Einige Höhenmeter beim Schauinland

Guten Morgen Welt! Nachdem wir gestern insgesamt knapp 2000 hm in den französischen Vogesen geschafft haben (siehe Bild unten), starten wir heute mal ganz gemütlich in den Tag. Fahrtechnisch geht es heute eher flach zu und das erste Stück sogar bergab. Geschenkt, bei alten Radprofis wie uns. Auf geht es von den Vogesen in Frankreich hin zum Fahrradfahren im Schwestergebirge auf der anderen Rheinseite, dem Schwarzwald.

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Ein leckeres Frühstück mit Erdnusscreme und Marmelade gibt es vor dem Zelt. Wir lieben nämlich Brötchenlisten, die, mit denen Brötchen, für den nächsten Morgen vorbestellt werden können. Gibt es ja am Platz Huttopia, glücklicherweise. Kaffee dazu, perfekt. Schnell hängt unser Gepäck wieder an unseren Rädern und wir können los.

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Keine Powerriegel mehr

Ein kurzer Blick in unsere Lenkertaschen offenbart, dass wir keine Super-Power-Schieb-mich-den-Berg-noch-Hoch-Riegel mehr in der Tasche und alle gestern am Berg verballert haben. Wir halten kurz bei einem bekannten Discounter, um uns für den Tag einzudecken. Denn auch wenn heute keine sportlichen Höchstleistungen auf dem Programm stehen, denken wir, sollten wir doch etwas dabeihaben. Sicher ist sicher.

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Locker flockig am Kanal entlang

Es geht locker am Kanal entlang. Die Sonne gibt weiterhin was sie kann. Wir freuen uns schon aufs Ankommen und wollten abkürzen und schön fahren. Eben nicht über die olle Hauptstraße, so der Plan.

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Doch Komoot ist eben Komoot und wir sind wir. Das matched mal mehr, mal weniger gut. Wir haben uns also blind auf die Streckenführung verlassen und landen somit im Gebüsch. Erst denken wir: Yeah, mal weg von der blödern Straße. Dann: Leck mich fett, ist das nervig, buckelig und anstrengend! Zumal die Sonne immer noch über uns steht und auf unsere Köpfe brennt.

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Das Gebüsch hinter und gelassen, landen wir im Industriegebiet. Wir sind froh, als wir endlich nach einer gefühlt endlosen Fahrt zwischen Hallen, LKWs und Schornsteinen den Rhein überqueren und bei Neuenburg am Rhein ein Plätzchen im Schatten zum Frühstücken finden. Mal durchpusten. Wir haben Käse, Brot und Olivenöl und lassen es uns noch einmal richtig gut gehen, direkt am Flussufer. Im Schatten. Hier könnten wir liegen bleiben, wollen jedoch noch weiter zum nächsten Campingplatz.

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Irgendwie komisch wieder in Deutschland zu sein, dabei waren wir gar nicht lange und weit weg. Doch wir fahren Stück für Stück wieder ins Landesinnere und damit wieder Richtung…. boah weg mit dem Gedanken. Wir haben noch heute und den ganzen morgen Tag. Yeah! Also ab auf die Räder, treten und genießen.

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Wir kommen zum Fahrradfahren im Schwarzwald an. Hello Munstertal.

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Nach einer gemütlichen Nachmittagsfahrt durch relativ flaches Gelände erreichen wir unser Domizil für die kommende Nacht. Highclass Camping im Schwarzwald! Wir kommen uns ein wenig dreckig vor, als wir in die Rezeption stolpern. Wir werden freundlich begrüßt und im System gesucht. Mit den Minuten, die vergehen, beschleicht uns die Erkenntnis, dass hier irgendwas nicht stimmt. Wir stehen nicht im System! No! Wir können nicht weiter, echt nicht. Obwohl es heute recht lockeres fahren war, fühlen wir uns Matt vom Vogesen-Tag zuvor. Naja, und wer weiß, vielleicht doch auch von Bier und Wein am Vorabend.

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Haben wir überhaupt eine Reservierung für den Schwarzwald Campingplatz

Mist. Henrik kramt sein Handy aus der Hosentasche und tippt hektisch auf den Bildschirm. Die Mail ist da, aber eben nur eine automatische und keine Bestätigung. Fuck! Denken wir natürlich nur. Wir Holzköpfe. Doch wie immer haben wir Glück im Unglück. Der Chef höchst persönlich nimmt sich den beiden ausgemergelten Radfahrern an und zeigt uns eine Zeltwiese hinter dem Bauernhaus. Boah! Wir haben unsere eigene Zeltwiese. Wie gut ist das denn bitte? Besser hätte es echt nicht laufen könne. Danke Camping Munstertal!

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Zelt aufbauen im hellen Schwarzwald

Diesmal bauen wir im Hellen auf. Täglich lernen wir dazu und haben es am anderen Tag wieder vergessen. Doch heute Abend haben wir echt keine Lust später noch irgendwas zu machen. Nachdem das Zelt steht, gönnen wir uns auch noch eine heiße Dusche. Alter, tut das gut. Was für ein Luxus oder? Die Badezimmer, ja DIE Badezimmer, sind riesig. Junge, Junge, Junge wo sind wir hier nur gelandet…haha, nee der Luxus fährt mit. Meinte schon Olaf am Vorabend. Tut ja auch mal gut, frisch geduscht am Tisch zu sitzen und nicht immer nur in durchgeschwitzten Radklamotten.  

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Wein und Luxusbäder im Schwarzwald

Und siehe da, auch hier ein kleiner Laden am Campingplatz und eine Flasche Wein. Die packen wir zur Sicherheit lieber mal gleich mit ein, bevor es zum Essen geht. Alter Rabaukentrip, falls später am Zelt noch der Trinker in uns erwacht. Wir entscheiden uns aber erst einmal für das Restaurant und für Käsespätzle mit lokalen Bieren und lassen uns zum Ende auch noch irgendwas Brennendes aufschwatzen. Ach, Radfahren, das ist einfach wunderbar. Einfach mal laufen lassen. Für morgen steht ja auch nur EIN Berg auf dem Programm. Easy, denken wir, pusten das brennende Etwas aus und lassen es uns noch ‘ne Weile in der lauen Sommernacht gut gehen.

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Starchasing im Schwarzwald

Selig schlurfen wir zu unserer privaten Zeltwiese zurück und sind überwältigt von einem wirklich atemberaubenden Sternenhimmel. Dat siehste ja in Köln nicht. Wie geil. Wir ziehen unsere Isomatten aus dem Zelt und lassen uns auf den Boden fallen. Starchasing vom Feinsten, nur eben ohne Plan und so laden wir noch schnell eine App, damit wir uns noch ein wenig schlauer machen können, was da eigentlich alles so am Firmament leuchtet. Wirklich schön hier, auf unserer eigenen Wiese.

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Brötchen, Eier und Spezi

Das merken wir morgens auch beim Brötchen holen, als wir durch Reihen von Wohnmobilen laufen. Zelt ist doch echt ganz nice. Heute hier, morgen da und manchmal eben auch ganz für sich. Wir schlendern noch einmal in den kleinen Laden, aber nicht, um uns schon wieder mit Wein einzudecken, sondern um ein paar Eier und Brötchen zu kaufen. Frühstück deluxe auf der eigenen Gasflamme.

Viel Essen und ab auf den Berg im Schwarzwald

Der Plan sieht heute Morgen wie folgt aus: Ganz viel Essen in sich hineinschaufeln, um dann maximal viele Höhenmeter den Schauinsland hoch. Fahrradfahren im Schwarzwald eben. Wir wollen Omelett machen und so landen Tomaten, Eier, Zwiebel und Spezi im Einkaufskorb. Schnell alle bezahlen und ab ans Zelt kochen. Wir haben den Kocher und den ganzen anderen Campingstuff doch nicht umsonst mitgenommen.

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Und wieder rauf auf die Berge im Schwarzwald

Nach einem reichhaltigen Frühstück heißt es schnell bezahlen und dann: Berge fahren! Juppie! Eine ganz neue Seite an uns, die wir da kennenlernen: So etwas wie sportlicher Ehrgeiz oder zumindest der Ehrgeiz, oben auf der Spitze mit einem kalten Getränk zu sitzen. Wir müssen unserem Tourenmotto ja treu bleiben. Also wieder hoch da. Wir strampeln durchs Munstertal Richtung Anstieg Schauinsland. Die Steigung beginnt ganz leicht. “Lockere” 5 % gehen noch voll klar, aber der Schein trügt. Auch bei 5 % läppern sich die Höhenmeter und wenn die Beine eh schon schwer sind, tut das doppelt weh. Und dann, relativ unvermittelt, knallt die Steigung voll rein. Krasse Rampen. “Allez, Allez! Liebe Fahrradrabauken!”.

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Es geht am Schauinsland noch steiler bergauf als in den Vogesen

Das Schöne an so einer Bergfahrt ist, dass man immer wieder Leute trifft, die das gleiche Blöde machen und man manche Leute, weil ungefähr gleicher Fitnesszustand, immer wieder sieht. Das motiviert und wir fühlen uns nicht ganz so klein. Zusammen leiden macht viel mehr Spaß und Sinn. Ein Nicken hier, ein Keuchen da und schon sind wir wieder im Flow. Da heißt kurz vorm Anschlag und mit großem Stolz über jeden gewonnenen Höhenmeter. Ist man nach dem dritten Berg eigentlich noch Anfänger?

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Wir fühlen uns auf jeden Fall nicht mehr so. Das Fachsimpeln verschieben wir aber besser auf später. Berghoch. Jetzt. Erst einmal. Treten. Fuck. Immer wieder diese steilen Rampen. Anstrengend. Schweiß. Es überholen uns Autos und wir fahren langsam Meter um Meter, bis wir endlich oben angekommen sind. Jubel, Trubel, halber Liter bitte. Nicht nur bei den Radfahrenden, sondern bei allen, die es nach oben geschafft haben. Der Schauinsland scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein und hat eine Bergbahn. Pah! Spalter! Bergbahn wir sind hier mit …” Zwei große Bier bitte!”

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Aussicht, kalte Biere und dämliches Grinsen beim Fahrradfahren im Schwarzwald

Aussicht, Biere und wieder dieses dämliche Grinsen aus einer inneren Zufriedenheit heraus. Sind das die Drogen, die man mit Ende dreißig nimmt: Rad. Sport. Höhenmeter usw.? Egal, noch ein Getränk. Süchtig macht Radfahren allemal. Egal, wie sportlich und wie hoch. Die Aussicht hier ist super und wir backen wieder fest.

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Warum können wir nicht weiter über den Schwarzwald schauen?

Wenn man oben ist, will man oder wir eigentlich echt nicht mehr runter. Irgendwann müssen wir aber gehen, um nicht einzuschlafen oder in die altbekannte Bierfalle zu tappen. Und ein paar Kilometer haben wir ja auch noch vor uns, bergab, yes!

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Unsere Helme setzen wir bei der doch rasanten Abfahrt beim Fahrradfahren im Schwarzwald auf.

Wir rollen auf Oberried zu und auch hier hat Henrik einen 1a Campingplatz gefunden. Dieses Mal sogar mit korrekter Reservierung. Nach alter Gewohnheit kommen wir zunächst an. Sprich hinsetzen und den Tag sacken lassen. Geduscht wird später. Cheers auf uns! Doch vorm Essen sollten wir echt unser Zelt aufbauen. Wir bekommen dann doch noch die Kurve und bauen das letzte Mal unser kleines mobiles Heim in einer Top-Umgebung auf. Was für ein schönes Wochenende! Wir ruhen uns kurz aus und geh’n dann in Richtung Campingplatz-Restaurant. Es gibt zwar nur noch einen Tisch drinnen, aber egal. Wir wollen nur noch sitzen, essen und etwas Kühles trinken.

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Unsere Notreserve Nudeln bleibt die Notreserve. Deluxe-Rabauken!

Unsere Nudeln in der Tasche sind und bleiben auf dieser Tour irgendwie nur unsere Notreserve oder werden wir zunehmend einfach fauler? Egal, Flammkuchen und Pommes sind eben auch sexy. Nur Salat fehlt uns langsam wirklich. Ab morgen nur noch frische Sachen.

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Wir versacken mal wieder und finden uns irgendwann mit Martin, der an diesem Abend das Restaurant und die Bar schmeißt, vor den Schnapsblasen wieder. Martin erklärt, was er da so zusammen gebrannt hat und welche Wirkung die jeweiligen Schnäpse haben. Super spannend, aber auch super viel Input.

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Sei uns nicht böse Martin, wenn wir hier nicht, mehr alles wiedergeben können. Das Brennen am Zahnfleisch haben wir auf jeden Fall noch gemerkt. Sind hier eigentlich noch andere Gäste oder sind wir mal wieder die Letzten und hängen mit den Locals vom Campingplatz ab? Damn. Aber immer wieder auch total gut unterwegs Leute kennenzulernen und mit denen ins quatschen zu kommen. Hat ja Jede:r auch seine Geschichte zu erzählen und irgendwas motiviert die Leute auch meistens, genau das zu tun, was sie da tun. Das macht unsere Radtouren ja auch so spannend. Jetzt aber los ihr Rabauken ab ins Bett, reicht für heute, auch wenn es morgen bzw. heute nur noch 17 km nach Freiburg sind. Ach war das wieder ein schöner Tag. Jote Nacht!

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Ein letztes Mal zusammen im Schwarzwald aufstehen

Ein letztes Mal aufstehen. Also zusammen in unserem kleinen Heim, welches wir mittlerweile wirklich lieb gewonnen haben. Mit der Zeit verschwindet irgendwie auch der Anspruch auf Komfort (Essen & Trinken bei uns mal ausgenommen), nicht nur beim Fahrradfahren im Schwarzwald. Wobei uns gerade eher der Kopf nach Bett und Netflix steht. Müde und noch etwas verquollen öffnen wir die Augen mit der Erkenntnis, dass Kaffee und Duschen auf jeden Fall heute dazugehören. Warum sind wir am Vorabend nicht einfach mal um 22 Uhr ins Bett?

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Wo ist die Sonnenbrille und werden wir unser ganzes Geld im Schwarzwald verprasst haben?

Fragen über Fragen. Ebenso, wo zur Hölle Bastians Sonnenbrille ist? Wahrscheinlich noch am Holz des Vorabends. Also erstmal Duschen, dann Rechnung bezahlen und versuchen, dieses lebenswichtige Accessoire zurückzubekommen. Vielleicht muss die Sonnenbrille auch als Tauschware für die zahlreichen Weinschorlen vor Ort bleiben. Das alles wissen wir bis jetzt nicht, werden aber von der gut gelaunten Besitzerin empfangen inkl. der Frage wie es uns heute geht. War die gestern auch dabei? Hicks, na gut! Wie es geht? Na ja, geht so, aber gleich gehen wir frühstücken, das wird dann schon.

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Frühstück am Straßenrand

Wir bezahlen die Zeche, finden die Brille wieder und rollen die ca. 200 m bis zum örtlichen Bäcker. Wir brauchen auf jeden Fall eine große Menge Frühstückskram, soviel ist sicher. Nachdem wir abermals eine Unsumme an Geld im Ort gelassen haben, setzen wir uns gegenüber auf den Bordstein und frühstücken unter den kritischen Blicken von Einheimischen und Touristen. Sehen wir wirklich so schlimm aus? #schnapsblase? Auch unsere Campingplatz-Gastgeberin kommt zum Brötchen holen und macht noch Witze, wie weit wir denn schon gekommen wären. Jepp, 200 m, aber wir haben auch Zeit und müssen nur noch nach Freiburg und zurück zum Bulli.

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“Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse, Fahrradfahrer dieser Stadt”

Mit viel Käsebrötchen im Bauch rollt es sich doch gleich viel besser an der Dreisam Richtung Freiburg entlang. Schon ganz schön hier. Uns kommen etliche Radfahrer:innen entgegen, die sich an diesem Wochenende wohl auch im Schwarzwald auspowern wollen. Die andere Hälfte von Freiburg liegt offensichtlich an oder in der Dreisam. Warum blieben wir nicht einfach hier? Ach ja, stimmt, Tocotronic Songzeilen kommen uns in den Kopf. Aber hier Leben, Nein Danke. Und diese Fahrradfahrer auch noch! Nicht wie weg hier.

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Die Dreisam bei Freiburg

Die Dreisam fährst du übrigens auch entlang, wenn du auf dem Schwarzwald-Panorama Radweg unterwegs bist. Ist zumindest dann eine Option. Schau mal hier.

Vom Fahrradfahren im Schwarzwald zurück nach Köln mit dem Bulli

Die heutigen 17 km sind schnell gemacht. Sehr wehleidig steigen wir in unseren Bulli und machen uns auf den Weg nach Köln. Stau inklusive und die Erkenntnis, dass Bahnfahren doch eigentlich ganz geil ist. Wäre da nicht das Problem mit den Stellplätzen. Wir probieren es aber nächstes Mal einfach wieder.

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Auf bald, mein Freund. Es war wieder mal schön! Was machen wir denn als Nächstes? Wieder so krasse Berge hoch quälen oder mal wieder eher was für den Genuss? Oder irgendwas dazwischen? Wir sind da auf jeden Fall schon was am planen dranne, wie Schlucke sagen würde. Lasst euch überraschen!

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