Tagesradtour in times like these

Anfang Mai 2020. Einfach mal für einen halben Tag in Köln rumradeln. Frische Luft schnappen und ein bißchen rauskommen aus der Bude. Zu zweit mit ‘nem guten Freund. Ist ja alles möglich, auch unter den aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen (da war ja noch mehr “Lockdown”). Und irgendwie war bei uns auch eine ganz schöne Weile lang nicht mehr so ungemein viel los in Sachen wirklicher Radtour. Unrabaukig irgendwie. Wir geloben Besserung!

Es ist 2020 und Corona lässt uns nicht so wirklich machen was wir gerne machen wollen würden

Und eigentlich wollten wir ja auch das erste Maiwochenende mit den Rädern ins Münsterland fahren. So war es schon im Winter abgemacht. Und dann: Pustekuchen! Wegen des neuen Coronavirus und den beschlossenen politischen Maßnahmen. Mittlerweile sieht das ja schon wieder etwas anders aus und man kommt wieder in den Genuss “neuer Freiheiten”.

Naja, wie dem auch sei: Eine mehrtägige Tour im Münsterland steht dann Ende Juli an. Aufgeschoben also erst einmal, aber definitiv nicht aufgehoben. Sieht ja auch aktuell wieder danach aus, als wäre das diesen Sommer alles irgendwie zu machen. Aber auch wir fahren ja nur auf Sicht…

Radtour in Köln – Flyer “Mit dem Rad rund um Köln” (Stadt Köln)

Radtagestour in Köln statt Wochenende im Münsterland

Da unser ursprünglicher Plan mit dem Münsterland also hops gegangen ist, war das Wochenende auch wieder fast zur freien Verfügung. Die alternative Idee: Zumindest eine kleine Tagesrunde in der Stadt drehen und das irgendwo, wo wir noch nicht wirklich waren. Oder wie es mein Tourpartner prägnant auf den Punkt gebracht hat: Auf in die eigene Terra Incognita Kölns: Rund um Kalk.

“Rausgeh’n und dranmontieren“ und Köln Kalk Verbot

Bastian war die ganze Tour wegen seines seit 1994 bestehenden Köln-Kalk Verbots etwas zu heikel; er wollte seinem persönlichen Sperrbezirk wohl einfach nicht zu nahe kommen. Daher eine Tour in alternativer Rabaukenbesetzung. In etwas so wie bei den alten Bud Spencer streifen. Geht ja auch mal ohne Terence, aber eben nicht immer.

Radtouren in Köln

Wie schon zuletzt bei unseren Touren in und um Köln (Hier, hier und hier) haben wir uns dafür wieder einmal eine der von der Stadt Köln herausgegebenen Radrouten geschnappt und sind lockeren Tempos einen halben Tag durch die Domstadt geradelt.

Karte der Tour “Rund um Kalk” – Eimal um den rechtsrheinischen Pudding rum

Mit dem Rad rund um Kalk – In Kürze zusammengefasst

  • Streckenlänge: 24 KM (netto, ohne Verfahren)
  • Start und Ziel: Mülheim, Wiener Platz (Einstieg aber auch gut überall anders möglich, da Rundkurs
  • Generell flache Strecke mit 2-3 kürzeren Anstiegen (“Katzenbuckel”, Vingster Berg), aber auch nichts wildes
  • Offiziell als autoarm beschrieben, allerdings müssen zwischen Westhoven und Höhenberg immer mal wieder Straßen-, Autobahn- und Zubringerquerungen gemeistert werden

Start an der Zoobrücke und rheinaufwärts Richtung Porz

Wir starten linksrheinisch an der Zoobrücke und gondeln erstmal einmal locker bei Sonnenschein am Rhein entlang Richtung Süden. Nach kurzer Zeit kommt uns irgendwie in den Sinn, dass wir weder am Rheinpark oder am Rheinboulevard in Deutz vorbeigekommen sind.

Hm, kurz die Nase gerieben… Okay, die Lösung des Problems ist nicht so schwer: “Falsche” Rheinseite halt. Laut Tourenplan soll es auf der anderen Rheinseite entlang gehen. Kein Wunder also das besagte Orte nicht ans uns vorbeirauschen. Wir beschließen, dass es uns egal ist und wir den Rhein einfach weiter südlich über eine der anderen Brücken überqueren werden.

Südbrücke und Poller Wiesen

Und so machen wir es dann auch. Weiter südlich nehmen wir die Südbrücke und gelangen so wieder auf die eigentliche Tourenstrecke. Nach Überquerung der Südbrücke befindet man sich auch eigentlich schon in den weitläufigen Poller Wiesen und das Gefühl, so langsam der Stadt zu entfliehen, setzt langsam aber sicher ein.

Suburbanes Flair in Köln

Auf den Poller Wiesen in Köln ist bei gutem Wetter immer was los. Es wird abgehangen, gegrillt, flaniert und Sport getrieben. Letzteres u.a. auch von den Hobbykickern der Kölner Bunten Liga. Mit dem Rad pest man oberhalb der Wiesen entspannt am bunten Treiben vorbei. Auch wenn das Wetter am heutigen Tag nicht so richtig der Knaller ist, haben sich doch recht viele Leute an die frische Luft gemacht.

Wetterkapriolen und Büdchenpause in Westhoven

Dem leichten Orientierungsspiel in den Poller Wiesen folgt direkt ein Verwirrspiel inklusive Hin und Her am Rheinufer. Da das natürlich niemals nicht an uns liegen kann, liegt das ebenso selbstverständlich an der Beschilderung. Is’ doch klar. Nach mehrmaligen Auf und Ab fahren geht uns dann doch irgendwann ein Licht auf und wir finden den Abknick Richtung Westhoven.

Radweg – Abknick Richtung Westhoven

Hier wird’s idylisch: Immer schön parallel anne Autobahnen und Zubringer entlang (siehe Karte). Aber erst einmal kommt da Wetter und zwar mit dunklen Wolken und Graupelschauer. Irgendwie aber auch zu richtigen Zeit, da wir uns eh mal in Ruhe orientieren wollen. Okay, Pause. In Westhoven.

Am Büdchen in Westhoven – Stadtidylle mal anders

Erstmal in Ruhe was am Büdchen nehmen – nicht schön aber muss

Da waren wir noch nie, aber ein Büdchen soll es hier doch wohl auch geben. So ist es dann auch. Sicherlich nicht der schönste Ort der Welt für ‘ne Pause, aber was willste machen. Das Regenradar sagt 30 Minuten. Genug Zeit also für ein Getränk und einen Plausch bei unfreundlichen (und gefühlten) 8 Grad. Der erste Tourenabschnitt endet somit an einem Büdchen in Westhoven, hätten wir auch nicht gedacht.

Auenland und Wäldchen

Westhoven lassen wir dann schnell hinter uns, auch weil wir uns erstmal wieder etwas warm radeln wollen. Dann wird’s tatsächlich auch mal wieder recht schön. Es geht durch die Westhovener Aue, früher Kasernen- und damit Militärgelände und heute einfach Flora und Fauna. Alles in allem ‘ne gute Entwicklung. Nachdem man dann ein paar Mal die Kurbeln hat rotieren lassen und sich so langsam die Geräusche der benachbarten Autobahnen verlieren, geht’s ab in den Wald. Na, okay, Wäldchen.

Wald, Wald, Wäldchen

Der älteste Baum Kölns? Nein, der Welt. Echt? Nicht gesehen.

Schlägt man Gremberger Wäldchen in der Wikipedia nach (was wir natürlich nie machen, würden weil ja A) voll unseriös und B) mega uncool klugzuscheißen), erfährt man, dass dort der wahrscheinlich älteste Baum der Welt stehen soll. Also der Welt, weil Kölns. Köln, das muss man vielleicht erläutern ist mindestens der Nabel selbiger, wenn nicht sogar mithin auch “die Welt”. Ob der Baum da wirklich steht und wie er aussieht? Keine Ahnung. Wir konnten nichts verifizieren, da wir den Baum nicht gefunden haben, was wiederum daran liegen könnte, dass wir ihn nicht gesucht haben. Dies wiederum liegt daran, dass wir sowas nie vorher nachschlagen sondern einfach drauflos radeln. Man kann das ja auch nachher im Internet nachschlagen…

Grüße aus der Aue bei Westhoven

Fort und Heidelandschaft

Ein Highlight jagt hier das Nächste. Nachdem wir den Trümmerberg erklommen haben (Vingster Berg), passieren eine der alten Fort-Anlagen der Stadt. Warum es in Köln so viele Forts (ja mit “t” und nicht mit “d”) gibt, kann man viel besser ausführlich und direkt bei Wikipedia nachlesen.

Zusammengefasst geht die Geschichte so: Beginn 19. Jhd., königlicher Erlass, fortifikatorische Entwicklung, hufeisenförmige Reduiten. Vielmehr muss man nicht wissen. Jedenfalls stehen diese Forts quasi im Halbkreis in/um Köln (überwiegend linksrheinisch) herum. Hin und wieder stolpert man über eine der Anlagen, so auch auf dieser Tour rund um Kalk. Auf den letzten Kilometern geht es dann noch durch die Merheimer Heide zurück Richtung Mülheim.

Zurück in Mülheim: Snack in der Keuppstraße und ab ans Rheinufer

Den Tourentag lassen wir bei den letzten noch nicht allzu warmen Sonnenstrahlen am Mülheimer Rheinufer ausklingen. Auf dem Mäuerchen sitzen lassen wir die Beine baumeln. Nicht, dass Gräten jetzt nach 20 KM müde wären. Tut trotzdem gut. Dazu ein Bierchen und ‘ne Dürüm-Tasche. Heute wird es zwar gegen Abend auch nicht wärmer, aber nichtsdestotrotz: Herrlich und gerne wieder.

Alles fürstlich entlohnte Produktplatzierungen – Premiumpartner usw. Den ganzen Bumms machen wir ja hier nicht für lau 😉