Zwei Kölner, noch mehr Kölsch und die Idee mit dem Rad unser zu Hause zu erkunden.

Kategorie: Bikepacking

Die Route der Industriekultur – Das Ruhrgebiet in zwei Akten

Erster Akt – Auftakt mit bekannten Schwierigkeiten Fahrradfahren auf der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. In diesem zweiteiligen Beitrag machen wir uns auf um die schöne Industrieromantik im noch schöneren…

Erster Akt – Auftakt mit bekannten Schwierigkeiten

Fahrradfahren auf der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet. In diesem zweiteiligen Beitrag machen wir uns auf um die schöne Industrieromantik im noch schöneren Ruhrpott zu erkunden. Vor Kurzem hat ja in Bottrop die letzte Steinkohlenzeche ihre Regelförderung eingestellt.Ein besonderes Jahr also für den Pott, eine Region im Umbruch, noch immer und wir mit dem Rad mittendrin. Kann nur gut werden. Es gibt viel zu entdecken und wenn das Wetter mitspielt, ist das Ganze um so schöner.

Auf den Spuren von Kohle und Stahl mit den Fahrradrabauken

Bergbaumuseum in Bochum
Ruhrpottromantik und strahlend blauer Himmel

Im Vorfeld haben wir schon einige Tipps und Sehenswürdigkeiten von Einheimischen erhalten. Ein dickes Danke an dieser Stelle an Potteinander, Ruhr Tourismus und  NRW Tourismus und alle anderen. Viel zu viele coole Ideen und Sachen, die man sich angucken kann und doch so wenig Zeit. Eins können wir schon Mal sagen: Wir kommen wieder!

Der Ruhrpott – dat is umme Ecke, isso!

Wir lassen es an diesem Morgen ruhig angehen und fahren erst um kurz nach Neun mit der Bahn in Richtung Essen. 

Mittlerweile sind wir beide stolze Besitzer eigener Tourenräder, was die morgendliche Organisation und Abreise zusätzlich entspannt. Nichtsdestotrotz kann man sich natürlich prima Fahrräder leihen, wenn man nicht regelmäßig fährt oder da einfach Bock drauf hat. Guckt doch mal hier.

Der Startpunkt unserer Wochenendtour ist dieses Mal wirklich nicht weit von Köln entfernt und wir fahren nur ca. 1h mit der Bahn, bis wir endlich wieder auf den Rädern sitzen.

Fahrradtour im Ruhrgebiet – aber Alles von Vorne:

Ganz entspannt schieben wir unsere Räder durch den morgendlichen Berufspendelverkehr und freuen uns, dass wir mit dem ganzen Gewusel am Morgen nur am Rande etwas zu tun haben. Top vorbereitet, wie wir auf jeder einzelnen Tour sind, müssen wir uns erst mal in Essen passendes Kartenmaterial besorgen. Der Internetrecherche und einem Telefonat im Vorfeld sei Dank, haben wir gelesen, dass es beim Regionalverband Ruhr das passende Material für unsere Tour käuflich zu erwerben gibt. Einen netten Plausch und eine Handvoll guter Tipps bekommen wir kostenlos dazu.

Industriekultur
Die Sonne meint es mal wieder gut mit uns

Karte check – Rad schleift – auch check – Typischer Start – Doppel Check

Noch keine 3 km gefahren und schon versuchen wir uns mal wieder als Fahrradmechaniker. Merke: Räder, nach einer längeren Fahrpause VOR der Tour checken und nicht erst wenn man eigentlich nur fahren will. Uuuuund vergessen.

Schutzblechschleifen – Was tun?

Das Schutzblechschleifen können wir zwar nicht in Gänze eliminieren, aber dafür sind jetzt erst mal die Hände schwarz und wir fahren einfach los. Die Wettervorhersage zeigt uns, dass sich der Hochsommer mittlerweile verabschiedet hat und wir mit Temperaturen um die 15 Grad am Tag und ca. 4 Grad in der Nacht rechnen können. Unser bewährtes Reisezelt haben wir deswegen besser mal zu Hause gelassen. Statt gemütlichen Nächten im Zelt, warten also dieses Mal günstige Pensionen und Hotels auf uns. Auch nicht schlecht, auch da findet man sich ja nicht selten in skurrilen Situationen wieder und begegnet interessanten Menschen.

Wir wollen Kultur und nicht im Pott erfrieren.

An der Zeche Zollverein scheint uns die Sonne ins Gesicht und wir machen eine Planungspause. Sitzen, Bierchen dazu, überlegen, feststellen das der Plan ist, dass wir wieder mal keinen Plan haben und einfach mal munter mit dem Kulli Linien nachmalen von denen wir denken, dass die Touren super sind.

Fahrradfahren ohne feste Route? Zu viele Möglichkeiten für Entscheidungskünstler

An der Ruhr waren wir schon. Sehr schöne Gegenden, aber da ist schon ein Haken dran. Grob gesagt fällt damit schon Mal das südliche Ruhrgebiet weg und somit fahren wir Richtung Osten. Möglichkeiten einschränken scheint auf dieser Tour das A und O, wie wir bald feststellen werden.

Zeche Zollverein – UNESCO Welterbe

Zeche Zollverein mit Biergarten

Die Zeche Zollverein ist an sich schon eine Tagesreise wert, doch wir sind gerade erst aus der Bahn gefallen und müssen einfach erst mal fahren. 
Die Sonne scheint uns mal wieder sehr gnädig zu sein und so treten wir mit der Sonnenbrille auf der Nase unseren Ritt Richtung Osten an.

Rabaukenwetter im Ruhrgebiet 

Zusehen gibt es viel und somit sind die Augen eher nach oben als auf die Straße gerichtet. Wie bei jeder Tour haben wir auch dieses Mal wieder selbst und mit viel Liebe geschmierte Brötchen im Gepäck, der Nordsternpark scheint für ein Frühstück oder Outdoorbrunch die passende Kulisse zu sein. Lecker und schön ist es hier, auch wenn wir unseren Campingkocher etwas vermissen.

Halde Rungenberg und die Fahrradrabauken
Fahrradrabauken auf Halde

Etwas orientierungs- und ratlos stehen wir an der nächsten (Fahrrad-)Kreuzung. Die Planlosigkeit scheint uns im Gesicht zu stehen oder in den leeren Augen. Was es auch ist, wir bleiben nicht lange alleine und bekommen den Tipp in Richtung “Halde Rungenberg” zu radeln. Halden, das sind die Dinger, die aus dem Abraum des Bergbaus bestehen bzw. zu Halden auf geschüttet wurden. Wer von Zechen spricht, darf also von Halden nicht schweigen. Wie hoch kann so eine Halde schon sein?

Fahrradfahren wie im Sauerland

Wir stellen fest, dass diese Halde sehr hoch ist. Dazu kommt noch, dass das Gepäck das Fahrrad stehst, hangabwärts ziehen möchte. Schwerkraft, du Arsch. Rabauken lassen sich von solchen Unwägbarkeiten jedoch niemals abschrecken. Is’ doch klar. Wer das Sauerland kennt und den Ausblick will, muss die Halde halt hoch. Wir mobilisieren also die letzten Reserven und strampeln den Anstieg hoch.

Halde Rungenberg
Halde Rungenberg – Ob das wirklich noch Fahrradwege sind?

Ausdauertraining für Radfahrer – SchnickSchnack

Was für eine Aussicht. Der Himmel ist blau und das Ruhrgebiet liegt uns zu Füßen. Atemberaubend, wäre ein starkes Adjektiv, aber atemraubend trifft viel eher und wir müssen erst mal durchatmen bevor wir den Kopf wieder heben können, um dieses wunderbare Bild zu schießen.

Nachtzeichen Halderungenberg
Kein Posieren, eher ein Festhalten nach der Anstrengung
Nachtzeichen von Hermann EsRichter
Nachtzeichen von Hermann EsRichter bei Tag

Holgers Erzbahnbude

Was in Köln das Büdchen ist, ist im Ruhrgebiet die Trinkhalle. Korrigiert uns, wenn wir hier falsch informiert sind, aber an Holgers Erzbahnbude fühlen wir uns gleich zu Hause. Ein Treffpunkt für Radler und Radlerinnen, zum klönen, schnacken und um Räubergeschichten zu erzählen. Die Erzbahnbude findet man an der Erzbahntrasse.

Heute ein vielgefahrener und gut ausgebauter Radweg, gondelten hier früher Kohle und Stahl über die Trasse zwischen Rhein-Herne Kanal und den Hochöfen des Bochumer Vereins. Neben Erfrischungsgetränken und kleinen Snacks gibt es hier auch eine Notfallversorgung für’s Rad: Flickzeug für Fahrradschläuche, Schrauben in mannigfachen Größen und Werkzeug. Regelmäßige Live-Musik gibt es angeblich auch. Top Laden also und auf der nach oben offenen Rabaukenskala ganz weit oben.

Mach’ mal Pause, Junge! Isso!

Prima, hier sind wir richtig. Das Bier in der langsam untergehenden Nachmittagssonne haben wir uns redlichst verdient und so lassen wir uns in hier nieder und trinken ein eiskaltes “Bernstein” Pils. So haben wir uns das vorgestellt. Lecker. Wieder auf den Sattel zu kommen ist wie immer schwerer als mit der Aussicht auf eine ausgedehnte Pause abzusteigen, aber hilft ja nichts, denn wir brauchen noch ein Quartier für die Nacht.

Holgers Erzbahnbude
Holgers Erzbahnbude

Am Rande des Wahnsinns

Wo genau wissen wir noch nicht, fahren aber erst einmal in Richtung Bochum weiter. Die folgenden Stunden lassen sich wie folgt zusammenfassen: Keinen Plan, immer mehr Hunger und damit auch steil ansteigende Stimmung auf den Rädern. Aber da kennen wir uns beide mittlerweile auch ganz gut. So werden Nüsse und Gebäck im Supermarkt gekauft, um einen Totalausfall der Kräfte zu vermeiden. Aber irgendwie ist der Wurm drin. Aufgrund einer Sperrung der Straße durch die Polizei verlieren wir nun endgültig die Orientierung und auch unsere Motivation.

Für eine Handvoll Nüsse

Schnell noch zwei Hände Nüsse in den Mund geschmissen und dann über das Handy eine Unterkunft buchen. Da wir eh schon auf einem Selbstzerstörungstrip sind, gönnen wir uns eine Unterkunft passend zum Tag.

Schöner Wohnen im Dortmunder Norden

Nach ca. 80 km kommen wir an unserer Bleibe für die erste Nacht an. Hotel Ashok – sicherlich keine Perle des Ruhrgebiets, aber wie gemacht für unseren Geldbeutel. Mit 48 Öcken für zwei Personen inklu. Frühstück und bei einer Bewertung von 2,5 Sternen haben wir aber auch irgendwie nichts anderes erwartet. Wo sind denn die ganzen Fakeaccounts, von denen man immer liest? Fakenews können wir da nur sagen, denn hier stimmt die Bewertung. Das Licht im Zimmer erinnert eher an eine Notbeleuchtung. Es fehlt eigentlich nur noch die flackernde Neonbeleuchtung und wir wären mitten in einem skurrilen Ruhrpottroadmovie. From Dusk till Dawn im Pott. Der Typ am Spielautomaten könnte auch echt gut am Tresen des Titty Twister sitzen. Die Internetbewertung ist übrigens äquivalent zu den heilen Leuchten vor dem Hotel. Ja wird wir wollten es so. Ein bisschen weh muss es eben tun.

Hotel in Dortmund
Schöner Wohnen in Lüttgendortmund

Bei “Wellness” sind wir eben noch lange nicht angekommen. Vielleicht berichten wir in 20 Jahren von den schönsten Spa Hotels des Landes.

Low-Budget und schräge Geschichten

Jetzt geht es aber erst einmal um Low-Buget und schräge Geschichten. Essen müssen wir aber, also raus vor die Tür… Haltestelle Germania… leere Straßenzüge… und endlich Neonlicht an Fressbuden. Aber wir wollen sitzen verdammt nochmal! Haben wir uns heute irgendwie ja auch verdient. Wir finden einen kleines italienisches Restaurant die Straße runter und sind vorerst die einzigen Gäste. Aber wer soll auch schon hier vorbeikommen?

Beste Pizzaria in Dortmund

Die Pizza ist aber wirklich lecker und reichlich, sodass zumindest Henrik sich ein Stück einpacken lässt. Ein paar Biere und Sambuca später laufen wir erschlagen zu unserem Wellnesshotel im Ruhrgebiet zurück.

Besser wir machen schnell die Augen zu

…und schnell wieder auf. Die Tarantino-Träume lassen wir beim Frühstück hinter uns. Buffet gibt es in einem großen Saal mit wenig Beleuchtung und ebenso karger Ausstattung. Das Wetter draußen passt zum morgendlichen Ambiente: Einheitlich graue Wolkendecke und leichter Nieselregen.

Mütze auf und weiter gehts

Mit dem letzten Schluck Kaffe hört es dann aber auch auf zu nieseln. Der Tag hüllt sich jedoch weiter in ein sattes Grau. Wir frieren etwas und sind froh nicht im Zelt geschlafen zu haben, zumindest die Dusche im Bruchbudenpalast war heiß.

Ende erster Akt – Ausblick

Ende erster Akt – aktuell schrauben wir noch fleißig an dem zweiten Teil. So viele Eindrücke müssen erst einmal in Form gebracht werden und etwas faul sind wir dazu auch noch. “Kommt alle gut ins neue Jahr und bleibt Rabauken!”Wir geben aber unser Bestes und hauen den zweiten Akt zeitnah raus, aber wahrscheinlich erst Anfang des nächsten Jahres. Kommt alle gut in 2019!

Ruhrgebiets-Impressionen – Erster Akt

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Fahrradtouren im Münsterland…

Fahrradtouren im Münsterland …sind auf jeden Fall in Planung. Eine Schande, dass wir noch nicht in DER Radfahrregion “Münsterland” waren. Der Sommer ist aber einfach zu kurz und ruckzuck brennt auf…

Fahrradtouren im Münsterland

…sind auf jeden Fall in Planung. Eine Schande, dass wir noch nicht in DER Radfahrregion “Münsterland” waren.

Der Sommer ist aber einfach zu kurz und ruckzuck brennt auf dem Tisch schon die dritte Kerze und Weihnachten ist nicht mehr weit. Unsere eigene Weihnachtsgeschichte gibt es unten zu lesen.

Unsere eigene Weihnachtsgeschichte

Ohne Schnee, Kerzen und den ganzen Kitsch, aber mit Sonne, Schweiß und riesiger Vorfreude auf den kommenden Radfahrfrühling/-sommer. Ein dickes Danke an dieser Stelle an Henning Hoheisel für ein tolles Interview. 

Danke an Henning Hoheisel von “Die Glocke”

100 Schlösser – oder die Lippe Römer Route

Münsterland wir kommen! Einen fertigen Plan gibt es noch nicht. Wir stehen aber in den Startlöchern und werden wahrscheinlich noch das ein oder andere Mal bei einem Kölsch überlegen was wir fahren wollen.

Vielleicht habt ihr ja ein paar Ideen für uns und oder Der Münsterland e.V.?

Was sollte man unbedingt sehen oder wen müssen wir unbedingt treffen, wenn wir im Münsterland unterwegs sind? Strecke machen kann jede bzw. jeder, uns interessieren aber auch spannende, alltägliche oder skurrile Geschichten über die Region. 

Schreibt uns, ruft uns an oder gebt Rauchzeichen.

In diesem Sinne

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Nordseeküstenradweg – eurovelo 12

Der Nordseeküstenradweg (EV12) -Sommer, Sonne und mit dem Zelt ab aufs Rad Die großen Ferien! Wir radeln in den wohlverdienten Sommerurlaub und wollen uns an der Nordseeküste austoben. Vor uns…

Der Nordseeküstenradweg (EV12) -Sommer, Sonne und mit dem Zelt ab aufs Rad

Die großen Ferien! Wir radeln in den wohlverdienten Sommerurlaub und wollen uns an der Nordseeküste austoben. Vor uns liegen knapp 550 km Nordseeküstenradweg, Nordseewind, Deiche und unzählige Schafe.

 

Film ab – Der Nordseeküstenradweg

Dieses Mal radeln wir in anderer Besetzung, was nicht heißt, dass es weniger rabaukig wird.

Schon bei der Buchung, zwei Wochen im Voraus fällt uns auf, dass die Bahn von Köln in Richtung Norden heiß begehrt ist. Die gewünschte Bahn lässt uns noch mitfahren, aber nicht unsere Räder. Eigentlich wollten wir ausschlafen, aber die Bahn will dies mal wieder nicht. So ist immer noch alles beim Alten und es geht früh zum Kölner Hauptbahnhof. In den Tagen zuvor haben wir unsere kleine Wohnung in Köln mit diversen Campingutensilien vollgestellt, damit wir ja nichts vergessen. Unsere kleine Packliste für den Campingurlaub war uns tatsächlich eine Hilfe. Der Plan ist einfach: Bahnticket kaufen – mit den Rädern in die Bahn – voller Vorfreude aus dem Fenster gucken und in Leer starten, um nach Hamburg zu strampeln. 

Bestes Wetter, was kann da noch schief gehen

Das Wetter in den letzten Tagen war einfach großartig und so freuen wir uns auf einen kostengünstigen Urlaub im Zelt mit Campingkocher und leckerem Essen, bei dem jede Fischbude einpacken kann.

15 Tage Freiheit und Radeln auf dem Nordseeküstenradweg

Wir haben 15 Tage für den Nordseeküstenradweg eingeplant, alle Rennradfahrer werden sich jetzt wahrscheinlich die Hände über der Radlermütze zusammenschlagen, aber ums “Streckemachen” geht es immer noch nicht. Geplant sind ca. 50 km am Tag, mal mehr mal weniger und wenn es uns irgendwo gefällt, fahren wir auch einfach nicht weiter, sondern bleiben. Ride fast – Live slow. 

Leer – Bahnhof

Das Schöne ist, man ist noch nicht gefahren und es liegt eine endlose lange frei gestaltbare Zeitspanne vor einem. Man weiß nicht wo man abends landet, welche Leute man trifft, ob die Klamotten noch trocken sind, wo man etwas zu essen auftreiben kann. Alles was man braucht ist am und auf dem Fahrrad. Freiheit ist irgendwie doch einfach zu finden. Nicht weit weg und irgendwie doch. 

Marteria – fährt der wohl noch mit der Bahn?

Die Klamotten bleiben an diesem Tag auf jeden Fall trocken, denn Leer empfängt uns bei strahlendem Sonnenschein. Kurze Pinkelpause. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob Marteria mit dem Zug fährt, aber vielleicht war er das doch am Bahnhof? “Lieber mit dem Fahrrad zum Strand, als mit dem Auto zur Arbeit”, ob er es war oder nicht, zumindest wissen wir wieder, wie gut wir es gerade haben. Leer ist an sich schon eine Reise wert und wir werden uns noch schmerzlich an diese schöne Stadt zurück erinnern, aber wir sind nunmal keine Städtetouris und lassen Leer hinter uns. 

Bingum, Jemgum, Midum, Citzum, Hatzum und Ditzum

Es geht über die wirklich beindruckende J.-Berghaus (Klapp-)Brücke, durch Bingum, Jemgum, Midum, Citzum, Hatzum und Ditzum immer weiter Richtung Norden. Kein Schreibfehler – drei bis vier Buchstaben und ein “um”, fertig ist der Ortsname.

Hier ist noch kein Meer, sondern die Ems – schön, aber wer den Rhein vor der Tür hat will ans Meer und nicht an die Ems. In Ditzum machen wir die erste Pause und warten bei einem Kaltgetränk auf die Fähre (Achtung Trommelwirbel) nach Petkum. So, nun ist aber gut. Okay noch nicht ganz, Borssum… und dann Emden. Wieder so ein heißer Scheiß für Städtetourist*Innen und damit nicht für uns. Kurz den Mund aufmachen, staunen, dann aber weiter. Es wird zusehens anstrengender, da der Wind von vorne kommt. Zur allgemeinen Motivation haben sich findige Marketingleute überlegt, Geschwindigkeitsanzeigen aufzustellen. Sie fahren 12 km/h, 11, 10, 8…leck mich Gegenwind, wir wollen ins Zelt. Nach ca. 55 km erreichen wir endlich den angepeilten Campingplatz in Kock. Wir stellen uns auf Hardcore-Deutschlandfans ein und wollen uns doch noch zum Fussball gucken dazu setzen. Schließlich ist ja WM. 

Gegen alle Campingplatzklischees

Es kommt immer anders als gedacht. Weit ab von allen Klischees, die zumindest wir zu Campingplätzen und Fussball im Kopf haben, sind alle sehr entspannt und zu unserem Erstaunen wenig dekoriert. Dem Fahrradrabauken ist Fussball eh egal, aber die Fahrradrabaukin muss es einfach sehen.

Hunger! Zum Glück bekommen wir noch eine Fritte und einen kleinen Salat und dazu ein kaltes Bier. Eine ganze Horde netter Leute gibt es gratis dazu. Urlaub, ach du wunderbare Zeit. 

Glücklich kriechen wir ins Zelt und zack, da ist der Norden und sein Wetter: Wind und Regen – jetzt erstmal egal… wenn es nicht so kalt wäre… trotzdem schlummern wir glücklich ein.

Das ist der Plan – Doch die Nordsee ist Klischee – unter 15 Grad

Der Plan sieht wie folgt aus: Kaffee und Frühstück vorm Zelt bei Sonne. Pure Urlaubsidylle eben. In Wirklichkeit packen wir das Zelt nass ein, weil es weitergehen muss. 

Die Temperaturen sacken auf unter 15 Grad ab und wollen auch die restliche Woche nicht wirklich wieder nach oben klettern. Andere liegen am Mittelmeer und uns knallt der Regen von der Seite ins Gesicht, das muss man einfach mit Humor sehen, sonst kann man sich auch pauschal in irgendeine Ferienanlage einquartieren. Unserer Meinung nach wäre das wesentlich schlimmer!

Das Gute am Norden ist: nach Regen kommt Sonnenschein, kommt Regen, kommt Sonnenschein… es wechselt sehr schnell. Das Frühstück holen wir in Greetsiel nach, auf richtigen Stühlen und unter einem Schirm. Schnell noch Nudeln im Supermarkt gekauft und weiter geht es im Regen, immer den Deich entlang. Vorbei am Pilsumer Leuchtturm (“Ottos Leuchtturm”), in der Nähe des wirklich schönen Greetsiel und immer weiter geradeaus. Deich links, unten Schafsmist, von vorne Wind und von oben Regen im On-Off Betrieb und trotzdem so schön. Neben uns fliegen, für eine ganze Zeit Schwalben. Ein bisschen wie die Delfine des Nordens (zuviel Pathos? Niemals!), leider ist ihr Flug ziemlich tief und es schüttet wieder von oben. Deshalb ziehen wir für diese Nacht in eine Pension. 

Norddeich – Naja geht so

Norddeich erschloss sich uns wie folgt: TK-Gemüse mit Sauce Hollandaise, Reibekuchen und Kroketten, echt nicht so schön, vor allem bei Regen. Trotzdem schieben sich einige Touristen durch die Stadt. Schräg. Wir kaufen Chips und Schokolade als Trostpflaster und ziehen uns müde aber happy zurück. 

Nananana Sonne!

Sorry Norddeich, wahrscheinlich wärst du schöner im Sonnenschein gewesen…vielleicht.

Ab jetzt gibt es jede Menge Orte mit Siel am Ende. Bensersiel – schön und viel schöner für eine Pause als Dorumersiel, aber Neuharlingersiel schlägt alles. Eine Strandbar mit Kitesurfschule bei Sonnenschein. Wir flippen fast aus und machen eine langgezogene Pause in der Sonne bei entspannter Mukke. Schuhe aus und Füße rein in den Sand. Es ist warm, die Möwen kreisen und klauen sich von Leuten Fritten und anderes Gebäck. Alles egal, wir sind am Stand. Zum Glück sind es nur noch 6 km bis zum Campingplatz, denn eigentlich will man hier gar nicht mehr weg. 

Am Ende des Tages sitzen wir dann aber doch vor unserem Zelt in Carolinensiel und machen uns endlich Nudeln mit Pesto. Man braucht nicht viel, um zufrieden zu sein. 

Kann man machen muss man aber nicht – Die Friesischen Inseln – Wangerooge

Ausflugstipp, wenn die Urlaubskasse prall gefüllt ist: Von Harlingersiel ca. 1,8 km oberhalb von Carolinensiel, kann man mit der Fähre nach Wangerooge übersetzen. 53€ pro Nase sind uns doch etwas zu viel und so fahren wir am nächsten Tag einfach weiter. 

E-Bikes und andere Fahrradrabauken

An diesem Tag haben wir uns eine Etappe von unfassbaren 16 km vorgenommen. Schillig, ist der Ort an dem wir zwei Nächte bleiben wollen. Aus Nostalgiegründen und weil hier der erste Sandstrand auf der Strecke ist. Früher, als Kind war ich öfters hier und jetzt, über zwei Jahrzehnte später, möchte ich mir den kleinen Ort nochmal anschauen. Zu den 16 km kommt auch noch Rückenwind, sodass wir viel zu flott unterwegs sind und tatsächlich angepöbelt werden, als wir ebenfalls nicht motorisierte Fahrräder überholen: “Und jetzt der Turbo oder wie?” Irgendwie sympathisch, da sich sonst wirklich nur E-Bikes den Deich entlang schieben. Über die Sinnhaftigkeit lässt sich hier sicher nicht streiten. 

(S)Chillig, es ist Jahre her als wir uns das letzte Mal gesehen haben

Gut, dass wir uns das Geld für Wangerooge gespart haben, Schillig ist sehr beliebt und bei dem Wetter ist leider immer noch nicht an Zelten zu denken. Für schlappe 150€ bleiben wir zwei Nächte in einem wirklich abgerockten Zimmer ohne Frühstück. Wir wollen ins Zelt. Zumindest ist es trocken. Schilling selbst hat nicht viel zu bieten, was uns ganz gelegen kommt. Die örtliche Pizzeria öffnet erst um 17 Uhr und somit vertreiben wir uns erstmal die Zeit in einer Seemannskneipe. Einige Biere später wechseln wir die Straßenseite und bestellen uns etwas zu Essen.

Es wird TK-Nachtisch serviert

Das Essen ist nicht schlecht, aber beim Nachtisch fallen wir vom Glauben ab. Serviert wird für 3,60€ ein aufgetautes Dessert einer bekannten Konditorei, die in der TK-Abteilung jedes Supermarktes zu finden ist. Kein Witz, mit voller Überzeugung wird der Plastikbecher auf einem Tablett serviert. Merken das Leute nicht? Dem Kellner ist es sichtlich unangenehm, als wir nachfragen. Mit einem gratis Grappa ist es dann aber auch egal. 

Schnell noch in den Nachbarort (Horumersiel), um Frühstück einzukaufen und zack versacken wir mit neuen Urlaubsbekanntschaften in der nächsten Strandbar. Nette Leute hat der Norden auf jeden Fall. Zum Glück müssen wir morgen nicht aufs Rad, denken wir uns, als wir nachts im Bett liegen. 

Tiefe Zufriedenheit und ein breites Grinsen 

Der nächste Morgen beginnt entsprechend langsam. Brötchen holen und es fühlt sich ein bisschen so an wie früher, als ich klein war. In der Schlange beim Bäcker stehen, mit ein paar Mark in der Tasche. Vor der Reise in die Vergangenheit, geht es noch kurz zum Meer. Stille und kein Mensch weit und breit. Der Kater ist wie weggeblasen und weicht einem breiten Grinsen und einer tiefen Zufriedenheit. 

Den Rest des Tages verbummeln wir einfach, nicht im Zimmer sondern draußen. Es ist windig, als wir durch das Watt laufen und die schwarzen Wolken kündigen auch nicht gerade die Sonne an. Alles egal. Wir freuen uns aber auch auf den nächsten Tag. Weiterfahren und weg hier. 

Wilhelmshaven – Einst der Stolz der kaiserlichen Marine, aber warum sind wir hier? Ach ja NoFx und Millencolin!

Warum Wilhelmshaven das nächste Ziel ist wissen wir auch nicht mehr so genau, als wir in einer trostlosen grauen Stadt stehen und uns fragen warum wir hier ein Hotel reserviert haben. Wenigstens gibt es einen Fahrradraum. Schnell etwas essen und ab ins Bett. Laaaaangweilig. Gegenüber ist doch eine Kneipe.

Das Kling Klang. Tatsächlich haben hier schon NoFX, Millencollin und andere Bands gespielt. Wenn ihr mal in Wilhelmshaven gestrandet seid, geht dahin! Echt. Wir kommen schnell mit anderen Leuten ins Gespräch und danach wissen wir auch warum es hier so ist, wie es ist. Kurzer Abriss: WHV hatte früher 120.000 EW doch nach der Pleite von einem namenhaften Schreibmaschinen Hersteller sind 40.000 EW abgewandert. Zudem gehört Eurogate der Hafen hier, aber eben auch der Hafen in Bremerhaven. Bremerhaven läuft und Wilhelmshaven steht auf Standby für alle Fälle.

Unterm Strich macht das – leider eine trostlose Stadt mit Marine Stützpunkt. Zu Kaiser-Wilhelms-Zeiten wahrscheinlich viel imposanter.

Langsam reicht es mit Hotels 

Am nächsten Tag kommt langsam eine Abneigung gegen spießige Hotels in uns auf. Verdammt, wann ändert sich endlich das Wetter? Wetterapps kann man im Norden vergessen. Die Sonne wandert in der Ansicht immer auf den nächsten Tag. Also einchecken, neben nervigen Rentnerreisegruppen und ab ins Bett. Samstagabend und wir gucken das nächste WM-Spiel im Bett. Soweit ist es gekommen, vielleicht auch wegen dem Kling und Klang. Nein, nur weil wir es leid sind nicht draußen zu schlafen.

Wir buchen uns ein Zimmer mit Schwimmbad 

Auschecken und weiter bei unveränderten Wetterverhältnissen. Burhave ist das Ziel und schlafen wollen wir in einem AWO-Familienhaus mit Schwimmbad. Wohuuu! Benutzt haben wir es aber nicht. Wasser haben wir schon genug gesehen und im Gesicht gehabt. Unterwegs lernen wir noch einen älteren Mann kennen, der sich freut, dass wir in so jungen (!) Jahren schon unterwegs sind.

Schicksalsschläge und Geschichten zum Nachdenken

“Macht es einfach sofort, wenn euch der Gedanke kommt.” das ist der Satz der uns noch den ganzen Urlaub und auch jetzt noch begleitet. Nicht altklug, sondern einfach eine tragische Geschichte. Er wollte mit seiner Frau reisen, wenn beide in Rente sind… Was passiert ist, kann man sich denken. Traurig, aber für uns noch mehr Ansporn diesen Blog zu füllen bzw. immer weiter zu fahren und Neues zu entdecken. Nicht auf dem Nordseeradweg sondern generell. 

Genug der nachdenklichen Sätze, wir sehen durch unser Fenster das Meer und Bremerhaven. Zudem zeigt die Wetterapp Sonne für den morgigen Tag. Warum glauben wir eigentlich noch dem Internet?

Deiche und Schafe – schön war es, aber langsam reicht es auch

Egal, weiter geht es mit der Fähre von Bexter nach Bremerhaven. Die Sonne ist immer noch nicht zu sehen, aber ab hier wird es erträglicher. Bremerhaven – Klimahaus, Zoo und vieles mehr. Vielleicht machen wir hierhin wirklich mal einen Städtetrip, aber absteigen kommt jetzt nicht in Frage.

Mitten durch den Containerhafen – darf man das überhaupt?

Spannend ist auf jeden Fall der Hafenbereich. Man fährt mitten durch. Alles hupt, blinkt, fährt, man hat die ganze Zeit ein etwas mulmiges Gefühl. Immer weiter, wann fährt man schon mal durch einen Containerhafen. Sollte man gemacht haben, aber Achtung: Der Schienenverkehr hat Vorfahrt.

Wir wissen nicht was es ist… ab hier haben wir ein ganz anderes Gefühl, als ob die Weser den Nordseeküstenradweg in zwei Teile schneidet. Das Wetter ist immer noch nicht besser, doch die Laune steigt. Egal was passiert, wir zelten!

High Five – Fuck you Regen! 

Wir bauen unser Zelt auf und sind überglücklich der Tristesse der Pensionen und Hotelzimmer entkommen zu sein. Kalt ist es immer noch. Wir suchen uns ein gemütliches Restaurant und essen das erst Mal auf unserer Tour, mal ausgenommen unsere selbstgekochten Essen, richtig gut. Wir müssen nur seeehr langsam essen, damit wir nicht so schnell wieder in die Kälte müssen. Heute Nacht kommt die Picknickdecke mit in den Schlafsack, sonst geht es einfach nicht.

Ist das die Sonne oder der Mond?

Es wird wärmer. Wir fassen es nicht! Kommt der Sommer wieder? Wir bleiben einfach noch einen Tag und machen Urlaub vom Urlaub. Dorum-Neufeld ein unscheinbarer Name, aber ein toller Ort. Immer vorausgesetzt man will sich auch mal als richtige*r Tourist*In fühlen. In der Kurtaxe enthalten ist neben dem Zutritt zum Stand und dem Spielplatz auch der Eintritt zum Schwimmbad, aber dafür ist es heute doch noch etwas zu frisch.

Zeit für Bildung im Wattmuseum

Es gibt ein kleines Wattenmeermuseum, welches wirklich einen Besuch wert ist, trotz oder wegen des freien Eintritts. Es gibt nämlich verschiedene Wattarten. Verrückt, aber wieder etwas gelernt. Der Tag geht schnell vorbei und so sitzen wir wieder vor dem Zelt, trinken eine Flasche Wein und fangen an zu kochen.

Wo Zur Hölle gibt es denn jetzt noch neues Gas?

Das Wasser im Topf fängt gerade an warm zu wenden, als uns das Gas ausgeht und der Kocher keinen Laut mehr von sich gibt…. Zur Erinnerung: wir sind in Dorum-Neufeld und auf Nachfrage beim Campingplatz wird uns das schnell wieder bewusst. Es gibt nur große Flaschen auf dem Platz… Zum Glück hat eine Tankstelle im 7 km entfernten Dorum noch geöffnet. Schnell rauf aufs Rad – Hunger und träge vom Wein. Tolle Mischung! Aber klitschnassgeschwitzt, wieder zurück und etwas später mit etwas Selbstgekochten in der Hand weiß man, dass es das einfach wert war. Nochmal Folienkartoffel wäre einfach keine Option gewesen.

Am nächsten Tag scheint tatsächlich die Sonne und wir bleiben spontan noch einen Tag. Morgens geht es schwimmen und abends wieder einmal Fußball gucken auf dem Campingplatz. Bums, Deutschland ist raus, aber auch hier ist es so ziemlich allen egal. Wir müssen wirklich wegkommen vom Schubladendenken. Alle und nicht nur in diesem Fall. Den Abend lassen wir mit einer Runde Wikingerschach, bei unseren Zeltnachbarn ausklingen. Morgen geht es dann endlich weiter.

Geburtstag! Yeah!

Kein Schnickschnack, kein Stress, nur Wiese, Zelt, ein tolles Frühstück und die Sonne. Mehr geht nicht und wollen wir nicht. Heute sind 26 km angesetzt. Zum Glück nicht so viel, denn das andere Extrem ist die Sonne. Strahlend blauer Himmel und das Gesicht voller Sonnencreme. Top! 

Ein bisschen Mittelmeerfeeling und Philosophie in Cuxhaven

Es geht nach Cuxhaven, genauer gesagt nach Cuxhaven-Dune. Um 12 Uhr kommen wir an und suchen uns einen Zeltplatz. Der Ort scheint heiß begehrt zu sein und so quetschen wir uns zwischen Wohnwagen und anderen Zelten auf die Wiese ohne Schatten. Hier frühstücken wir auf keinen Fall am nächsten Tag. Viel zu eng. Alles egal, ab in die Strandbar.

Wer braucht das Mittelmeer, wenn man hier abhängen kann. Die Sonne knallt von oben und die Cocktails schmecken wunderbar. Später am Abend treffen wir noch einen Kumpel zum Essen und lernen noch eine Schweizer Familie (Hier gehts zum Blog) kennen. Die Vier sind mit dem Bulli unterwegs. Job gekündigt und los. Warum lernt man eigentlich immer Leute kennen die einem mutiger erscheinen?

Der Abend wird immer besser, wir essen, sitzen noch auf ein schließendes Getränk (wieder) in der Cocktailbar und sehen zu, wie die Sonne langsam untergeht. Alles wird langsam in goldenes Licht getaucht. Mega! Hier könnte der Abend enden, aber wir haben unseren neuen Schweizer Freunden versprochen, dass wir noch vorbei kommen und so sitzen wir noch stundenlang auf unsrem Campingplatz vor dem Spacecamper (Mega Teil – Hier gibt es Bilder) rum und philosophieren über das Leben. Für uns gibt es nichts Schöneres. Wirklich nicht.

Auf dem Tacho haben wir jetzt ca. 400 km nicht die Welt, aber wir sind entspannt, im Gegensatz zu unseren Zeltnachbarn, die in der gleichen Zeit mal eben die Elbe runtergeknallt sind. 900 km… wer es braucht. Gerne.

Da war er wieder der stechende Kopfschmerz – auf nach Stade

Wie weit wir heute fahren? Nicht so viel, wir haben ja keine Kraft. Zwischen Cuxhaven und Stade ist aber nix. Weder schön noch irgendwas. Das hatten wir uns anderes vorgestellt. Am Ende vom Tag sind wir 94 km gefahren, haben gefühlte 3l Sonnenmilch verbraucht und landen wieder in einem Zimmer, weil es in der Nähe keinen Platz für unser Zelt gibt. Diesmal freuen wir uns über ein Bett, denn wir sind wirklich durch. Stade selbst ist eine klasse Stadt, zumindest im Kern. Nach einem kleinen Stadtbummel inklusive Nahrungsaufnahme fallen wir tot ins Bett. 

Hamburg City wir kommen – Quer durchs Alte Land

Wir fahren durch das alte Land, vorbei an riesigen Obstplantagen und alten Gutshöfen. Wenn wir mal groß sind kaufen wir uns auch so eine schnörkelige Tür, fürs Zelt. Für mehr wir es wohl nicht reichen, wenn überhaupt. So unschön der letzte Tag landschaftlich war, umso schöner ist es jetzt. Stade – Hamburg, eine super Etappe. @Henrik aka zu Hause gebliebener Rabauke: Leckeren Käsekuchen gibt es übrigens an der alten Mühle Aurora in Jork kurz vor Hamburg.

St. Pauli ist leider die letzte Station auf dem Nordseeküstenradweg

Leider ist Hamburg auch unsere letzte Station auf dieser Tour. Das Gute ist, dass wir noch drei ganze Tage haben, um es uns richtig gut gehen zu lassen und ein Geschenk bekomm’ ich auch noch noch. Fix ist ein Hotel im Herzen von St. Pauli gebucht und schon wieder haben wir einen ganz anderen Urlaub. Zwar ein Städtetrip, diesmal aber mit einer sehr kompetenten Stadtführerin. Nina hat einige Jahre in Hamburg gewohnt und somit ist es eine Art Heimspiel. Wir bewegen uns abseits der typischen Touristenhochburgen und können so voll und ganz in die Stadt eintauchen. Hamburg meine Perle. 

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins – besser nicht

Samstag Abend wir stürzen uns ins Getümmel. Hotelzimmer ist keine Option, denn es ist Samstag und wir sind wieder unter Leuten. Spontan treffen wir noch eine Freundin und lassen den Abend bei Astra und einer lauen Sommernacht (!) in Hamburg (!) ausklingen.

Der nächste Tag lässt sich wie folgt zusammenfassen: Elbstrand, bevor der große Andrang kommt. Besuchen der alten Hood von Nina. Besuch der “Kleinen Konditorei” und die verzweifelte Suche nach Dinkelvollkorntalern, mit anschließendem Besuch bei Anna-Lena zu Hause und wieder essen. Eimsbüddel, auch ganz nett. 

Jetzt aber nichts wie ab ins Bett, denn morgen ist..

…Geschenke Tag! Yeah! Ein Kanutrip auf der Alster

Wir paddeln auf der Alster. Wenn ihr in Hamburg seid, macht das! Kleine Kanäle und eine ganz andere Perspektive auf die Stadt. Mega! Mehr kann man dazu nicht sagen. Wir paddeln so lange bis uns nach 4,5 h Stunden der Hintern und die Arme weh tun. Erstmal ausruhen am Wasser, bis der Magen knurrt. Richtiges Essen! Richtige Pizza. Essen macht schon glücklich oder eben unglücklich, wenn man auf Restaurants angewiesen ist, die nicht wirklich günstig sind, aber eben solches Essen verkaufen. Fazit: Der Nordseeradweg ist keine kulinarische Reise wie die Kulturelle Landpartie.

Fazit einer sehr geilen Tour entlang der Nordseeküste

Zusammenfassend lässt sich sagen: der Nordseeküstenradweg ist eine abwechslungsreiche Tour. Weit mehr als Schafe, Deiche, Regen und Schafsmist auf den Wegen.

Hier gibt es noch Frauen, die ihre Männer verabschieden, wenn sie aufs Meer fahren. Schön mal weniger schöne Abschnitte. Sonne und Regen im ständigen Wechsel. Tolle und weniger schöne, fast trostlose Orte. Gefühlt sind es mehrere Urlaube in einem und mit Hamburg als krönendem Abschluss kann man einfach nichts verkehrt machen. Infos zur Küste und allem Zipp und Zapp, nicht nur zu Radtouren gibt es auf https://www.reiseland-niedersachsen.de.

Gerne wären wir einfach weiter gefahren, doch das ganze Geld für die Hotels und Pensionen muss jetzt erstmal wieder verdient werden. Danke Nordsee! Es war schön.

 

 

 

 

 

 

*Anders als der GPS-Verlauf der oben dargestellten Karte, sind wir den Nordseeküstenradweg, wo immer es ging an der Küste entlanggefahren. Da wir uns nicht selber tracken, können wir leider nur diese Darstellung anbieten. Die gefahrenen Alternativrouten gibt es in der Druckfassung von Bikeline (Esterbauer Verlag).

 

Impressionen

 

3 Kommentare zu Nordseeküstenradweg – eurovelo 12

Rheinradweg – von Köln nach Xanten

Rheinradweg – von Köln nach Xanten in zwei Tagen Die Sonne lacht bzw. besser knallt über Köln. Seit Tagen. Normalerweise checken wir das Wetter und hoffen, dass es nicht regnet….

Rheinradweg – von Köln nach Xanten in zwei Tagen

Die Sonne lacht bzw. besser knallt über Köln. Seit Tagen. Normalerweise checken wir das Wetter und hoffen, dass es nicht regnet. An diesem Wochenende ist es einmal anders. Angesichts der langen Hitzewelle von weit über 30°C hoffen wir, dass es sich etwas abkühlt und wir den Rheinradweg ohne Sonnenbrand erleben werden. Verkehrte Welt.

Brauhaus, Fahrradrabauken und ein todsicheres Dingen

Alleine reisen ist bestimmt auch schön, doch zu zweit oder mit mehreren noch schöner. Dieses Mal gibt es eine Rabaukentour in einer Alternativbesetzung mit meinem Bruder aus Münster. Treffpunkt ist Freitagnachmittag in Deutz, wir freuen uns wie Bolle, dass wir uns endlich wieder sehen und vier lange Tage vor uns haben. Da es erst Samstag losgeht, bleibt noch genug Zeit, um die Taschen zu packen, euphorisch über die anstehende Tour zu diskutieren und für das ein oder andere Kölsch.

Fahrradrabauken plus Münster-Support

In der Original-Rabaukenbesetzung plus Münster-Support sitzen wir auf Barhockern und lassen uns die warme Luft von Köllefornia um die Nase wehen. Besser geht es nicht. Leider ist Henrik dieses Mal nicht mit von der Partie, aber ein Geschwisterwochenende hatten wir auch noch nie. Also zack Kölsch ausgetrunken, Augen geschlossen wieder aufgemacht und die Welt ein weiteres Mal verflucht. Vorfreude sollte man, besonders bei der Hitze nicht mit Kölsch feiern. Egal. Los gehts.

Gotta gotta gotta go! Eins, Zwei Abenteuer!

Schnell sind alle Taschen am Rad und wir auf der Straße. Erst mal raus aus Köln, denn mit Autos haben wir in den nächsten Tagen keinen Vertrag. Dieses Mal haben wir keine Karte, denn der Rhein wird uns als Orientierung reichen, oder?

Immer Richtung Norden am Rhein entlang

Geradelt wird in Richtung Norden, an den Ford Werken vorbei. Dass es hier schön ist, wäre gelogen, aber danach sind wir erst mal raus aus der Stadt. Der Weg ist bekannt, nur das wir dieses Mal nicht nach Monheim mit der Fähre übersetzten, sondern auf der einen Rheinseite bleiben wollen. Zum Glück ist es heute etwas bewölkt, so dass der Schweiß zwar läuft, uns aber zumindest die Sonne nicht sofort verbrennt. 

Wir bleiben unserem Motto “Erst mal machen und dann nachdenken” treu und fahren dicht am Rhein. Der Asphalt wechselt zu Schotter und der Schotter zu Wiese mit Löchern. Die Geschwindigkeit reduziert sich rapide und wir wackeln auf dünnen Reifen durch die zerklüftete Prärie am Rhein.

Steppe in der Zonser Grind

 

Steppe gibt es nicht nur in Afrika

Keine FahrradfahrerInnen, nur noch FußgängerInnen und JoggerInnen kommen uns entgegen. Kann einem zu denken geben, muss es aber nicht. Also weiter, bis das T-Shirt nass ist und wir uns nach einem glatten Straßenbelag sehen. Die Sonne hat die Wiese mittlerweile so weit verbrannt, dass sich vor uns eine endlose gelbe Wüste auftut. Vielleicht ein Superlativ, aber angesichts des Vorabends und der Hitze: Gefühlte Strecke = reale Strecke x 1000.

(c) Googlemaps – Zonser Grind

 

“Wer pinkeln muss, hat noch nicht genug gestrampelt”

Irgendwer hat mal gesagt: “Wer Pinkeln muss, hat noch nicht genug gestrampelt” das nur am Rande. Weiter immer weiter. Das Schöne ist, wenn man keine Karte hat, dass man sich von Ort zu Ort treten kann. Deswegen soll es an dieser Stelle keinen Routenvorschlag von unserer Seite geben. Guckt euch grob die Orte auf der Karte an und fahrt einfach los – Fahrt quasi euren eigenen Rheinradweg. Es gibt natürlich auch eine vorgegebene Strecke, die sicherlich sehr schön ist und auch von uns das ein oder andere Mal in Teilen gefahren wurde, aber eine gewisse Planlosigkeit macht eben Spaß. Probiert es aus.
Falls Ihr doch Lust habt auf den Spuren der Rabauken unterwegs zu sein, hier die Ortsnamen zum Sammeln und Abfahren:

Tag 1: Niehl – Merkenich – Worringen – Rheinfeld – Feste Zons – Stürzelberg – Uedesheim – Grimlinghausen – Neuss- Düsseldorf – Meerbusch

Rheincamping Meerbusch – Wer (fast) am Rhein zelten will… bidde!

So ziemlich auf der Hälfte (Nähe Meerbusch) findet ihr einen tollen Campingplatz am Rhein. 70km stehen mittlerweile auf dem Tacho, aber richtig kaputt sind wir irgendwie noch nicht. Sollen wir weiterfahren oder es einfach gut sein lassen und unser Zelt aufbauen? Eine Pause muss auf jeden Fall erstmals sein. Weit und breit ist eigentlich nichts außer der Campingplatz “Rheincamping Meerbusch” und ein Hotel mit Marmortischen und dem dazugehörigen Publikum. Warum sitzen wir hier nochmal? “Also bei Swissair* gibt es immer Blaubeersaft” danke für diesen kosmopolitischen Beitrag, werter Herr am Nachbartisch. (*Name geändert)

Nobel geht die Welt zugrunde – bloß weg hier

Nobel geht die Welt zugrunde, wenn das unsere aktuellen Probleme sind, dann gute Nacht. Wir grinsen, schütteln unsere Köpfe und wollen bezahlen. 6€ pro Bier – geschenkt! Ist eben auch das Four Seasons mit vier Sternen. Nicht unsere Welt und wird es auch nie werden. Noch nicht mal Speisekarten gibt es. Pfff… also ab auf den 50m entfernten Campingplatz. Mit ca. 23€ für ein Zelt und zwei Personen nicht das super Schnäppchen, aber direkt am Rhein und mit Strandbar! Diese kann man auch ohne Platzgebühr besuchen. Daher der Rabaukentipp: Nicht in den vier Sterne Tempel, sondern mit netten Leuten und den Füßen im Sand ab in die Strandbar.

Strandbar – Camping Meerbusch

 

Zelten, der Rhein und Nudeln im selbst gebauten Spirituskocher

Das Zelt ist schnell aufgebaut und wir setzen uns noch eine Weile an den Rhein und schauen den Schiffen hinterher. Doch, wir sind geschafft, aber glücklich. Am Zelt wartet auf uns eine Packung Nudeln mit Pesto. Was will man in einem Vier Sterne Hotel, wenn das Glück doch so nahe liegt. Mein Bruder hat sich einen eigenen Spirituskocher aus einer Dose gebaut. Der ultimative Test sind die 2L Wasser zum Nudel kochen. Es klappt. Geil! Wir werden bei Zeiten eine Anleitung einstellen, denn einfacher und günstiger kann man draußen nicht kochen. Danke kleiner Bruder, wieder etwas gelernt.

 

Wie lange ist es noch hell? Die Fingermethode – analog und ohne Internet

Die Sonne geht langsam unter und taucht alles, inklusive gelber Wiesen in ein goldenes Licht. Wie lange ist es noch hell? In Münster weiß man anscheinend noch mehr über die Natur. Hier die Anleitung zur Zeitmessung (dabei ein kleiner Dank an Bear Grylls): Man halte eine Hand gegen den Himmel und zähle die Finger zwischen Sonne und Horizont. Ein Finger steht für etwa 15min. Uns bleiben somit noch drei Fingerbreiten. Wer kann rechnen?

Danach folgt die Campingplatzroutine: Spülen – Zähne putzen, ab in den Schlafsack, noch etwas lesen und schon sind die Augen zu.

Wiedermal kein Frühstück – aber topfit und hoch motiviert

Frühstück haben wir nicht bestellt und somit gibt es Müsliriegel und Kaffee vom Spirituskocher. Geiles Teil!

Camping Meerbusch – Bikepacking vom Feinsten

 

Erinnerungen an den Ruhrtalradweg – Duisburg und die Rheinorange

Um neun Uhr sitzen wir wieder auf dem Rad. In der Ferne taucht Duisburg auf, Rheinorange inklusive. Jetzt kann ich endlich mal etwas erklären und erzähle von unserer Tour über den Ruhrradweg. Genau hier mündet die Ruhr in den Rhein. Okay die Finger- und Spirituskochernummer war cooler, trotzdem irgendwie komisch, vor einem Jahr standen wir noch auf der anderen Seite und hatten unsere erste Tour im Sack.

Direktor bei Thyssen und Reisefotograf – was für ein Leben

Das Schöne am Reisen ist, dass man immer wieder Leute trifft, die, wenn man Glück hat, ihre Geschichte erzählen. Wir machen eine längere Pause auf dem Deich und treffen einem Fotografen mit seiner Frau. Beide schon Ende siebzig. Wir fachsimpeln über Kameras und er erzählt von seinen Fotoreisen. Spannend. Wirklich. Zumal er erst mit 54 Fotograf geworden ist, nach dem er einen sehr gut bezahlten Job aufgegeben hat, jetzt aber auch “nur noch” Ausstellungen organisiert. Was wir wohl mit 54 machen? Hoffentlich irgendwas, was wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. Das Leben ist schön und wir rollen weiter.

Kilometer schrubben und das surren der Reifen

Der Ehrgeiz hat und gepackt und wir fahren eine ganze Zeitlang über 30 km/h. Schweiß, Wind und das Surren der Reifen… und ein Vogelschiss. Bringt Glück, sieht nur kacke aus, vor allem wenn der Vogel sich allem Anschein nach vorher den Bauch mit blauen Beeren vollgeschlagen hat. Bis dahin dachten wir, dass es die nur bei Swissair gibt…

Shirtwechsel auf offenem Feld und weiter auf der Zielgeraden. Xanten.

 

 

Wir schieben durch die Innenstadt. Eigentlich hat die Stadt im Kreis Wesel ca. 21.000 EinwohnerInnen, aber es ist Wochenende und es erinnert, bei den Menschenmassen, eher an den Rhein-Promenadenflohmarkt in Köln. Wieder mal haben wir Glück und finden am Ende der Altstadt einen kleinen gemütlichen Biergarten und können dem Trubel entgehen. Erstmal wieder zu Kräften kommen und ein “Drehmoment” trinken. Hört sich schlimm an ist aber tierisch lecker, ebenso das Landbier. Wenn ihr mal in Xanten seid, geht in den Mühlengarten. Top Essen. Top Bier. Top Lage.

Mühlengarten in Xanten

 

Camping oder doch Hotel?

Zum Schlafen gibt es einen Campingplatz ca. 5km entfernt von Xanten, hier sollte eigentlich unser Basislager für die nächsten beiden Tage stehen. Mit dem Planen ist es aber so eine Sache. Aufgrund einer kleinen Geburtstagsfeier und großer Wiedersehensfreude mit dem Rest der Familie haben wir dann doch in einem Hotel eingecheckt. Nicht rabaukig aber zentral. Das ist aber eine andere Geschichte…

 

Fazit einer klasse Wochenendtour

Eine schöne Strecke und an einem Wochenende gut machbar. Am besten man fährt Freitagmittag los, mit einem Zwischenstopp in Meerbusch. Den Samstag hat man dann in Xanten und Sonntag kann es bequem mit der Bahn zurückgehen. Entweder direkt aus Xanten oder man fährt noch ca. 50 km nach Duisburg. Die Gesamtlänge der Strecke ist somit 140 km bzw. 190 km, wenn ihr am Sonntag noch fahren wollt. Probiert es einfach mal aus.

 

Impressionen

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Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland – Teil 2

Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland Hier geht es zum ersten Teil der KLP. Was ist die Kulturelle Landpartie? Dafür schaut am Besten auf der KLP Seite. Für…

Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland

Hier geht es zum ersten Teil der KLP.

Was ist die Kulturelle Landpartie? Dafür schaut am Besten auf der KLP Seite. Für uns persönlich waren es vier superspannende Tage mit eindrucksvollen Momenten, tollen Begegnungen und anregenden Gesprächen. Und auch Rad fahren kann man zwischen dem Drawehn-Höhenzug, der Lüneburger Heide und der Elbe vom feinsten.

Tag 3 der Kulturellen Landpartie im Wendland ca. 67 km

Kein Frühstück und Hunger im Wald

Clever wie wir sind haben wir nichts eingekauft. D.h. kein Wasser, kein Brot sprich kein Frühstück. Blutige KLP-Anfänger eben. Unsere Verplanungskünste haben wir ja weiter oben bereits erwähnt. Wo und wie wir genau schlafen, konnten wir uns bei der Planung auch noch den ersten Tagen noch nicht wirklich vorstellen. Einen Apfel haben wir aber noch in der Tasche. Zum Glück gibt es gute Freunde, die einen Apfel als Tauschware akzeptieren (oder Mitleid haben) und so bekommen wir ein wahres Festmahl mitten im Wald bei Sonnenschein. Ein dickes Danke an dieser Stelle an Jörg und Laura!

Stille im Wald und ein Camp voller entspannter Leute

Es ist still im Wald, als wir um den Tisch sitzen, auch der Rest der Festivalmenschen steht langsam auf, frühstück oder liegt einfach nur in Hängematten. Jeder für sich, nur die Geräusche des Waldes im Hintergrund und doch hat man das Gefühl einer Gemeinschaft anzugehören, die für etwas wichtiges friedlich kämpft. Der Platz ist einfach zu schön und somit kommen wir erst gegen 13 Uhr wieder aufs Rad. Eine Fahrradkette muss noch fix geölt werden und siehe da es läuft viel besser – somit steht dieser kleine Helfer jetzt auch hier. 

Ein Stück Elberadweg liegt vor uns

Wir sind schon relativ weit nord-östlich, d.h. an der Elbe und so wollen wir zumindest kurz auf dem Elberadweg fahren mit frisch geölter Kette laufen die Kilometer, trotz Gegenwind, fast wie von selbst.
Das Publikum wechselt in Richtung grau und mit Motor und es sind an diesem sonnigen Wochenende viele Fahrräder an der Elbe unterwegs. Elbe alles schön und gut aber wir wollen zurück nach unserem Bullerbü. 

Nächste Stop Hitzacker an der Elbe

Der Ort entpuppt sich als schönes Touristädtchen, hier mischen sich Elberadwegradler mit Stadttouristen und Menschen von der Kulturellen Landpartie. Komisch, aber irgendwie ganz anders als die anderen Wunderpunkte auf dem Land. Hitzacker fällt definitiv aus dem Rahmen. Am Wunderpunkt “Chor” gibt es Kuchen, Linsen, Bio-Bier und Chorgesang. Irgendwie nicht ganz unsere Welt, mal von der Verpflegung abgesehen.

Die Sonne bremst und macht träge

Auch wenn es in der Sonne schön ist, wollen wir noch nach Meuchefitz. Meuchefitz soll ein Highlight der KLP sein. Ein wirklich großer Nachteil an der KLP ist, dass es überall sehr schön ist, etwas zu essen und zu gucken gibt. All das erschwert jedes Mal das eigentliche Weiterkommen, ist es aber dennoch wert.  

Ob er wirklich gezaubert hat, können wir gar nicht sagen, cool war es trotzdem

Zack –  nächster Zwischenstopp bei Magic Seth in Küsten, eine Mischung aus Captain Jack Sparrow, Irischen Barkeeper, Lebenskünster und Marktschreier. Sympathischer Lebenskünstler und ein weiterer Pluspunkt für den Wunderpunkt ist, dass das Bier nur 1,50 € kostet. Quasi ohne Großstadtzuschlag.

Apropos Großstadt

Auf dem Weg nach Meuchefitz treffen wir einen Menschen, der hier lebt und der uns die Frage nach der Einwohnerzahl des Ortes nicht so ganz beantworten kann. Irgendwas zwischen 30-50. Je nachdem wie viele Menschen so in dem Gasthof leben und in der Haus-WG im Ort, meint er. Das würde sich immer mal wieder ändern… Ai wo fahren wir da nur hin? Weiterstrampeln – Bums – es ist Festivalzeit. Viel größer als gedacht und eine Menge Leute! Das kleine Dorf wandelt sich so zu einer kleinen Stadt aus Zelten, Bullies  und einem sehr bunten (mit Tendenz zu schwarzen Klamotten) Publikum.

Kurz durchatmen und ankommen – Schrebbelpunk rund um einen alten Gasthof

Die Kälte vom letzten Tag hat sich verflüchtigt und es knallt die Sonne von oben und der blaue Himmel macht Lust auf mehr Musik und schräg-sympathische Typen. Wir suchen uns einen freien Stellplatz auf der Wiese und bauen fix unser Zelt auf und dann ab zum Gasthof. Es gibt Pommes in Knoblauch-Öl frittiert (meeeega lecker) ein DYI Kino abgehangen mit Bettlaken, eine Open Air-Bühne und eine kleine Werkstatt, in der sich gefühlt zu viele Leute plus Band tummeln.

Exkurs Gasthof Meuchefitz

Der Gasthof hat eine interessante Geschichte, und mindestens einen Absatz hier verdient. 1980 wurde der Gasthof nach der Räumung eines Bohrplatzes zum Treffpunkt des Widerstandes gegen das Atomprojekt Gorleben. 1984 ist der Gasthof, welcher bis heute Treffpunkt für kritische und Widerstandsgruppen bietet komplett abgebrannt und über zwei Jahre neu aufgebaut worden. Seitdem bietet er Raum für ein selbstbestimmtes, kreativeres und menschlicheres Leben. Das sind nicht unsere Worte, aber besser kann man es wohl nicht ausdrücken. Dabei versteht sich der Gasthof nicht als Insel des Widerstands und möchte einen kontinuierlichen Austausch und Disskurs mit Leuten aus der Stadt wie auf dem Land ermöglichen. Ohne das Land kann auch die Stadt nicht, das wir Kinder- und Jugendgruppen im Landurlaub wieder nähergebracht. 

Ein tolles Projekt und einen Besuch wert, wie wir finden. Nicht nur um die Natur zu erleben und die Leute vor Ort zu verstehen, sondern auch einfach um ein Bier bei einem leckeren Essen zu genießen. Denn es wird nicht nur die Welt verändert, sondern auch super gekocht!

Die Luft ist eine Mischung aus Bier, warmer Luft und dem damit einhergehenden Schweiß

Muss man mögen, gehört aber irgendwie auch dazu. Wir lassen uns über das Gelände treiben, treffen alte Bekannte vom Vortag und lassen den Tag bei Punk und Pils gemütlich ausklingen. Gegen Mitternacht zwinkt uns die Klamottenwahl, vornehmlich die kurze Hose zum Abbrechen des Abends. Blauer Himmel heißt nämlich auch sternenklare Nacht und damit auch im Mai noch saukalt!

Man wird klüger und aus Fehlern lernt man? Nein danke!

Ach ja einkaufen und aus Fehlern soll man lernen – haben wir beides nicht gemacht und so füllen wir Wasser in leere Bierflaschen, um zumindest die Zähne zu putzen und morgens einen Kaffee zu trinken. Vor 15 Jahren hätten wir uns wahrscheinlich gefeiert, jetzt ist es eher die Notlösung und etwas unangenehm sich mit “Bier” die Zähne zu putzen. Trotzdem fällt man hier damit nicht auf.

“Was siehst du? Fünf Sterne” oder auch mehr – es ist sternenklar

Die Nacht ist sternenklar und wir sind begeistert von dem Anblick des Himmels über uns. Ein Hamburger Jung, der sich irgendwie zu uns ins Vorzelt verirrt hat, ist ebenfalls sprachlos. Alle die eher ländlich wohnen fragen sich jetzt sicher warum, aber guckt mal nachts in einer Stadt in den Himmel. Sterne gibt es da nicht. Trotz Firmament sind wir hundemüde und der Punkrock im Hintergrund wiegt uns sanft in den Schlaf.

Gute Nacht Meuchefitz und Rock on!

Letzter Tag der Kulturellen Landpartie im Wendland ca. 63 km

Wir wachen etwas traurig auf und das, obwohl die Sonne über der Wiese lacht, aber schon ist der letzte Tag unserer Reise. Es geht zwar noch nicht zurück, aber komisch ist es schon. Genug der Weinerlichkeit einen großen Schluck Wasser aus der Bierpulle – Zähne putzen und den Unmut zusammen mit dem Geschmack der letzten Tage ausspucken.

Der letzte Tag beginnt am Hippiebuffet…

Wir haben noch einen ganzen Tag! Das ist die Einstellung, die wir brauchen, der Kaffee hilft dabei. Durch die kalte Nacht hat sich etwas Kondensat am Zelt niedergelassen, sodass wir noch warten müssen, bis wir endlich zum “All you can Bio-Veggie”-Frühstücksbuffet im Nachbarort kommen. Warten, irgendwie ist das nichts für uns. Der Magen knurrt wie Sau und so verschwindet das Zelt endlich wieder in den Satteltaschen. Der Rosenhof, schon wieder so’n Idyll und ziemlich ruhig im Gegensatz zu Meuchefitz. Vielfalt ist auch ein Markenzeichen der KLP, es ist für viele Geschmäcker was dabei, irgendwo zwischen Chortag in der evangelischen Kirchengemeinde, Punk-Fest und Rosenhof. Das Frühstück ist superlecker zubereitet und arrangiert, wenn auch nicht für einen so hippiemäßigen Preis von 12€/p.P..

…inklusive Platz in der Sonne

Für das Geld gibt es einen Tisch in der Sonne inklusive. Perfekt. Nach dem üppigen Frühstück und einige Kaffee später gucken wir uns noch die verschiedenen Ausstellungen auf dem Hof an und machen uns
schließlich auf zur Mützingenta – der “abtrünnige” Ort und KLP-Aussteiger, wie uns zuvor zugeflüstert wurde. Mützingen macht seit einigen Jahren einfach sein eigenes Dingen zur gleichen Zeit und taucht somit auch nicht im Programmheft auf. Hin wollen wir trotzdem, ist nämlich ein Tipp und soll ebenfalls ein Highlight sein.

“Wir bauen uns ein Waldbad” und wünschen uns ein Grundeinkommen

Auf dem Weg befindet sich noch der Wunderpunkt mit dem schönen Namen “Wir bauen uns ein Waldbad”. Nach zwei Tagen ohne Dusche und bei erneuten Bombenwetter, zieht es uns wie von selbst in Richtung Waldbad. So müssen sich Insekten bei Licht fühlen. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil “Wir bauen uns ein Waldschwimmbad” heißt, das Dingen ist noch nicht fertig und baden können wir somit nicht. Als Kompensation gibt es ein Spiel und eine anregende Diskussion zum Thema “Grundeinkommen”.

Was würde ich tun, wenn ich ein Grundeinkommen bekäme…?

Interessante Frage, unter verschiedenen Aspekten zu beleuchten und gar nicht so einfach zu beantworten. Somit sprechen wir mit dem Organisator vor Ort eine ganze Weile, bevor es weiter geht. Unsere Wasserflaschen dürfen wir kostenfrei auffüllen, was eigentlich überall locker möglich ist. Doch Fragen hilft und ist auch freundlicher als sich wie selbstverständlich Wasser abzuzapfen. Gar nicht rabaukig, bringt aber immer das ein oder andere interessante Gespräch mit sich.

Hof zu Verkaufen

Mit der Aussicht wenigstens nicht zu verdursten fahren wir weiter. “Hof zu verkaufen” – das ist unser Stichwort, denn weg wollen wir eigentlich nicht mehr. Auf dem Hof gibt es die “Fahrradscheune” hier finden sich dutzende von alten Fahrrädern bis hin zu Modellen von 1900, erschwinglich und weniger erschwinglich. Zumindest nicht für unseren Geldbeutel. Wir dürfen alles besichtigen und stolpern auf einem alten Dachboden rum, während die Eigentümer bei Kaffee und Kuchen in der Sonne zusammensitzen. Wir klemmen noch schnell Werbung auf einige der Gepäckträger – vielleicht meldet sich ja wer.

Mützingenta – ein KLP Aussteiger

Auf der Mützingenta bewegen sich viele Familien, wie eigentlich überall auf der KLP.
Der Unterscheid ist eigentlich nur, dass sich auf einer Wiese alles bündelt, sprich Essbuden, Handwerker, Musik, noch mehr Buden. Es beschleicht uns der Gedanke, dass das Ganze so’n bißchen wie ein alternativer Jahrmarkt ist, quasi Hippiekommerz und gleichzeitig superentspannt und interessant.

Wir setzten uns wie alle anderen auf die Wiese, lassen den lieben Gott einen guten Menschen sein, trinken das letzte Wendlandbräu und beobachten das bunte Treiben der unterschiedlichsten Menschen. Zum Schluss gibt es noch eine leckere Falafeltasche auf die Hand und mit vielen Fragen und neuen Gedanken im Kopf verlassen wir etwas traurig das Wendland.

Zu viele neue Eindrücke – wir sind überwältigt

Die letzten 30 km fahren wir erst einmal schweigend nebeneinander her, so gewaltig sind die Eindrücke und verschieden Gespräche, die wir mit Leuten vor Ort geführt haben. Hier bildet sich ein ganz anders Leben ab, mit anderen Werten bzw. mit anderen zentralen Punkten im Leben. Diese Frage wird uns wahrscheinlich noch etwas beschäftigen.

Unser persönlicher Wunderpunkt – Dusche und Bett

In Uelzen endet die Tour schließlich an unseren persönlichen Wunderpunkt mit einer warmen Dusche und Seife. Gebucht haben wir ein neu eröffnetes Ökohotel, nicht bewusst, aber jetzt als Abschluss super.
Die Einrichtung ist aus unbehandeltem Holz. Wasser gibt es umsonst und einen Kühlschrank mit kalten Bio-Getränken mit und ohne Alkohol. Zufrieden sinken wir auf zwei Hocker vor dem Hotel.

Prost! Auf eine viel zu geile und kurze Zeit.

Wir müssen wiederkommen. #KLP 2019

 

Impressionen

2 Kommentare zu Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland – Teil 2

Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland – Teil 1

Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland Was ist die Kulturelle Landpartie? Dafür schaut am Besten auf der KLP Seite. Für uns persönlich waren es vier superspannende Tage mit…

Kulturelle Landpartie – KLP 2018 im schönen Wendland

Was ist die Kulturelle Landpartie? Dafür schaut am Besten auf der KLP Seite. Für uns persönlich waren es vier superspannende Tage mit eindrucksvollen Momenten, tollen Begegnungen und anregenden Gesprächen. Und auch Rad fahren kann man zwischen dem Drawehn-Höhenzug, der Lüneburger Heide und der Elbe vom feinsten.

Tag 1 der Kulturellen Landpartie im Wendland ca. 55km

0700 das ist die Uhrzeit, an der es dieses Mal in die Bahn geht. Alles läuft schon etwas routinierter ab, anscheinend haben wir schon einige Erfahrungswerte an der Ruhr oder auf der deutschen Weinstraße gesammelt.

Also ab zur Radstation am Hbf, aufsatteln  und ab gehts Richtung Wendland, zur Kulturellen Landpartie. Wie auf jeder unserer Touren wird im Zug lecker gefrühstückt, damit nur einer von uns den extra Stress morgens hat, wechseln wir uns damit immer ab. Beim Schmieren stellte sich noch die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Remoulade, vor allem um 5 Uhr morgens. Wenn man dann aber die Remu-Stulle in der Hand hat, ist die Freude groß wie bei kleinen Kindern, wenn Mutti die Picknickdose im Zoo aufmacht. Ein Tag, der so beginnt kann eigentlich nur gut werden. Dieses Mal ist die Bahnfahrt ein wenig länger und wir schieben unsere Räder erst gegen halb 12 aus dem Hundertwasserbahnhof in Uelzen. Endlich kann es so richtig losgehen!

Tourenplanung a la Fahrradrabauken – Lessons not learned oder so ähnlich

Ausgefeilte und bis ins Detail geplante Touren sind eines unser Markenzeichen. Nicht. Das zeigt sich dann immer wieder darin, dass wir auf den ersten Metern nicht wirklich wissen, wo es hingeht und was wir eigentlich genau vorhaben. Es gibt vonseiten der Kulturellen Landpartie den Service, sich das wirklich super Programmheft im Vorfeld schicken zu lassen, aber das wäre zu einfach und auch mit Rückporto verbunden gewesen. Und außerdem, warum auch vorher schon mal reingucken wenn man sich das Teil in einem lokalen Buchladen hinterlegen lassen kann. Weitere Planung also direkt vor Ort. Ist eh besser, weil man dabei nämlich guten alten Traditionen frönen kann. Die erste Mission steht damit fest: Den KLP-Reisebegleiter in der Buchhandlung abholen und in den nächstbesten Biergarten um einen Plan zu schmieden.

Eine “richtige” Karte haben wir nicht, nur diese: 

Ein weiterer “Fehler” in der Planung ist ein Urvertrauen auf LTE und Handyempfang. Notiz am Rande: Gibt es (zum Glück) noch nicht überall bzw. nicht durchgehend. Das Handy bleibt in der Tasche und wir fahren einfach mal los. Richtung Klein Grabenstedt. Das Gute am Programmheft ist, das Zeltmöglichkeiten direkt unter den Veranstaltungs-/Ausstellungsorten vermerkt sind.

Essen aus dem Supermarkt – Das Camping und die KLP kann starten

Unterwegs decken wir uns an einem kleinen Supermarkt mit Eiern, Brot, Nudeln, Oliven und ‘ner Pulle Rotwein ein. Das was man an Campingkochausrüstung für ein selbstgemachtes Abendessen und Frühstück mit Kaffee braucht haben wir mit in den Radtasche. Nicht alle Wunderpunkte (so heißen die Veranstaltungs- und Ausstellungspunkte) bieten nach 18 Uhr noch Verpflegung an. Schnell merken wir, dass die Straßen teils noch alte Kopfsteinpflasterstraßen sind, und dass unsere Idee mit den Eiern eher semi gut war. Also gaaanz vorsichtig fahren, Eier vs. grobes Kopfsteinpflaster, und die Frage ob es am nächsten Morgen tatsächlich lecker Omelette gibt.

Idyllischer Hof und eine Dusche in der Schreinerei

Immer noch äußerst vorsichtig fahrend – Rührei in der Tasche war nicht unser Plan – nähern wir uns unserem ersten Zielort. 3 aus 4, keine schlechte Eier-Quote bei dem widrigen Straßenbelag und das Frühstück am nächsten Morgen ist gerettet. Nach ca. 55 km kommen wir an einem idyllischen Hofgebäude an. Vor den alten Stallanlagen sitzen entspannt noch eine Handvoll Leute zusammen und lassen den Tag gemütlich bei Wein und Bier ausklingen. So haben wir uns das vorgestellt!

Schreinerei, Hutmacherin und Töpferei

Unser Gastgeber für heute Nacht ist Christian und ebenso entspannt wie seine Gäste am Tisch. Christian betreibt auf dem Hof eine Schreinerei mit 15 Mitarbeiter*innen und in den alten Stallanlagen haben sich Hutmacherin und Töpfermeister für die KLP einquartiert, die jetzt ebenfalls gut gelaunt am Tisch sitzen.

Pro Person bezahlen wir ‘n 5er und können dafür auch die Toilette und Dusche in der Schreinerei nutzen. Ein Luxus, den wir in den nächsten Tagen vermissen werden. Wären wir nicht über den Heideradweg gefahren, hätten wir mit 35 km nicht ganz solange gebraucht, aber was Solls. Zelt aufbauen, eine gerade Unterlage suchen, Nudeln in den Topf, Wein entschraubt und mit Blechtassen auf den ersten Tag im Wendland anstoßen.

So viel Grün und die Vorfreude auf eine geile Zeit

Mega! So viel Grün haben wir schon lange nicht mehr gesehen und schütten vor lauter Freude oder Unachtsamkeit die Hälfte der Nudeln auf die Wiese. Hier greift keine 3-Sekunden-Regel, is’ aber alles Natur also wieder rauf auf den Teller. Käse und Oliven drüber und fertig ist das 5 Sterne Campingmenü.

Exkurs: Rundlingsdörfer

Direkt am ersten Tag ist uns aufgefallen, dass viele Ortschaften im Wendland nicht nur recht klein, sondern auch ähnlich aufgebaut sind. 30, 50, 60, manchmal vielleicht auch 100 Bewohner*innen. Nagelt uns nicht drauf fest, vielleicht hier und da auch einige Menschen mehr. Für uns aber doch klein, das Sauerland ist dagegen stark urbanisiert und das Münsterland quasi Metropolregion. Wie dem auch sei. Jedenfalls gibt es im Wendland eine Siedlungsform, der man immer wieder begegnet, den sogenannten Rundlingen. Die Verbreitung dieses Siedlungstyps beschränkt sich auf einen Streifen zwischen Ostsee und Erzgebirge. Viele sehr gut erhaltene und restaurierte Rundlinge findet man im Wendland. Typisch ist, das Rundlingsdörfer aus einer Aneinanderreihung von Hofanlagen (so 3-10) bestehen, welche sich rund bzw. halbrund um einen zentralen Dorfplatz ansammeln. Es gibt dann für gewöhnlich nur einen Zugang. Sieht so ein bisschen wie ‘ne birnenförmige Wagenburg mit einer Lücke aus. Warum so gesiedelt wurde – Wehrgründe, Kultplatz, effizientere Landwirtschaft – ist nicht ganz geklärt. Heute gibt es scheinbar noch ca. 100 sehr gut erhaltene Rundlingsdörfer. Seit 1969 engagiert sich ein lokaler Verein für den Erhalt der Rundlinge (http://www.rundlingsverein.de/). Sehenswert.

Tag 2 der Kulturellen Landpartie im Wendland ca. 55 km

So schön, wie die Auftakt war, so grau ist es, als wir morgens die Reißverschlüsse vom Vorzelt öffnen. Es nieselt nasse Bindfäden und kein heller Fleck zeichnet ich am Horizont ab. Zum Glück haben wir unser Lager neben den Holzstapeln der Schreinerei aufgebaut.

Wo ist die Sonne? Wir frühstücken lieber unter einem Abdach

Das Holz ist überdacht und hat noch etwas Platz für zwei Personen mit Gasbrenner. Ei braten und ab damit ins Brötchen (Omelette geht auch ohne Öl) dazu noch einen Kaffee in die Hand und die Stimmung steigt trotz Regen. Zur Krönung wird tatsächlich die heiße Dusche, denn die Nacht war nicht wirklich warm. Wir sehen verdutzte Gesichter in der Schreinerei – die KLP scheint an einigen Gesellen vorbei gegangen zu sein.

Der Regen hört endlich auf und wir packen zusammen. Aber wir fahren nicht, ohne noch einmal im Betrieb über den Hof zu schlendern und die Hutmacherin und den Töpfermeister einen Besuch abzustatten. Landidylle vom feinsten.

Freunde, Bullis und ein Parkplatz voller Oldtimer

Ganz ohne moderne Kommunikationsmittel geht es dann doch nicht, als wir uns mit Freunden im 10 km entfernen Kussebode verabreden. Die Beiden inklusive neuem Familienzuwachs, sind mit ihrem alten T3 Bulli unterwegs und stehen auf einem Parkplatz an einem anderen Wunderpunkt. Campen scheint hier wirklich kein Problem zu sein. Der T3 Bulli ist fast schon zu modern, im Kontrast zu den viel älteren Modellen auf dem Gelände. 

Weiterfahren wollen wir nicht sofort, sondern wir lassen uns erst einmal nieder und essen eine Portion Linseneintopf, trinken ein bis vier Wendlandbräu aus der lokalen Brauerei (https://www.storchenbier.de/) und lassen uns von KLP-Veteranen die Landpartie erklären. So schön es hier auch schon wieder ist, wir wollen noch nach Gorleben zur Widerstandspartie. Die angekündigten 22 Grad lassen zudem auf sich warten und so müssen wir uns erst mal wieder Warmstrampeln. Unsere Nachtlagerscouts fahren schon mal vor uns sichern uns einen tollen Platz mitten im Wald nahe des Atommülllager Gorleben. Was dem Städter sein SUV, scheint hier der Bulli zu sein, nur irgendwie weitaus sympathischer und auch sehr viel praktischer.

In Gorleben steppt der Bär – gegen das “Endlager”

Die Widerstandspartie am Atommülllager nahe Gorleben ist ein großes buntes Fest mit Publikum aus allen Generationen. Schon der Weg zum Veranstaltungsgelände ist überwältigend. Autos, Radfahrer, Fussgänger alle machen sich auf den Weg, um friedlich miteinander zu feiern und zu demonstrieren. Hier fühlen wir uns richtig. Selbst die Bühne wird mit Solarstrom betrieben und liefert, auch noch ohne Sonne, acht weitere Stunden tanzbare Reggae- und Elektrobeats.

Willkommen auf der Widerstandspartie

Die Musik fliegt über das Gelände, über den Zaun auch in Richtung Polizei, die sich auf der anderen Seite in Stellung gebracht hat. Wir wollen wirklich nicht tauschen, sondern lieber noch ein paar Wendlandbier trinken und tanzen. Definitiv haben wir die bessere Zeit, auch wenn es schon bedrückend ist, vor einem Atommülllager zu stehen.

Endlager und leckeres Essen aus dem Steinofen

Irgendwie politisiert der Ort und wir driften, nicht der mittlerweile späten Stunde geschuldet, in politische Diskussionen ab. Auf jeder Betriebsfeier eher zu vermeiden, aber hier angebracht. Greenpeace hat sich dauerhaft mit dem alten Schiff “Beluga” positioniert und bietet nach etwas Kletterei einen tollen Blick auf die Hauptbühne. Wir gönnen uns leckere Pizza aus dem Steinofen, schrebbeligen Punkrock aus dem Lieferwagen und kühles Bier aus dem Becher. Hervorragend. 

Punk, Elektro und Reggae

Auch wer es eher elektronisch mag, kommt bis tief in die Morgenstunden voll auf die Kosten. Für uns jedoch geht die Party ein bißchen eher zu Ende und wir laufen erschöpft und überwältigt von den Eindrücken des Tages Richtung Wald. An unserem Lager angekommen sitzen wir noch eine Weile glücklich und zufrieden vor dem Zelt, bevor uns später die Musik im Hintergrund mit einem breiten Grinsen in den Schlaf trägt. 

Das ist das Ende von Teil 1 unserer KLP Geschichten

Der zweite Teil der KLP ist jetzt auch am Start. folgt vielleicht sogar umgehend. Könnte aber auch noch einige Tage dauern. Wir geben Gas, aber das Wetter treibt uns eher nach draußen als vor den Rechner. Wir bitten um rabaukige Nachsicht.

Impressionen

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Kraut- und Rübenradweg

Der Kraut- und Rübenradweg – perfekt als Anschluss an die Weinstraße      [zurück zur Weinstraße] 3 Tag – Yeah es wird flach und wir freuen uns auf den Kraut-…

Der Kraut- und Rübenradweg – perfekt als Anschluss an die Weinstraße

 
 

3 Tag – Yeah es wird flach und wir freuen uns auf den Kraut- und Rübenradweg

Leicht verkatert und mit etwas Kopfschmerzen machen wir die Augen auf. Die Welt flackert vor den Augen. Ein Blick aus dem Fenster offenbart, das sich das Wetter unserem inneren Gefühl angepasst hat und sich Schweigen noch einmal von seiner regnerischen Seite zeigt. Oh man der Kopf – Waren wir gestern wirklich noch auf dem Weintor? Es scheint fast so… show

4 Tag – Und vorbei ist schon wieder der ganze Spaß

Aufstehen die Sonne lacht, ein schöner Tag. Regen, Kater und Müdigkeit sind verflogen und wir steigen bei einem Superwetter auf die Kisten, um die letzten Kilometer runterzutreten. Nach leichten Orientierungsschwierigkeiten finden wir den Weg zurück auf den Radweg und können durchstarten. Angedacht sind heute nur ca. 30- 40 km. Locker weg und dann mit dem Zug zurück nach Köln. Der Gedanke nicht so viele Kilometer vor der Brust zu haben wirkt zusätzlich sehr belebend.  show

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Weinstraße

Die deutsche Weinstraße – Eine Fahrradtour 1 Tag – Alter, viel zu früh/es ist mitten in der Nacht Worms-Diedersfeld 60km. Eigentlich sind wir uns in fast allen Dingen einig, aber…

Die deutsche Weinstraße – Eine Fahrradtour

1 Tag – Alter, viel zu früh/es ist mitten in der Nacht

Worms-Diedersfeld 60km. Eigentlich sind wir uns in fast allen Dingen einig, aber wenn es darum geht, wann wir losfahren vertreten wir zwei gegensätzliche Standpunkte: 1. Morgenstund’ hat Gold in Mund – oder besser gesagt: früh los, weil endlich Urlaub… yeah! 2. Morgens bin ich immer müde – oder grummel grummel lass uns später los, ich hasse die Welt. Rabauke eins gewinnt und wir brechen mitten in der Nacht bzw. an einem wunderschönen Morgen in Richtung Hbf Köln auf.  show

 

2 Tag – Noch mehr Weinberge

Diedersfeld Schweigen 60 km mehr geht nicht. Wir starten zuversichtlich in den Tag – noch ein paar km dann fahren wir wieder auf dem platten Land. So ist zumindest der Plan für heute. Die Weinstraße wollen wir hinter uns lassen und endlich zum gemütlichen Teil übergehen. Das Auf und Ab schlaucht doch sehr, sodass die Beine schon etwas brennen. Mit “Sack und Pack” durch die Weinberge ist doch etwas zu heftig. Nächstes Mal wollen wir unser Gepäck an die Tour anpassen. Einer Packliste mit dem Nötigsten findet ihr HIER. show

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RuhrtalRadweg

Bikepacking und Camping – Unterwegs auf dem Ruhrtalradweg     Tag 1 – Anreise Winterberg – RuhrtalRadweg 0 Km Der Wecker klingelt um halb 6 Uhr morgens und die Hand…

Bikepacking und Camping – Unterwegs auf dem Ruhrtalradweg

 

 

Tag 1 – Anreise Winterberg – RuhrtalRadweg 0 Km

Der Wecker klingelt um halb 6 Uhr morgens und die Hand möchte diesen nervigen Gegenstand am Liebsten durch das noch dunkle Zimmer werfen – doch als der Kopf endlich mitbekommt, dass es zwar früh ist aber nicht die Arbeit ruft, sondern ein Wochenende auf dem Rad und dem RuhrtalRadweg geht es doch ganz schnell. Aufstehen -duschen – Taschen mit Klamotten auf das Rad und ab zum Kölner Hbf.    show

 

Tag 2 – Wir wussten gar nicht, dass Dortmund so grün ist

Nicht nur eine Dusche ist der Knaller, sondern auch ein richtiges Frühstück. Wir schlagen uns die Bäuche voll, als wenn wir nie wieder etwas zu essen bekommen würden, und dürfen uns sogar noch Brötchen mitnehmen. Top! Und schon geht es wieder los. Wir haben von einer kleinen Hofkäserei gehört, die wir uns unbedingt angucken wollen.    show

 

Tag 3 – Bei Regen aufstehen und wieder los – Ruhrtalradweg 

Tropf tropf tropf – irgendwas stimmt hier nicht. Ach ja wir sind unterwegs und es tropft nicht in die Wohnung, sondern ins Zelt. Zum Glück nur ganz leicht, aber es tropft. Die Wiese vor dem Zelt ist übernacht aufgeweicht und durch den anhaltenden Regen wird es auch nicht besser. Egal mit Matschfüße bewegen wir uns in Richtung Sanitäranlagen.   show

 

Tag 4 – Zieleinfahrt an der Duisburger Orange

Aufstehen, duschen, Sachen packen – jetzt schon fast Routine und die Gewissheit, dass man auf jeden Fall nicht so viel Kram für unterwegs braucht. Ein guter Indikator ist hierfür, dass alles, was man nicht braucht, langsam weiter nach unten in die Taschen wandert. Vielleicht sollte man sich mal aufschreiben, was man wirklich braucht und was zuhause bleiben kann – taufrische Erkenntnisse findet Ihr HIER.

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