Tag und die erste Nacht gut überstanden und wir packen mit Vorfreude die Räder für den zweiten Tourentag. Vor uns liegen weitere circa 50 km bis nach Kötschachdorf, am Fuße des historischen Kur- und Wintersportorts Bad Gastein.

Mit dem Rad durch das Salzachtal – Vorbei an Bischofshofen und St. Johann im Pongau

Es geht weiter durch das schöne Ponguaer Salzachtal und langsam aber stetig bergauf. Unser Startort Pfarrwerfen liegt auf 545 m und bis Kötschachdorf müssen wir weitere 300 m Höhenunterschied schaffen. Nicht die Welt, schon klar. Aber halt auch nicht ganz ohne, wenn man das zum ersten Mal macht, jeweils zwei Taschen plus Zelt mit sich trägt und die Temperaturen vormittags bereits die 30 Grad passieren. Apropos “Grad”, auf diesem Streckenteil liegen auch kürzere aber wirklich knackige Anstiege, siehe auch Tourenbeschreibung bei Komoot.

Horden an E-Bikes und nette Bekanntschaften auf dem Alpe-Adria Radweg

Auch aufgrund der Topographie sehen wir unterwegs sehr viele Menschen auf elektromotorisierten Zweirädern. Wir machen Bekanntschaft mit einer Gruppe von E-Biker*innen (bis auf eine Person die ohne E-Unterstützung den kompletten Alpe-Adria Radweg mitmachen wird, Cappy ab), die wir schon am ersten Tag ab und an gesehen haben. Wir quatschen ein bisschen und bekommen einen guten Tipp für einen erholsamen Stop auf dem vor uns liegendem Weg: Kurz vor Bad Gastein gibt es einen Badesee, den wir bei den Temperaturen nicht verpassen sollten.

Wiesen, Wälder und feinstes Wetter – Teil II

Pickepackevoller See, aber ein guter Spot um mal kurz abzukühlen, direkt an der Strecke

Gehört, getan. Wir radeln weiter, vorbei an dem für diverse Wintersportarten bekannten Ort Bischofshofen sowie der Hauptstadt des Pongau, St. Johann im Pongau. Immer wieder laden schöne Plätze an der Salzach für eine Pause ein. Wer möchte kann hier in der Gegend auch Abstecher zur Burg Klammstein oder dem Liechtensteinklamm machen. Sicherlich sehenswerte Orte, für uns geht es aber weiter entlang des Alpe Adria Radwegs. Wir haben Bock in die Pedale zu treten und uns den Fahrtwind um die Ohren pusten zu lassen. Kurz vor unseren Tagesziel Kötschadorf am Fuße von Bad Gastein, sehen wir den Badesee. Pickepackevoll mit Menschen. Bei dem Wetter wunderts uns nicht, wir haben ja auch Lust auf eine schnelle Abkühlung.

Kein Plan wo genau das war – Aber schön, oder?

Arschbombe, Pommes, kühle Getränke und die letzten Kilometer bis zum Tagesziel

Also raus aus den Rad- und rein in die Badesachen. Arschbombe ins Wasser! Wir ziehen ein paar kurze Kreise im Wasser, gönnen uns eine Portion Pommes und ein Kaltgetränk. Die Erfrischungen tun super gut und gibt uns Kraft für die letzten Meter in Richtung des Camplingplatzes in Kötschachdorf (Bad Gastein), auf dem wir heute Nacht unser Zelt aufstellen werden. Der Campingplatz ist klein und liegt sehr ruhig mit einem schönen Blick ins Umland. Wer Golfschläger im Gepäck hat, kann direkt nebenan am Abschlag arbeiten. Glücklicherweise schlägt man nicht in Richtung Campingplatz. Wir bauen unser Zelt auf, kochen heute selber und lassen den Abend gemütlich mit Weinchen austrudeln.

Unser Zeltplatz in Kötschachdorf

Tag 3 auf dem Alpe-Adria Radweg: Kötschachdorf nach Villach (ca. 90 km, inkl. Bahnfahrt)

Auf Fahrradtouren komme ich für meine Verhältnisse eigentlich recht gut morgens aus den Federn. Ist sonst nicht so meine Spezialität. Da wir uns aber gestern den Anstieg nach Bad Gastein gespart haben und es heute super warm werden soll, stehen wir sehr früh auf und wollen die ersten steilen Kilometer möglichst schattig hinter uns bringen. Am Abend dieses Tages haben wir circa 90 km zurückgelegt, inklusive Bahnfahrt durch die Hohen Tauern um vom Gasteinertal ins Mölltal zu kommen. Aber erst einmal geht es nach einem schnellen Kaffee los nach Bad Gastein.

Bad Gastein – Ein surrealer Ort

Grand Hotel Budapest in den Alpen? Bad Gastein, krasser Ort mit Geschichte

Nach wenigen flachen Metern geht es für uns direkt in den nicht langen aber sehr steilen Anstieg hoch nach Bad Gastein. Teilweise mit über 20 % Steigung. Ehrlich, nicht gelogen. Steht sogar auf einem Straßenschild weiter oben kurz vor einer der Kirchen im Ort. Überzeugt euch selbst davon. Zwischendurch schieben wir unsere Kisten sogar. Wir kriegen das einfach nicht gekurbelt, aber was soll’s. Vorweggenommen: Die Anstrengungen lohnen sich.

Das “alte” Grand Hotel in Bad Gastein

Bad Gastein ist echt eine Nummer. Also ich habe so eine Kleinstadt noch nicht gesehen. Guckt euch mal das Hotel auf dem Bild oben an und dann kennt ihr vielleicht den Film Grand Budapest Hotel!? Wenn nicht, kurz Suchmaschine anwerfen. Der Regisseur Wes Andersen muss auf jeden Fall hier gewesen sein, als er auf die Idee seiner Filmkulisse gekommen ist. Der Name des Hotels in Bad Gastein ist übrigens Grand Hotel de l’Europe, merkt ihr was?

Lautrauschender Wasserfall und verfallende Bell-Epoque Bauten

Bad Gastein wirkt etwas entrückt. Erst einmal die Lage. Die Stadt ist in die Steilhänge gebaut und mittendurch knallt lautrauschend ein Wasserfall. Soweit Idylle, so gut. Dann die ortsprägende Architektur, verrotende Bell-Epoque Bauten, an denen sich ablesen lässt, dass der Ort mal eine ziemliche heiße Zeit gehabt haben muss. Bisschen Kur, Skipiste, abends Glückspiel, dies das halt. Elitäre Besucher*innen inklusive. Mich erinnerts irgendwie an so Orte wie Königswinter am Rhein, nur anders halt und eben in den Alpen. Verfallene Noblesse aus den eben-nicht-guten-alten-Zeiten. Wie dem auch sei, Bad Gastein hat auf jeden Fall eine interessante Geschichte. Anhalten und links/rechts gucken lohnt sich voll.

Blick von Bad Gastein ins Tal

So jetzt aber die letzten 2-7 Sätze zu Bad Gastein. Orte sind halt auch Teil der Radgeschichte. Und die ist fließend und daher ändern sich eben auch die Orte im Laufe der Zeit. Zeit fließt da quasi durch, finde ich. Große Weinglass Philosophie. Hicks und Bla Bla. Aber in Bad Gastein ist das halt auch so. Sicherlich merken die Menschen vor Ort halt schon auch, dass die Belle Epoque gewesen ist und man irgendwie gucken muss den Ort weiterzuentwickeln, um weiter wirtschaften und leben zu können. Umbrüche dauern, locken aber häufig auch Kreativität an. Und das passiert halt auch in Bad Gastein. Zum Beispiel kann man mittlerweile Kaffee usw. in einem alten Kraftwerk trinken. Ist doch geil. Nur eins von mehreren Beispielen. Fahrt da echt mal hin! Rabaukentipp!

Hinter Bad Gastein – Die letzten 1000 m hoch zur Tauernschleuse

Tauernschleuse und mit dem Zug durch den Berg – Auch das ist der Alpe-Adria Radweg

Von Bad Gastein aus geht es noch einige wenige Kilometer weiter bergauf bis zur Tauernschleuse. Wir haben mega Glück, perfektes Wetter begleitet uns und wir kommen irgendwie in so eine Art Fahr-Flow. Es läuft halt. Ist auch einfach eine viel zu schöne Szenerie, um die Höhenmeter doof zu finden. Und unser Plan morgens etwas früher aufzubrechen geht voll auf. Wir haben Zeit und können die Landschaften ums uns herum voll genießen. Als wir an der Schleuse ankommen, steht der Zug auch schon parat. Timing. Wir steigen ein und lassen uns entspannt durch die Hohen Tauern bis nach Mallnitz auf der anderen Seite transportieren.

Nahe der Tauernschleuse

Tauernschleuse – Und dann diese traumhafte Abfahrt ab Mallnitz

Die Bahhnfahrt endet nach ca. 10 Minuten und 8,4 km in Mallnitz auf 1200 Metern. Und dann geht es richtig bergab und das richtig geil. Keine Ahnung wie lang genau, aber wahrscheinlich so 8-9 km. Kurve folgt Kurve. Die Straßen sind überwiegend sehr gut, eure Bremsen sollten allerdings intakt sein. Landschaftlich ist das mal wieder der Kracher und wir können einfach laufen lassen. Mit offenen Mündern und großen Augen erreichen wir die Talsohle. Hier jetzt mal kurz stoppen und darüber quatschen wie mega gut denn bitteschön diese Abfahrt war! Absolutes Highlight, finde ich auch gerade beim schreiben immer noch. Grins.

Kurz vor der genialen Abfahrt noch mal schnell das Titelbild knipsen

Ein super warmer Tag – Kein Schatten in Sicht und noch einige Kilometer zu fahren

Nach der Abfahrt von Mallnitz geht es auf diesem Teilstück des Alpe Adria Radwegs den ganzen Tag über recht flach weiter. Sollte doch recht einfach sein, denken wir mit dem Blick auf die Karte. Pustekuchen. Auf der Karte kaum sichtbar geht immer wieder kurze Hügel rauf und runter. Den ganzen Tag und es ist ein super heißer Tag ca. 40 Grad und kaum Schatten durch das Mölltal. Keine wilden Anstiege, aber die Vielzahl zährt an unseren Kräften.

Kurze Pausen und vorbei an Spittal a. d. Drau und dem Millstätter See bis Villach

Dieser Tag ist bislang der anstrengenenste für uns. Wo wir ein kleines Stückchen Schatten finden, da pausieren wir ab und an. Wir passieren die Stadt Spittal an der Drau sowie den Millstätter See. Da hätten wir mal reinspringen sollen, lassen ihn aber links liegen, da wir heute noch bis Villach kommen wollen. An einem geschlossenen Gasthof können wir zwischendurch zumindest mal unsere Wasserflaschen füllen.

Auf und ab – Den größten Teil des Tages begleiten uns immer wieder kleine Wellen und Hügel

Es geht weiter rauf und runter, bislang der anstrengenste Tag auf der Tour

Weiter geht es auf und ab und die Sonne glüht den lieben langen Tag direkt über uns. Warum nur an diesem Tag das längste Teilstück fahren? Super Idee. Aber wir wollten ja unbedingt bis Villach kommen und langsam, aber sicher nähern wir uns der Stadt endlich. Kurbelumdrehung für Kurbelumdrehung. Das heutige Motto: Einfach nicht mehr viel nachdenken, sondern stoisch und einigermaßen rythmisch in die Pedale treten.

Der Wald? Alles stinkreiche Großgrundbesitztümer

Wir fahren die letzten ca. 20 km durch sehr waldreiches Gebiet entlang der Drau. Bei einer unserer letzten kurzen Pause kommen wir mit einem sympatischen älteren Förster mit Hund ins Gespräch. Er erklärt uns mit kurzen Fingerzeigen, dass der komplette Wald dort auf den Kuppen von einigen wenigen Großgrunsbesitzern bewirtschaftet wird. Von wegen Natur, alles profitorientiete Plantagen-Wirtschaft. Auch mal eine interessante Perspektive, denken wir uns und warum nochmal müssen einige wenige Menschen so viel Land besitzen?

Ankommen in Villach und ein Pausentag bei miesem Wetter

Die letzen Kilometer haben wieder Kaugummicharakter und wir kommen ziemlich fertig in Villach an. Heute ein Hotelzimmer, da sind wir uns einig. Die Wettervorhersage verheißt für den nächsten Tag nichts gutes. Gewitter und fast den ganzen Tag lang starker Regen. Wir beschließen eine Nacht länger in Villach zu bleiben.

Stuck in Villach – Regen, Gewitter, Muskelkater

Tag 4 auf dem Alpe-Adria Radweg: Villach nach Pontebba (ca. 55 km)

Die längere Pause in Villach tat mega gut und auch das Wetter sieht einen Tag später wieder so sonnig aus wie an den Tagen zuvor. Radler*innenglück. Wir haben uns auch ein wenig von den ersten körperlichen Strapazen erholt und sind startklar für den nächsten Abschnitt, mit Grenzübertritt nach Italien. Aufgrund des verlängerten Aufenthalts in Villach, hadern wir etwas mit unserer knappen Zeit und überlegen direkt von Villach einen Teil der nächsten bergigen Strecke mit dem Zug zurückzulegen und dann erst später wieder in die Pedale zu treten.

Ein erfahrener Radler und ein wertvoller Tipp

Vor unserem Hotel palavern wir rum und überlegen hin und her. Fahrrad oder Zug? Dann aber spricht uns ein weiser alter Mann (Die Vorgängerversion vom alten weißen Mann quasi) an und bittet uns doch auf jeden Fall den nächsten Abschnitt mit dem Rad zu fahren. Das wäre der schönste Teil des Alpe Adria Radwegs, alte Bahntrasse mit traumhaften Ausblicken. Ok, gekauft. Wir lassen uns überzeugen und treten in die Pedale.

Hat er Recht behalten, der ältere Herr – Wie cool ist denn dieser Streckenabschnitt bitte!

Nach dem Grenzübergang von Österreich nach Italien wird die Radstrecke eigentlich direkt so richtig schön. Es geht durch dichte Wälder und immer wieder gibt es kleinere Abfahrten. Herrlich. Langsam aber sicher nähern wir uns dann dem Abschnitt mit den Bahntrassen, wie vom älteren Radler in Villach beschrieben.

Irgendwo im Grenzgebiet Österrreich-Italien und auf dem Weg zum Bahntrassenabschnitt

Tunnel, Brücken, Tunnel – Unterwegs auf alten Bahntrassen

Eigentlich bin ich ja nicht so der große Fan von Radtouren über ehemalige Bahntrassen. Mir fehlt da immer so ein wenig die Abwechslung. Aber nicht hier! Die ehemalige Bahntrasse über die der Pontebbana Radweg ist der Knaller. Ich weiß gar nicht genau wieviele Kilometer dieser Abschnitt lang ist, aber man kann gefühlt zwei Stunden lang die Beine hochlegen und bei sanftem Gefälle die atemberaubende Landschaft um einen herum bewundern. Ein paar Impressionen von diesem Abschnitt seht ihr in der Bilderserie. Versprochen: Live ist das alles noch viel viel schöner.

Eine Horde Rocker und die besten hausgemachten Pasta der Welt

In der Nähe von Pontebba übernachten wir in einem Seitental. Es geht noch einmal eine kurze Strecke bergan. Aber auch hier lohnen sich die zusätzlich gefahrenen Höhenmeter, denken wir, als wir unsere Bleibe, das Agriturismo La Vecchia Latteria erreichen. Nur die Ansammlung an Harleys und anderen dicken Karren macht uns etwas stutzig. Nach und nach torkeln uns belederte Menschen über den Weg. Feier eines lokalen Rocker-Clubs. Oh je, denken wir. Im Endeffekt tut uns aber niemand was und die Meute löst sich gegen frühen auf. Die Unterkunft selber: Ein kleines Hotel in super Lage und mitten im Grünen. Leckeres Essen (beste Pasta ever) und kühle Getränke inklusive. Top und echt einen Abstecher wert. Cheers!

Die allabendliche Erfrischung – Immer wieder herrlich

Tag 5 auf dem Alpe-Adria Radweg: Pontebba nach Venzone (ca. 35 km), mit dem Zug nach Palmanova und von Palmanova nach Grado (ca. 28 km)

Von Pontebba aus geht es weiter Richtung Adria-Küste. Okay, eingangs haben wir etwas von 410 km geschrieben. An Tag 5 unserer Tour haben wir uns ein paar Kilometer davon erschummelt und sind Bahn gefahren. Wir hätten es sonst einfach zeitlich nicht geschafft in den restlichen Urlaubstagen bis Grado zu kommen und die letzten Meter durch Lagune bis zum Meer wollten wir auf jeden Fall auf dem Rad machen. Bevor wir aber in Venzone in den Zug gestiegen sind, hatten wir am fünften Tag der Tour noch 35 km auf dem Rad zurückzulegen. Soviel zur Ehrenrettung.

Von Pontebba über Chiusaforte bis Venzone

Eine schöne Weile geht es noch weiter über die Bahntrassen und wir sind immer noch im Genießer*innenmodus. So lange, bis auf einmal der Radweg endet. Ehrlich, auf einmal nur noch Schotter vor uns. Hier ist der Radweg einfach noch nicht weitergebaut worden😳 Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des lokalen Tourismusvereins wedelt aber direkt freundlich mit einer handvoll Prospekten und zeigte uns an wo es weitergeht.

Radweg plötzlich zu Ende

Ein Glas Wein auf dem Alpe Adria Radweg in der Sonne

Es ging dann erst einmal auf der Straße weiter Richtung Chiusaforte. Dann noch wenige weitere Kilometer bis Venzone. Von dort aus soll es für uns mit dem Zug weitergehen. Venzone hat eine krasse jüngere Geschichte, Stichwort Erdbeben 1976. Die Stadt wurde möglichst originalgetreu wieder aufgebaut. Echt schön. Da wir etwas auf unseren Zug warten müssen, gönnen wir uns ein Glas Wein in der Sonne. Ausgeruht und etwas angeschickert besteigen wir danach den Zug nach Palmanova.

Puh, gerade noch den Zug bekommen

Von der Schiene wieder auf das Rad in Richtung Palmanova

In Palmanova geht es dann wieder von der Schiene auf die Räder. Schon krass so den Vergleich zu haben, wie schnell Züge durch die Täler rauschen, die man auf dem Rad quasi in Zeitlupe erlebt. Radfahren ist halt auch Entschleunigung und das ist eine der Qualitäten, die wir am Radfahren so lieben. Aber Palmanova: Abgefahrene Stadt. Also baulich. Gebt den Stadtnamen mal in eure Lieblingsinternetsuchmaschine ein und schaut euch die Bilder an. Ihr seht dann viele Luftaufnahmen und aus dieser Vogelperspektive erschließt sich auch die Besonderheit Palmanovas, nämlich ihr durchgeplanter sternförmiger Grundriss.

Eine Stadt wie ein Stern und UNESCO Weltkulturerbe seit 2017

Dieser hatte selbstverständlich einen Zweck und zwar einen kriegerischen. Palmanova wurde Ende des 16. Jhd. als Soldaten/Garnisonsstadt auf dem Reisbrett entworfen. In der Mitte ein völlig überdimensionierter Exerzierplatz und von diesem abgehend breite Straßen damit die Soldaten und Maschinen schnellstmöglich zur Stadtmauer und damit zu den Verteidigungsanlagen kamen. Sieht man alles gut auf den Luftaufnahmen. Seit 2017 ist Palmanova auch Weltkulturerbe. Heute wirkt die Stadt eher verschlafen bis touristisch. Ein kurzer Abstecher lohnt sich jedoch unserer Meinung nach definitiv.

Die Landbrücke in der Lagune von Grado – Die letzten Kilometer vor dem Ziel

Weiter Richtung Küste, immer der Meerluft nach – Das Finale des Alpe-Adria Radwegs

Apropos kurz, für uns geht es weiter Richtung Grado, immer der Meerluft nach auf mittlerweile komplett flachen Terrain. Nach dem Auf- und Ab der letzten Tag eine wohltuende Abwechslung. Wir lassen gut rollen, die Luft ist warm und die Sonne scheint. Ein bißchen Gegenwind, aber ansonsten alles feinst. Zwischen Palmanova und Grado passieren wir noch das historische Örtchen Aquileia. Historisch, weil irgendwann damals mal römisch geprägt und wichtig für das Imperium. Und heute? Puh, ja okay, ein paar Ausgrabungsstätten und eine riesige Basilika. Ist jetzt auch nicht uninteressant, aber für uns zählt jetzt nur die Ankunft in der Lagune und im Zielort Grado an der Adriaküste.

Wie Kaugummi ziehen sich die finalen Kilometer durch die Lagune von Grado

Zum Schluss wird es etwas zäh. Die 4 km lange Landbrücke, die Grado mit dem Festland verbindet, zieht sich für uns etwas, der Gegenwind tut sein übriges. Aber dann… Endlich sehen wir auch die ersten Dächer und Kirchtürme am Rande des Golf von Venedig. Wir treten nochmal mit voller Kraft in die Pedale und dann haben wir es geschafft: Wir passieren die Brücke Richtung Grado und sind an unserem Ziel angekommen.

Moretti, Kippe, Fahrradmütze und ein Abendessen mit eingezäuntem Meerblick

Grado selbst: Sehr touristisch aber hübsch gelegen

Etwas erschöpft irren wir durch die schönen Gassen von Grado. Der Ort hat schon eine sehr besondere Lage als Stadt in einer Lagune und ein ebenso besonderes maritimes Flair. Klar, sehr überlaufen von Touris alles, aber wir sind je schließlich Teil des Gewusels. Nach einer Weile finden wir endlich unseren Camingplatz. Angekommen, Schluß und Ende des Alpe-Adria Radwegs. Zumindest für uns. Mit Blick auf’s Meer kochen wir am Zelt und lassen den letzten Abend unserer Tour gebührend ausklingen.

Tag 6 auf dem Alpe-Adria Radweg: Zurück nach Aquileia und mit dem Zug nach Salzburg

Für uns geht es an Tag 6 der Tour zurück nach Salzburg. Wir fahren mit dem Rad ein paar Kilometer zurück nach Aquileia. Von dort nehmen wir dann den Zug, der uns mit nur zwei Umstiegen bis Salzburg bringt. Wir schauen aus dem Fenster. Landschaften rauschen vorbei, an denen wir in der letzten Woche vorbeigeradelt sind. In Salzburg angekommen, packen wir dann die Räder auf’s Auto. Für uns geht es jetzt noch Richtung Bodensee, dort stehen ein paar Tage campen, abhängen und die Umgebung mit dem Rad erkunden an. Inklusive sehr guter Freunde. Aber das ist eine andere Geschichte.

Cheers und auf einen tollen Radfahrsommer 2021!

Weitere Infos zum Alpe-Adria Radweg

Offizielle Homepage: https://www.alpe-adria-radweg.com/

Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alpe_Adria_Radweg

Alpe-Adria Radweg Radtourenbuch: https://www.esterbauer.com/db_detail.php?buecher_code=CAAR

Tourenvorschlag auf Komoot: https://www.komoot.de/tour/10267834