Decksteiner Weiher, grüner Gürtel, Baggerseen oder: Wie lang geplante 25 km werden können – Tag 3 unserer Radtour in Köln

Nach zwei Tagen Schäl Sick haben wir dann am dritten Tourentag endlich rüber gemacht auf die linksrheinische Seite. Es ist unser letzter von insgesamt fünf Tagen auf dem Rad rund um Bonn (auf der Apfelroute) und Köln. Bevor wir zu schnell wieder vom Rad runter und in die Bürostühle rein müssen, wollten wir auch den letzten Tag noch einmal nutzen und eine schöne Runde von Süd nach West gen Nordwesten in Köln drehen. So schnell kriegt uns keiner von den Drahteseln. Isso.

Es geht zurück in die City – Immer top was am planen dranne

Umtriebige Waldbewohner*innen – Cliffhanger und endlich die Auflösung aus Teil 1 der Geschichte

Aber halt! Bevor wir euch vom dritten Tourentag berichten, sind wir euch noch etwas von Tag 1 schuldig. Erinnert sich hier noch jemand an den waghalsigen Cliffhanger aus Teil 1 unserer Köln Tour.

Dunkel wars der Mond schien helle

Es war Nacht und überall Bäume, Wald also. Wir zu dritt, auf nächtlicher Wanderung rund um das Waldbad Dünnwald. Zur Rast machen wir es uns auf einem Baumstapel gemütlich und schauen in die Sterne. Die sind auch überall. Jedenfalls sitzen wir da rum und es ist sehr leise, was ja schon irgendwie schön ist, aber so im fast stockfinsteren Wald auch ein bißchen gruselig wirkt. Versetzt euch mal in die Lage. Und dann diese Geräusche. Irgendwas zwischen Fiepen und Knurren, ziemlich nah und nach und nach immer vehementer. So oder so ähnlich trug es sich zu:

Einer: “Hört ihr das Geräusch? Kommt das von direkt unter uns aus dem Holzstapel?” 

Ein anderer: “Nee, oder?” 

Ein Dritter: “Wird das immer aggressiver oder bild’ ich mir das ein?” 

Einer: “Alter! Das ist auf jeden Fall nicht nur eins, lass’ mal schnell abhauen.” 

Ein anderer: “Ach kommt, ist doch nur ein mickriges Fiepen, kein Ding, entspannt mal. Guckt mal die vielen Sterne. Ist doch voll schön.” 

Ein Dritter: “Sind das Augen, da zwischen den Holzstämmen?”

Holzstapel des Grauens

Nichts wie weg hier

Darauf hin war alle Lässigkeit Geschichte. Mit den Beinen in den Händen machten wir uns auf und davon, zurück zum Campingplatz, zurück ans Zelt. Puuh. Durchatmen. 


Einer: “Was war denn das bitteschön? So Vögel, die da nisten?“

Ein anderer: “Kein Plan, aber irgendwie sah das eher nach Madern aus oder so.”

Ein Dritter: “Glaub’ das waren Wald-Lemuren. Bestimmt. Such’ das mal im Netz.”

Einer: “Wald-Lemuren? Gibt’s die hier?”

Ein anderer: “Wikipedia sagt, “Lemuren (Lemuriformes, von lat. lemures „Schattengeister der Verstorbenen“ und forma „Gestalt“) (…) oft nächtliche Lebensweise, große Augen, markante Gesichter, von den römischen Totengeistern Lemures inspiriert.”

Ein Dritter: “Alter!”

Ein anderer: “(…) kommen ausschließlich auf Madagaskar und kleineren Inseln in der Nähe vor.”

Einer: “Das heißt noch gar nichts. In Köln gibt’s auch ‘ne Menge grüner Papageien. Würd’ dir auch erstmal keiner glauben.”

Wir können hier nicht halten, das ist „Wald-Lemuren Land“

Wir müssen laut lachen und einigen uns im Anschluss daran darauf, dass wir es so eben noch geschafft haben den gefährlichen Wald-Lemuren zu entkommen. Richtige Abenteurer eben, diese Rabauken, wenn wir nicht gerade weglaufen.

Eigentlich geht es doch ums Radfahren…

Aber eigentlich wollten wir ja von unserer Radtour berichten. Vom dritten Tag. Da will man nur kurz eine kleine Anekdote zur allgemeinen Erheiterung einstreuen und vergisst darüber fast, worum es bei uns geht.

…aber auch um Unsinn und Quatsch

Na gut, neben dem Radfahren geht’s auch um Blödsinn, Quatsch reden, kleine Abenteuer erleben und gemeinsam im Anschluss bei ‘nem Bier laut darüber zu lachen. Gehört für uns alles irgendwie zusammen. Isso. Aber weiter geht’s mit G’schichten vom Rad.

Grüngürtel – Decksteiner Weiher

Richtung Nord-Nordwest in Rabauken Stammbesetzung

An diesem dritten Tag sind wir wieder zu zweit unterwegs, Rabauken-Stammbesetzung also. Wie schon erwähnt, ist der Plan vom Rheinufer im Süden der Stadt über den Westen hoch in den Norden zu fahren. Letzter Tag heißt dann auch wieder nach Hause fahren.

Nur noch 5 Minuten Mutti, wir wollen noch nicht nach Hause

Ziel sind also Nippes und Ehrenfeld. Passt auch gut zur Tagesroute. Wie auch schon auf den ersten beiden Köln-Tagestouren nutzen wir wieder das von der Stadt Köln bereitgestellte Rad-Kartenmaterial. Mehr und vor allem weniger nutzen wir Teilstrecken der Touren “Mit dem Rad rund um Lindenthal”, “Mit dem Rad rund um Ehrenfeld” und “Mit dem Rad in den Nordwesten”.

“Mit dem Rad rund um Lindenthal”, “Mit dem Rad rund um Ehrenfeld” und “Mit dem Rad in den Nordwesten” – Das ist unsere Strecke

Infos und Material zu den Routen findet ihr im Netz auf den Seiten der Stadt Köln (https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/ferien-freizeit/radtouren-und-um-koeln). 

Aufwachen, Kaffee und eine Frühstücksstulle im Grünen

Nachdem wir morgens aus dem Zelt gekrochen sind und einen Kaffee getrunken haben, geht’s wieder los. Wir wollen erst einmal ein wenig Strecke machen bevor wir uns irgendwo auf ‘ne Frühstücksstulle im Grünen niederlassen. Die ersten Kilometer geht es am Rheinufer entlang aus südlicher Richtung rheinabwärts Richtung City.

Keep on Rolling – Morgens ist es am Schönsten

Wir lassen rollen. Gerade frühe morgendliche Stunden auf dem Rad können besonders schön sein. Man hat das Gefühl vor allen anderen aufgestanden zu sein und die Wege für sich zu haben. Alles ist noch im Halbschlaf und wacht erst so langsam auf. Gute Tageszeit einfach. Muss nicht jeden Tag sein, aber auf Radtouren immer gerne.

Der Kölner Grüngürtel mit dem Rad

Auf der Höhe von Raderthal biegen wir links grob Richtung Zollstock und Klettenberg ab und kommen so direkt auf den äußeren Kölner Grüngürtel. Wir lassen den Kalscheurener Weiher links liegen und fahren entlang des zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Entlastung für den zunehmend voll belegten Melaten-Friedhof eröffneten Südfriedhof.

Kultur und Erweiterung des eigenen Horizonts? Heute nicht. Schlamm bleibt Schlamm

Wer will kann sich da in unmittelbarer Umgebung, auf dem Weg zum Decksteiner Weiher, ein römisches Schlammfangbecken anschauen. Kein Plan was das ist, vielleicht genau das was es bezeichnet zu sein. Aber woher ist der römische Schlamm gekommen und wurde warum aufgefangen? Wir wissen es nicht und sind auch, ignorant wie eh und je, im vollen Tempo dran vorbeigeradelt.

Am Trainingszentrum des FC Köln vorbei in Richtung Müngersdorfer Stadion.

Next time. Bevor wir uns hier und hier im äußeren Grüngürtel zu sehr im Detail verlieren: Wir passieren noch den Decksteiner Weiher (Stullenpause) und radeln dann gelassen am Trainingszentrum des FC Köln vorbei in Richtung Müngersdorfer Stadion. Alles ja irgendwie mitten in Köln aber trotzdem recht grün und ab vom Schuss. Der Grüngürtel macht es möglich. Gerade die Ecke um den Decksteiner Weiher lohnt sich. Einfach mal auf’s Rad schwingen, hin und ein bißchen durchatmen. Tut gut.

Dat Wasser vun Kölle – Baggerseen im Nordwesten

Weiter geht es auf der Teilstrecke “Rund um Ehrenfeld” Richtung Norden. Unser letztes Zwischenziel sind die Stockheimer Höfe, ein Freizeit-/Naherholungsgebiet rund um die Stadtteile Pesch, Esch und Auweiler. Dort gibt es u.a. mehrere aus ehemaligen Kiesgruben entwickelte Baggerseen. Wir fahren also weiter vom Müngersdorfer Stadion aus, parallel zum alten Militärring, an Vogelsang vorbei nach Bocklemünd/Mengenich, wo wir uns ordentlichst verfransen und nach gefühlt fünf Ortsrunden endlich den (Aus-)Weg nach Pesch finden.

Pumpst du noch oder flickst du schon?

Schon seit heute morgen plagt uns ein schleichender Platter am Hinterrad eines unserer Pferde. Irgendwie über Nacht entstanden. Wann so was genau entsteht, ist ja immer so ‘ne Frage. Auf jeden Fall entweicht Luft, stetig. Aber wenig halt.

Schon wieder Urban.

Schleichender Druckverlust am Pferd

Schleichender Druckverlust, der das Radeln nicht gerade angehmer macht. Nervt. Man könnte das flicken. Werkzeug haben wir ja dabei. Wäre vernünftig und würde das Problem langfristig beheben. Aber weisste was, die paar Kilometer, die wir heute noch fahren. Lass mal lieber 2-3 mal pumpen. Passt schon, kein Ding. Reparieren mach ich dann die Tage zuhause in Ruhe.

Lesson learned No. 1 – wäre schön

Rabauken-Tipp: Wenn man auf solche Ideen kommt, lieber gleich vergessen und einfach direkt ordentlich reparieren. Das mit dem pumpen kannste zwar machen, is’ aber halt auch kacke. 

Pumpen!

Auf der letzten Rille im Worringer Bruch

Vor allem wenn man dann auch noch mehrere Kilometer über schotterige Wald- und Feldwege strampelt und viel Gepäck dabei hat. Mal abgesehen davon, wir haben es noch gar nicht erwähnt, ist es den ganzen Tag lang schon sehr warm. Die Sonne knallt.

Die Wasservorräte gehen zur Neige und es ist sauheiß

Darüber hinaus gehen uns die Wasservorräte aus und nirgendwo in diesem gottverlassenen Teil Kölns gibt es irgendwelche Anzeichen von Büdchen oder Läden oder Restaurants oder so. Nichts. So wird jeder Kilometer zur Meile, mindestens. Die Strecke windet sich Ecke um Ecke, Kurve um Kurve und wir kommen nicht so richtig voran.

No sleep ’till Nippes – Jeder Kilometer wird zur Meile

Kaugummi ist das Stichwort, der letzte Nachmittag unserer Köln-Radtourtage wird ein seeehr langer werden. Nicht das die Gegend nicht schön wäre. Wir nähern uns dem Worringer Bruch und man steht irgendwo im Nirgendwo in Köln. Felder, Wald, Auen. Eigentlich perfekt, wenn nicht auch noch der Hunger wäre. Gefühlsmäßig nah am Totalschaden beschließen wir den Tag so langsam abzubrechen und Richtung Nippes zu fahren. Wir sind insgesamt 5 Tage unterwegs und die Aussicht auf ‘ne Pizza auf der Couch ist jetzt auch nicht die allerschlechteste. 

Auf der Zielgeraden – Abschied und neue Pläne im Gepäck

Die letzten Kilometer unserer Tour sind nicht die schönsten. Wir radeln entlang eines Gewerbegebietes durch den Stadteil Bilderstöckchen gen Nippes. Dort angekommen trennen sich unsere Wege dann. Für einen von uns geht es noch nach Ehrenfeld, sind aber auch nur noch einige wenige Minuten Fahrtzeit. Ein letzter kurzer Schnack und eine herzliche Umarmung.

Alles hat ein Ende… Wir verdrücken eine Träne

Starke Tage waren das. Super abwechslungsreich und vollgepackt mit schönen Momenten. Und das Allerbeste an solchen Verabschiedungen is ja eigentlich, dass die nächste Tour jetzt Tag für Tag wieder näher rückt. Pläne haben wir für 2020 auf jeden Fall ausreichend im Gepäck.

Radfahren im Münsterland 2020

Wir wollen auf jeden Fall noch durch’s Münsterland fahren und auch Köln und Umgebung haben noch einiges zu bieten. Vielleicht wird’s hier auch ein bißchen politischer, Rad fahren ist ja auch ein Statement. Zumindest verstehen wir es auch so. Mal sehen.

Ideen über Ideen

Und dann gibt’s da mittlerweile ja noch ‘ne ganz kleine Rabaukin, die das Licht der Welt erblickt hat. “Radfahren mit Kind” wäre doch auch ein ganz spannendes Thema. Picke Packe voll die Ideen-Liste. Gucken was so bei rumkommt. 

Maacht et jot!


Genug geschwafelt. Alles Gute euch allen für 2020! Wir wünschen euch viele schöne Momente auf und abseits des Fahrrads und das Wichtigste: