Von Frankfurt am Main aus hoch hinaus über den Großen Feldberg und am Rhein entlang bis Mainz. Eine Fahrradtour im Taunus und am Rhein.

Eckdaten zur Fahrradtour im Taunus und am Rhein
- Gebiet: Taunus & Oberes Mittelrheintal
- Dauer: 4 Tage
- Start: Frankfurt am Main
- Ziel: Mainz
- Gesamtkilometer: ca. 180 km
- Höhenmeter: ca. 2200 Hm
- Setup: Gravel- und Tourenräder, je zwei Radreisetaschen hinten, ein Zelt auf dem Gepäckträger
- Übernachtungen:
- Campingplatz The Eppstein Project (im Taunus nahe Eppstein)
- Campingplatz Wisperpark (im Wispertal im Taunus)
- Campingplatz Bauer-Schorsch (bei Bingen, direkt am Rhein)

Prolog – Warum ausgerechnet Taunus und Rhein?
Eine Fahrradtour im Taunus und am Rhein. Warum denn das? Naja, die Idee ist die folgende: Nach und nach möglichst viele Mittelgebirge mit dem Rad erkunden. Denn mal ehrlich – von diesen Mittelgebirgen gibt es eine Menge.
Quasi so viele, wie Büdchen (aka Kioske) hier bei uns in Köln. NRW haben wir inzwischen so gut wie abgegrast, also schweift der Blick mittlerweile immer häufiger über diesen Tellerrand hinaus. Für das Jahr 2025 haben wir uns zwei neue Ziele rausgeguckt: Taunus und Rhön. Zum Auftakt starten wir mit einer Radtour im Taunus, und weil wir’s nicht lassen können, rollen wir natürlich auch gleich über den höchsten Berg des Taunus: den Großen Feldberg (881 m).
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Weitere InformationenUnd warum aus dem Taunus an den Rhein? Ganz einfach: Vom Taunus bietet es sich an, hinunter an den Rhein zu rollen. Landschaftlich und kulturell bringt das noch einmal eine schöne Abwechslung, und gleichzeitig hat man sehr gute Abreiseoptionen, das heißt in unserem Fall zurück nach Köln oder weiter nach Karlsruhe.

Etappe 1 – Vom Frankfurter Bankenviertel ins Äppelwoi-Umland (30 km / 310 hm)
Start in Frankfurt: Raus aus der Großstadt, rein ins Grüne
Unser Treffpunkt nach Anreise aus Köln und Karlsruhe ist der Hauptbahnhof in Frankfurt. Ein kurzes Hallo, Räder aus dem Zug, und schon treibt uns die Ungeduld raus aus der City. Vorbei an Bankentürmen rollen wir ans Mainufer. Dort beginnt unsere Einroll-Strecke: entspannt am Fluss entlang, über’n Holzsteg mitten durch die Schwanheimer Düne, dann über Felder, Wiesen und jede Menge Obststräucher und -bäume. Mit jedem Kilometer wird es ruhiger und damit die Ausblicke immer schöner. Mal glitzert die Skyline von Frankfurt, mal locken schon die bewaldeten Höhen des Taunus.

Zwischenstopp: Äppelwoi am Birkenhof Hofheim
Der erste kulinarische Höhepunkt in Hessen lässt nicht lange auf sich warten. Am Birkenhof in Hofheim hat die Bembelschenke samt Hofladen gerade geöffnet. Wie für uns gemacht also. Zuvor noch Kaffee und Kuchen aus’m Hofladen als Grundlage, dann der erste Bembel. Der erste Schluck: gewöhnungsbedürftig. Der zweite: süffig. Nach einem Liter beschließen wir, es gut sein zu lassen, schließlich wartet noch der erste und einzige Anstieg des Tages.

Panne am Pinion-Rad und weiter Richtung Eppstein
Mitten im Waldanstieg dann die Panne: Daniel, Freund-seit-Schultagen und gemeinsam mit mir an diesem Wochenende auf Tour, verliert an seinem neuen Rad mit Pinion-Schaltung den Riemen. Was soll denn das jetzt!? Ok, kurz gesammelt und dann ein kurzer Schraubereinsatz, Hinterrad raus, Riemen richten, weiter geht’s. Oben auf der Höhe angekommen, rollen wir entspannt bergab nach Eppstein. An der Burgruine und der Altstadt vorbei geht es dann zum Schluss noch einmal kurz und knackig zum Campingplatz The Eppstein Project hoch, der terrassiert an einem recht steilen Hang liegt.

Ankunft am Campingplatz The Eppstein Project
Unser Tagesziel: ein Campingplatz, der nach Besitzerwechsel regelrecht aufgeblüht ist. Alles wirkt detailverliebt und durchdacht. Es gibt frische Brötchen, leckeren Kaffee, regionale Produkte, Wein, Bier und abends Pommes mit veganer Currywurst aus dem Foodtruck. Wir kommen mit anderen Camper*innen und den neuen Betreiber*innen ins Gespräch – super sympathisch. Konzerte, Vinylabende oder Yogakurse gehören hier ebenfalls zum Programm. Ein Platz mit viel Herz und frischen Ideen und für uns sicher nicht der letzte Besuch.

Highlights Tag 1
- Frankfurt am Main mit Mainufer & Skyline
- Schwanheimer Düne
- Obstanbau-Wiesen rund um Hofheim
- Hofladen & Bembelschenke am Birkenhof Hofheim
- Campingplatz The Eppstein Project mit Foodtruck, regionalen Produkten und toller Atmosphäre
Etappe 2 – Über den Großen Feldberg ins Wispertal (ca. 80 km/1.200 hm)
Morgens noch gemütlich, dann erstes Schrauben
Nach einer kalten Nacht im Zelt rollen wir noch einmal durch Eppstein City und biegen ab ins Fischbachtal. Bei Daniel quietscht die Hinterbremse. Das ist alles noch nicht so 100 % eingespielt am neuen Rad. Also: Wieder Stop, Werkzeug raus, Hinterrad raus, sauber machen, Schrauben lockern. Schwupps, läuft wieder rund. Die Straße steigt langsam an, aber alles noch harmlos.
Zwischen Nobelvillen und Waldwegen
Steiler wird’s dann rund um Königstein und Falkenstein und hier sind auch einige Leute verdammt reich. So viele Villen und dicke Karren auf so engem Raum, sieht man in Köln vielleicht in Hahnwald. Altes Geld trifft auf neues Geld, direkt Tür an Tür. Dahinter wird es waldiger und damit auch viel schöner.
Die Route führt uns hoch Richtung Altkönig, den dritthöchsten Berg des Taunus. Herrlich! Das Wetter ist top, die Beine drehen, und wir staunen, wie abgelegen und waldreich unsere Strecke ist. Wir sind selbst überrascht von uns: ganz schön wild, was wir da zufällig gewählt haben. Vom Altkönig aus öffnet sich der Blick rüber zum Großen Feldberg, unserem nächsten Ziel.

Schlemmerei im Waldrestaurant und dann hoch zum Feldberg
Nach kurzer Abfahrt halten wir die Höhe und rollen zum Waldrestaurant Fuchstanz. Hier gönnen wir uns eine ordentliche Mittagsplatte mit Semmelknödel und dazu gibt es ein Helles. Gestärkt geht’s weiter hoch auf den Großen Feldberg. Klar, knackige Rampen gibt es immer wieder, aber es ist weniger schlimm als gedacht.
Die letzten 500 Meter dann doch lieber Asphalt: Im Wald türmt sich eine zu steile Wand vor uns auf, und die Beine wollen nicht mehr. Egal, oben ist oben. Auf 881 Metern genießen wir Hammer-Aussicht bei feinstem Wetter. Wir lassen uns ins Gras sinken, pusten durch und feiern uns ein bißchen selbst. Gipfelglück nennt man das wohl.

Abfahrt, Obstwiesen und das große Verfransen
Lang bleibt’s nicht gemütlich, der Wind kühlt uns schnell aus. Also rauf aufs Rad, rein in die Abfahrt und die bockt so richtig! Mit Schwung geht’s weiter Richtung Bad Schwalbach. Wir durchqueren immer wieder Obstwiesen, rollen über kleine Anstiege, oft abseits der Straßen. Ein herrlicher Nachmittag. Bis wir uns am Ende des Tages dann doch total verfransen.
Irgendwann haben wir unsere Route definitiv verlassen und Google Maps schickt uns auf „Wege“, die seit bestimmt hundert Jahren keine mehr sind. Dornen, Gestrüpp, Tannen, selbst Wandern wäre hier schon ein Abenteuer.
Wir wuchten die Räder eine gefühlte Stunde durch diese „Dornenhölle“, kratzen uns die Schienbeine und Waden blutig und landen schließlich irgendwie auf einer Kuhwiese und dann zurück auf unserer Route. Was war das denn Bitte für ein großer Scheiß!
Ankunft im Wispertal: Rettung in letzter Minute
Mittlerweile ist es halb neun, und die Sorge wächst, ob es am Campingplatz Wisperpark noch etwas zu essen gibt. Um kurz vor neun stehen wir fix und fertig auf dem Platz und sehen bestimmt aus wie die ärmsten Gestalten. Doch die Betreiberin hat offenbar ein Herz für total fertig aussehende Typen wie uns: Obwohl die Küche längst zu ist, zaubert sie uns noch zwei Flammkuchen.
Dazu kippen wir gleichzeitig massig Apfelschorle und Bier in uns rein, denn so richtig Flüssigkeit, also Wasser, hatten wir die letzten Stunden keins mehr in unseren Trinkflaschen. Selten hat Essen so lecker geschmeckt. Echt jetzt. Mit zwei weiteren Bieren im Gepäck, als Notreserve für den Flüssigkeitshaushalt, torkeln wir zum Zelt, quatschen noch über Gott und die Welt und schlafen dann so schnell wie selten zuvor.

Highlights Tag 2
- Der leckerste Campingplatz-Kaffee ever bei The Eppstein Project
- Altkönig: waldreiche Route & Ausblicke auf den Großen Feldberg
- Einkehr im Waldrestaurant Fuchstanz, zwischen dem Kleinen Feldberg und dem Altkönig
- Auffahrt zum & Aussicht am Großen Feldberg (881 m)
- Camping Wisperpark, im Wispertal, idyllisch und ruhig gelegen.
Etappe 3 – Bergab statt bergauf (ca. 40 km / kaum Höhenmeter)

Morgen im Wispertal: Platten & Rührei
Der Tag beginnt entspannt, wenn man mal von Daniels Platten absieht. In feinster Kleinarbeit zieht er mit der Pinzette Dutzende Dornen aus dem Mantelinneren. Danach gibt’s noch lecker Rührei aus der Pfanne und Kaffee am Zelt. Camping Wisperpark bleibt uns als Wellness-Tipp in Erinnerung, wenn man mal runterkommen will.

20 Kilometer bergab nach Lorch auf der Radtour im Taunus
Frisch gestärkt geht’s los. Fast 20 Kilometer bergab Richtung Lorch. Nach den Strapazen des Vortags ist das pure Wohltat. Das Wispertal gefällt uns schon richtig gut: Immer wieder begegnen uns Radfahrer*innen mit nostalgischen Stahlrädern, Teilnehmende des Eroica Germania Rides. Netter, sympathischer Haufen.
Zwischen Wein und Pommes in Lorch am Rhein
In Lorch direkt am Rhein stolpern wir direkt ins Stadtfest. Im Innenhof wird schon gefiedelt, Wein ausgeschenkt, und da sagen wir doch nicht nein. Ein Gläschen dort, und dann ganz stilvoll um die Ecke in die Pommesbude: „Zwei Mal Pommes rot-weiß, bidde!“ Wein und Pommes, definitiv unsere neue Lieblingskombi.

Rüdesheim-Schock und Fähre nach Bingen
Weiter geht’s am Rhein entlang Richtung Rüdesheim und hier trifft uns der Kulturschock. Menschenmassen schieben sich durch die Drosselgasse, Touri-Kitsch, wohin das Auge blickt. Baumstriezel mit Zimt auf die Hand rettet den Moment (ohne Rüdesheimer Kaffee, denn Asbach Uralt im Kaffee ist doch wohl wirklich keine Option, Leute). Nichts wie raus und ab auf die kleine Fähre nach Bingen. Fähre fahren ist immer ein Highlight: Perspektivwechsel vom Fluss aus, und aus der Entfernung wirkt Rüdesheim fast wieder hübsch.

Camping bei Bauer-Schorsch: Aperol & Garbage Run
Nach ein paar Kilometern erreichen wir den Campingplatz von Bauer-Schorsch. Fix das Zelt aufbauen, von den Nachbarn ein Bier geschenkt bekommen und am Rhein Aperol Spritz schlürfen, wenn das mal nicht herrlich ist. Vor 17 Uhr am Ziel zu sein, fühlt sich irgendwie ungewohnt, aber auch verdammt gut an. Das Abendessen ist okay, aber: Leute, es ist 2025 und mehr als ein einziges fleischloses Gericht sollte schon drin sein, auch wenn wir nicht in Köln sind.
Dafür lernen wir drei Jungs aus Utrecht kennen, die sofort auffallen: schrabbeliger alter Benz, aufblasbares Sofa, Dosen-Weizen in der Hand. Fehlt eigentlich nur noch Hardstyle aus den Boxen. Die Boys machen beim Garbage Run mit. Das ist eine Rallye, bei der das Auto mindestens 20 Jahre alt sein muss und höchstens 1.000 Euro kosten darf. Ziel: eine völlig verrückte Roadtrip-Woche quer durch Europa. Die drei sind auf dem Weg nach Südosteuropa und wir sind sicher, sie werden die Zeit ihres Lebens haben.
Am Ufer cruisen Partyschiffe vorbei, wir trinken noch ein paar Biere und stapfen gegen Mitternacht ins Zelt. Tief und selig schlafen wir ein.
Highlights Tag 3
• Frühstück mit Rührei und Kaffee am Camping Wisperpark
• Abfahrt durch das Wispertal nach Lorch am Rhein
• Rheinradeln im Flow-Modus
• Baumstriezel mit Zimt in Rüdesheim
• Fähre Rüdesheim → Bingen
• Rheinterrasse am Campingplatz Bauer-Schorsch mit Aperol
Etappe 4 – Vom Rhein nach Mainz (40 km / kaum Höhenmeter)
Morgens am Rhein: Zelt-Flow
Aufwachen im Zelt, der Gang zum Waschraum wird zur Routine. Und mit einem Lächeln stellen wir fest: Zelt können wir noch! Mehr noch: Wir haben das Gefühl, dass wir dieses Mal auf den Campingplätzen viel besser mit Leuten ins Gespräch gekommen sind als früher in Pensionen oder Hotels.
Diese Tour macht auf jeden Fall Bock auf den nächsten Radsommer.
Wir packen alles zusammen und gönnen uns ein Frühstück am Rheinufer: Pott Kaffee, Teller Rührei und ein Stück Kuchen. Nebenbei bequatschen wir die Route für heute: Heute nur noch locker am Rheinradweg entlang bis Mainz, rund 40 Kilometer. Ein perfektes Ausrollen, bevor es heimwärts geht.

Hinter dem Rheindeich entlang
Wir rollen vom Platz, zeitgleich mit unseren niederländischen Freunden, die mit ihrem schrottigen Benz zum Garbage Run aufbrechen. Für uns geht’s gemütlich den Rhein entlang. Die Sonne kommt raus, begleitet uns den ganzen Vormittag. Ein großer Teil der Strecke führt hinter dem Rheindeich entlang. Links und rechts: Wiesen, Felder, Schrebergärten. Es ist Wochenende, und der Radweg ist voller Leben, vom preschenden Rennrad über E-Bikes bis zum entspannten Bummelrad ist alles dabei. Für uns läuft’s locker-flockig Richtung Mainz.

Dornen-Nachwehen: Was ein Abfuck!
Kurz vor Mainz rächen sich die Dornenbüsche vom zweiten Tag. Erst verliert ein Hinterreifen Luft, dann sind auf dem anderen Rad gleich beide Schluffen platt. Was ein Abfuck! Flicken wollen wir nicht mehr, Ersatzschläuche haben wir keine. Also pumpen wir die letzten Kilometer mehrfach nach, in der Hoffnung, noch irgendwie den Mainzer Hauptbahnhof zu erreichen. Und ja – irgendwie klappt es, wie eigentlich immer.

Mainz und der Abschied
Am Bahnhof bleibt noch Zeit für ein kleines Mittagessen, dann heißt es Abschied nehmen: Daniel fährt rheinaufwärts nach Hause, ich rheinabwärts nach Köln. Glücklich und zufrieden nach vier richtig guten Tagen schieben wir unsere platten Esel in die Züge.

Highlights Tag 4
• Frühstück am Rheinufer mit Pott Kaffee, Rührei & Kuchen
• Fahrt entlang des Rheindeichs mit Sonne im Gesicht
• Lebendige Rheinradweg-Atmosphäre
• Schrebergartenidylle unterwegs
Rauf auf in den Taunus, runter an den Rhein – unser kurzes Resümee der Radtour im Taunus
Beim Zugfahren am Ende einer Tour hat man ja auch immer ein bisschen Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Für uns steht fest: Die Kombination aus Taunus und Mittelrheintal war ein Volltreffer. Die Hügel, Wälder, Obstwiesen und Felder des Taunus und dazu das Radeln am schimmernden Rhein entlang, flankiert von Weinhängen, Burgen und Schlössern. Abwechslungsreicher geht’s kaum.
Mit Start in Frankfurt ist die Tour super easy mit dem Zug erreichbar, und auch das Finale in einer Rheinstadt – bei uns Mainz – ist ideal, weil man von dort aus problemlos wieder heimkommt.
Unser Fazit
Besonders das Zelten hat diese Tour für uns noch intensiver gemacht: mehr Begegnungen, mehr Natur, mehr Abenteuergefühl. Das hat Bock gemacht! Der Taunus wird uns garantiert wiedersehen – und das Zelt kommt nächstes Jahr sicher wieder mit hinten aufs Rad. Also: Taschen packen, rauf aufs Rad und los – diese Kombi macht einfach Laune.


