Nordseeküstenradweg

*Anders als der GPS-Verlauf der oben dargestellten Karte, sind wir den Nordseeküstenradweg, wo immer es ging an der Küste entlanggefahren. Da wir uns nicht selber tracken, können wir leider nur diese Darstellung anbieten. Die gefahrenen Alternativrouten gibt es in der Druckfassung von Bikeline (Esterbauer Verlag).

Der Nordseeküstenradweg – Sommer, Sonne und mit dem Zelt ab aufs Rad

Die großen Ferien! Wir radeln in den wohlverdienten Sommerurlaub und wollen uns an der Nordseeküste austoben. Vor uns liegen knapp 550 km Nordseeküstenradweg, Nordseewind, Deiche und unzählige Schafe.

 

Film ab – Der Nordseeküstenradweg

Dieses Mal radeln wir in anderer Besetzung, was nicht heißt, dass es weniger rabaukig wird.

Schon bei der Buchung, zwei Wochen im Voraus fällt uns auf, dass die Bahn von Köln in Richtung Norden heiß begehrt ist. Die gewünschte Bahn lässt uns noch mitfahren, aber nicht unsere Räder. Eigentlich wollten wir ausschlafen, aber die Bahn will dies mal wieder nicht. So ist immer noch alles beim Alten und es geht früh zum Kölner Hauptbahnhof. In den Tagen zuvor haben wir unsere kleine Wohnung in Köln mit diversen Campingutensilien vollgestellt, damit wir ja nichts vergessen. Unsere kleine Packliste für den Campingurlaub war uns tatsächlich eine Hilfe. Der Plan ist einfach: Bahnticket kaufen – mit den Rädern in die Bahn – voller Vorfreude aus dem Fenster gucken und in Leer starten, um nach Hamburg zu strampeln. 

Bestes Wetter, was kann da noch schief gehen

Das Wetter in den letzten Tagen war einfach großartig und so freuen wir uns auf einen kostengünstigen Urlaub im Zelt mit Campingkocher und leckerem Essen, bei dem jede Fischbude einpacken kann.

15 Tage Freiheit und Radeln auf dem Nordseeküstenradweg

Wir haben 15 Tage für den Nordseeküstenradweg eingeplant, alle Rennradfahrer werden sich jetzt wahrscheinlich die Hände über der Radlermütze zusammenschlagen, aber ums “Streckemachen” geht es immer noch nicht. Geplant sind ca. 50 km am Tag, mal mehr mal weniger und wenn es uns irgendwo gefällt, fahren wir auch einfach nicht weiter, sondern bleiben. Ride fast – Live slow. 

Leer – Bahnhof

Das Schöne ist, man ist noch nicht gefahren und es liegt eine endlose lange frei gestaltbare Zeitspanne vor einem. Man weiß nicht wo man abends landet, welche Leute man trifft, ob die Klamotten noch trocken sind, wo man etwas zu essen auftreiben kann. Alles was man braucht ist am und auf dem Fahrrad. Freiheit ist irgendwie doch einfach zu finden. Nicht weit weg und irgendwie doch. 

Marteria – fährt der wohl noch mit der Bahn?

Die Klamotten bleiben an diesem Tag auf jeden Fall trocken, denn Leer empfängt uns bei strahlendem Sonnenschein. Kurze Pinkelpause. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob Marteria mit dem Zug fährt, aber vielleicht war er das doch am Bahnhof? “Lieber mit dem Fahrrad zum Strand, als mit dem Auto zur Arbeit”, ob er es war oder nicht, zumindest wissen wir wieder, wie gut wir es gerade haben. Leer ist an sich schon eine Reise wert und wir werden uns noch schmerzlich an diese schöne Stadt zurück erinnern, aber wir sind nunmal keine Städtetouris und lassen Leer hinter uns. 

Bingum, Jemgum, Midum, Citzum, Hatzum und Ditzum

Es geht über die wirklich beindruckende J.-Berghaus (Klapp-)Brücke, durch Bingum, Jemgum, Midum, Citzum, Hatzum und Ditzum immer weiter Richtung Norden. Kein Schreibfehler – drei bis vier Buchstaben und ein “um”, fertig ist der Ortsname.

Hier ist noch kein Meer, sondern die Ems – schön, aber wer den Rhein vor der Tür hat will ans Meer und nicht an die Ems. In Ditzum machen wir die erste Pause und warten bei einem Kaltgetränk auf die Fähre (Achtung Trommelwirbel) nach Petkum. So, nun ist aber gut. Okay noch nicht ganz, Borssum… und dann Emden. Wieder so ein heißer Scheiß für Städtetourist*Innen und damit nicht für uns. Kurz den Mund aufmachen, staunen, dann aber weiter. Es wird zusehens anstrengender, da der Wind von vorne kommt. Zur allgemeinen Motivation haben sich findige Marketingleute überlegt, Geschwindigkeitsanzeigen aufzustellen. Sie fahren 12 km/h, 11, 10, 8…leck mich Gegenwind, wir wollen ins Zelt. Nach ca. 55 km erreichen wir endlich den angepeilten Campingplatz in Kock. Wir stellen uns auf Hardcore-Deutschlandfans ein und wollen uns doch noch zum Fussball gucken dazu setzen. Schließlich ist ja WM. 

Gegen alle Campingplatzklischees

Es kommt immer anders als gedacht. Weit ab von allen Klischees, die zumindest wir zu Campingplätzen und Fussball im Kopf haben, sind alle sehr entspannt und zu unserem Erstaunen wenig dekoriert. Dem Fahrradrabauken ist Fussball eh egal, aber die Fahrradrabaukin muss es einfach sehen.

Hunger! Zum Glück bekommen wir noch eine Fritte und einen kleinen Salat und dazu ein kaltes Bier. Eine ganze Horde netter Leute gibt es gratis dazu. Urlaub, ach du wunderbare Zeit. 

Glücklich kriechen wir ins Zelt und zack, da ist der Norden und sein Wetter: Wind und Regen – jetzt erstmal egal… wenn es nicht so kalt wäre… trotzdem schlummern wir glücklich ein.

Das ist der Plan – Doch die Nordsee ist Klischee – unter 15 Grad

Der Plan sieht wie folgt aus: Kaffee und Frühstück vorm Zelt bei Sonne. Pure Urlaubsidylle eben. In Wirklichkeit packen wir das Zelt nass ein, weil es weitergehen muss. 

Die Temperaturen sacken auf unter 15 Grad ab und wollen auch die restliche Woche nicht wirklich wieder nach oben klettern. Andere liegen am Mittelmeer und uns knallt der Regen von der Seite ins Gesicht, das muss man einfach mit Humor sehen, sonst kann man sich auch pauschal in irgendeine Ferienanlage einquartieren. Unserer Meinung nach wäre das wesentlich schlimmer!

Das Gute am Norden ist: nach Regen kommt Sonnenschein, kommt Regen, kommt Sonnenschein… es wechselt sehr schnell. Das Frühstück holen wir in Greetsiel nach, auf richtigen Stühlen und unter einem Schirm. Schnell noch Nudeln im Supermarkt gekauft und weiter geht es im Regen, immer den Deich entlang. Vorbei am Pilsumer Leuchtturm (“Ottos Leuchtturm”), in der Nähe des wirklich schönen Greetsiel und immer weiter geradeaus. Deich links, unten Schafsmist, von vorne Wind und von oben Regen im On-Off Betrieb und trotzdem so schön. Neben uns fliegen, für eine ganze Zeit Schwalben. Ein bisschen wie die Delfine des Nordens (zuviel Pathos? Niemals!), leider ist ihr Flug ziemlich tief und es schüttet wieder von oben. Deshalb ziehen wir für diese Nacht in eine Pension. 

Norddeich – Naja geht so

Norddeich erschloss sich uns wie folgt: TK-Gemüse mit Sauce Hollandaise, Reibekuchen und Kroketten, echt nicht so schön, vor allem bei Regen. Trotzdem schieben sich einige Touristen durch die Stadt. Schräg. Wir kaufen Chips und Schokolade als Trostpflaster und ziehen uns müde aber happy zurück. 

Nananana Sonne!

Sorry Norddeich, wahrscheinlich wärst du schöner im Sonnenschein gewesen…vielleicht.

Ab jetzt gibt es jede Menge Orte mit Siel am Ende. Bensersiel – schön und viel schöner für eine Pause als Dorumersiel, aber Neuharlingersiel schlägt alles. Eine Strandbar mit Kitesurfschule bei Sonnenschein. Wir flippen fast aus und machen eine langgezogene Pause in der Sonne bei entspannter Mukke. Schuhe aus und Füße rein in den Sand. Es ist warm, die Möwen kreisen und klauen sich von Leuten Fritten und anderes Gebäck. Alles egal, wir sind am Stand. Zum Glück sind es nur noch 6 km bis zum Campingplatz, denn eigentlich will man hier gar nicht mehr weg. 

Am Ende des Tages sitzen wir dann aber doch vor unserem Zelt in Carolinensiel und machen uns endlich Nudeln mit Pesto. Man braucht nicht viel, um zufrieden zu sein. 

Kann man machen muss man aber nicht – Die Friesischen Inseln – Wangerooge

Ausflugstipp, wenn die Urlaubskasse prall gefüllt ist: Von Harlingersiel ca. 1,8 km oberhalb von Carolinensiel, kann man mit der Fähre nach Wangerooge übersetzen. 53€ pro Nase sind uns doch etwas zu viel und so fahren wir am nächsten Tag einfach weiter. 

E-Bikes und andere Fahrradrabauken

An diesem Tag haben wir uns eine Etappe von unfassbaren 16 km vorgenommen. Schillig, ist der Ort an dem wir zwei Nächte bleiben wollen. Aus Nostalgiegründen und weil hier der erste Sandstrand auf der Strecke ist. Früher, als Kind war ich öfters hier und jetzt, über zwei Jahrzehnte später, möchte ich mir den kleinen Ort nochmal anschauen. Zu den 16 km kommt auch noch Rückenwind, sodass wir viel zu flott unterwegs sind und tatsächlich angepöbelt werden, als wir ebenfalls nicht motorisierte Fahrräder überholen: “Und jetzt der Turbo oder wie?” Irgendwie sympathisch, da sich sonst wirklich nur E-Bikes den Deich entlang schieben. Über die Sinnhaftigkeit lässt sich hier sicher nicht streiten. 

(S)Chillig, es ist Jahre her als wir uns das letzte Mal gesehen haben

Gut, dass wir uns das Geld für Wangerooge gespart haben, Schillig ist sehr beliebt und bei dem Wetter ist leider immer noch nicht an Zelten zu denken. Für schlappe 150€ bleiben wir zwei Nächte in einem wirklich abgerockten Zimmer ohne Frühstück. Wir wollen ins Zelt. Zumindest ist es trocken. Schilling selbst hat nicht viel zu bieten, was uns ganz gelegen kommt. Die örtliche Pizzeria öffnet erst um 17 Uhr und somit vertreiben wir uns erstmal die Zeit in einer Seemannskneipe. Einige Biere später wechseln wir die Straßenseite und bestellen uns etwas zu Essen.

Es wird TK-Nachtisch serviert

Das Essen ist nicht schlecht, aber beim Nachtisch fallen wir vom Glauben ab. Serviert wird für 3,60€ ein aufgetautes Dessert einer bekannten Konditorei, die in der TK-Abteilung jedes Supermarktes zu finden ist. Kein Witz, mit voller Überzeugung wird der Plastikbecher auf einem Tablett serviert. Merken das Leute nicht? Dem Kellner ist es sichtlich unangenehm, als wir nachfragen. Mit einem gratis Grappa ist es dann aber auch egal. 

Schnell noch in den Nachbarort (Horumersiel), um Frühstück einzukaufen und zack versacken wir mit neuen Urlaubsbekanntschaften in der nächsten Strandbar. Nette Leute hat der Norden auf jeden Fall. Zum Glück müssen wir morgen nicht aufs Rad, denken wir uns, als wir nachts im Bett liegen. 

Tiefe Zufriedenheit und ein breites Grinsen 

Der nächste Morgen beginnt entsprechend langsam. Brötchen holen und es fühlt sich ein bisschen so an wie früher, als ich klein war. In der Schlange beim Bäcker stehen, mit ein paar Mark in der Tasche. Vor der Reise in die Vergangenheit, geht es noch kurz zum Meer. Stille und kein Mensch weit und breit. Der Kater ist wie weggeblasen und weicht einem breiten Grinsen und einer tiefen Zufriedenheit. 

Den Rest des Tages verbummeln wir einfach, nicht im Zimmer sondern draußen. Es ist windig, als wir durch das Watt laufen und die schwarzen Wolken kündigen auch nicht gerade die Sonne an. Alles egal. Wir freuen uns aber auch auf den nächsten Tag. Weiterfahren und weg hier. 

Wilhelmshaven – Einst der Stolz der kaiserlichen Marine, aber warum sind wir hier? Ach ja NoFx und Millencolin!

Warum Wilhelmshaven das nächste Ziel ist wissen wir auch nicht mehr so genau, als wir in einer trostlosen grauen Stadt stehen und uns fragen warum wir hier ein Hotel reserviert haben. Wenigstens gibt es einen Fahrradraum. Schnell etwas essen und ab ins Bett. Laaaaangweilig. Gegenüber ist doch eine Kneipe.

Das Kling Klang. Tatsächlich haben hier schon NoFX, Millencollin und andere Bands gespielt. Wenn ihr mal in Wilhelmshaven gestrandet seid, geht dahin! Echt. Wir kommen schnell mit anderen Leuten ins Gespräch und danach wissen wir auch warum es hier so ist, wie es ist. Kurzer Abriss: WHV hatte früher 120.000 EW doch nach der Pleite von einem namenhaften Schreibmaschinen Hersteller sind 40.000 EW abgewandert. Zudem gehört Eurogate der Hafen hier, aber eben auch der Hafen in Bremerhaven. Bremerhaven läuft und Wilhelmshaven steht auf Standby für alle Fälle.

Unterm Strich macht das – leider eine trostlose Stadt mit Marine Stützpunkt. Zu Kaiser-Wilhelms-Zeiten wahrscheinlich viel imposanter.

Langsam reicht es mit Hotels 

Am nächsten Tag kommt langsam eine Abneigung gegen spießige Hotels in uns auf. Verdammt, wann ändert sich endlich das Wetter? Wetterapps kann man im Norden vergessen. Die Sonne wandert in der Ansicht immer auf den nächsten Tag. Also einchecken, neben nervigen Rentnerreisegruppen und ab ins Bett. Samstagabend und wir gucken das nächste WM-Spiel im Bett. Soweit ist es gekommen, vielleicht auch wegen dem Kling und Klang. Nein, nur weil wir es leid sind nicht draußen zu schlafen.

Wir buchen uns ein Zimmer mit Schwimmbad 

Auschecken und weiter bei unveränderten Wetterverhältnissen. Burhave ist das Ziel und schlafen wollen wir in einem AWO-Familienhaus mit Schwimmbad. Wohuuu! Benutzt haben wir es aber nicht. Wasser haben wir schon genug gesehen und im Gesicht gehabt. Unterwegs lernen wir noch einen älteren Mann kennen, der sich freut, dass wir in so jungen (!) Jahren schon unterwegs sind.

Schicksalsschläge und Geschichten zum Nachdenken

“Macht es einfach sofort, wenn euch der Gedanke kommt.” das ist der Satz der uns noch den ganzen Urlaub und auch jetzt noch begleitet. Nicht altklug, sondern einfach eine tragische Geschichte. Er wollte mit seiner Frau reisen, wenn beide in Rente sind… Was passiert ist, kann man sich denken. Traurig, aber für uns noch mehr Ansporn diesen Blog zu füllen bzw. immer weiter zu fahren und Neues zu entdecken. Nicht auf dem Nordseeradweg sondern generell. 

Genug der nachdenklichen Sätze, wir sehen durch unser Fenster das Meer und Bremerhaven. Zudem zeigt die Wetterapp Sonne für den morgigen Tag. Warum glauben wir eigentlich noch dem Internet?

Deiche und Schafe – schön war es, aber langsam reicht es auch

Egal, weiter geht es mit der Fähre von Bexter nach Bremerhaven. Die Sonne ist immer noch nicht zu sehen, aber ab hier wird es erträglicher. Bremerhaven – Klimahaus, Zoo und vieles mehr. Vielleicht machen wir hierhin wirklich mal einen Städtetrip, aber absteigen kommt jetzt nicht in Frage.

Mitten durch den Containerhafen – darf man das überhaupt?

Spannend ist auf jeden Fall der Hafenbereich. Man fährt mitten durch. Alles hupt, blinkt, fährt, man hat die ganze Zeit ein etwas mulmiges Gefühl. Immer weiter, wann fährt man schon mal durch einen Containerhafen. Sollte man gemacht haben, aber Achtung: Der Schienenverkehr hat Vorfahrt.

Wir wissen nicht was es ist… ab hier haben wir ein ganz anderes Gefühl, als ob die Weser den Nordseeküstenradweg in zwei Teile schneidet. Das Wetter ist immer noch nicht besser, doch die Laune steigt. Egal was passiert, wir zelten!

High Five – Fuck you Regen! 

Wir bauen unser Zelt auf und sind überglücklich der Tristesse der Pensionen und Hotelzimmer entkommen zu sein. Kalt ist es immer noch. Wir suchen uns ein gemütliches Restaurant und essen das erst Mal auf unserer Tour, mal ausgenommen unsere selbstgekochten Essen, richtig gut. Wir müssen nur seeehr langsam essen, damit wir nicht so schnell wieder in die Kälte müssen. Heute Nacht kommt die Picknickdecke mit in den Schlafsack, sonst geht es einfach nicht.

Ist das die Sonne oder der Mond?

Es wird wärmer. Wir fassen es nicht! Kommt der Sommer wieder? Wir bleiben einfach noch einen Tag und machen Urlaub vom Urlaub. Dorum-Neufeld ein unscheinbarer Name, aber ein toller Ort. Immer vorausgesetzt man will sich auch mal als richtige*r Tourist*In fühlen. In der Kurtaxe enthalten ist neben dem Zutritt zum Stand und dem Spielplatz auch der Eintritt zum Schwimmbad, aber dafür ist es heute doch noch etwas zu frisch.

Zeit für Bildung im Wattmuseum

Es gibt ein kleines Wattenmeermuseum, welches wirklich einen Besuch wert ist, trotz oder wegen des freien Eintritts. Es gibt nämlich verschiedene Wattarten. Verrückt, aber wieder etwas gelernt. Der Tag geht schnell vorbei und so sitzen wir wieder vor dem Zelt, trinken eine Flasche Wein und fangen an zu kochen.

Wo Zur Hölle gibt es denn jetzt noch neues Gas?

Das Wasser im Topf fängt gerade an warm zu wenden, als uns das Gas ausgeht und der Kocher keinen Laut mehr von sich gibt…. Zur Erinnerung: wir sind in Dorum-Neufeld und auf Nachfrage beim Campingplatz wird uns das schnell wieder bewusst. Es gibt nur große Flaschen auf dem Platz… Zum Glück hat eine Tankstelle im 7 km entfernten Dorum noch geöffnet. Schnell rauf aufs Rad – Hunger und träge vom Wein. Tolle Mischung! Aber klitschnassgeschwitzt, wieder zurück und etwas später mit etwas Selbstgekochten in der Hand weiß man, dass es das einfach wert war. Nochmal Folienkartoffel wäre einfach keine Option gewesen.

Am nächsten Tag scheint tatsächlich die Sonne und wir bleiben spontan noch einen Tag. Morgens geht es schwimmen und abends wieder einmal Fußball gucken auf dem Campingplatz. Bums, Deutschland ist raus, aber auch hier ist es so ziemlich allen egal. Wir müssen wirklich wegkommen vom Schubladendenken. Alle und nicht nur in diesem Fall. Den Abend lassen wir mit einer Runde Wikingerschach, bei unseren Zeltnachbarn ausklingen. Morgen geht es dann endlich weiter.

Geburtstag! Yeah!

Kein Schnickschnack, kein Stress, nur Wiese, Zelt, ein tolles Frühstück und die Sonne. Mehr geht nicht und wollen wir nicht. Heute sind 26 km angesetzt. Zum Glück nicht so viel, denn das andere Extrem ist die Sonne. Strahlend blauer Himmel und das Gesicht voller Sonnencreme. Top! 

Ein bisschen Mittelmeerfeeling und Philosophie in Cuxhaven

Es geht nach Cuxhaven, genauer gesagt nach Cuxhaven-Dune. Um 12 Uhr kommen wir an und suchen uns einen Zeltplatz. Der Ort scheint heiß begehrt zu sein und so quetschen wir uns zwischen Wohnwagen und anderen Zelten auf die Wiese ohne Schatten. Hier frühstücken wir auf keinen Fall am nächsten Tag. Viel zu eng. Alles egal, ab in die Strandbar.

Wer braucht das Mittelmeer, wenn man hier abhängen kann. Die Sonne knallt von oben und die Cocktails schmecken wunderbar. Später am Abend treffen wir noch einen Kumpel zum Essen und lernen noch eine Schweizer Familie (Hier gehts zum Blog) kennen. Die Vier sind mit dem Bulli unterwegs. Job gekündigt und los. Warum lernt man eigentlich immer Leute kennen die einem mutiger erscheinen?

Der Abend wird immer besser, wir essen, sitzen noch auf ein schließendes Getränk (wieder) in der Cocktailbar und sehen zu, wie die Sonne langsam untergeht. Alles wird langsam in goldenes Licht getaucht. Mega! Hier könnte der Abend enden, aber wir haben unseren neuen Schweizer Freunden versprochen, dass wir noch vorbei kommen und so sitzen wir noch stundenlang auf unsrem Campingplatz vor dem Spacecamper (Mega Teil – Hier gibt es Bilder) rum und philosophieren über das Leben. Für uns gibt es nichts Schöneres. Wirklich nicht.

Auf dem Tacho haben wir jetzt ca. 400 km nicht die Welt, aber wir sind entspannt, im Gegensatz zu unseren Zeltnachbarn, die in der gleichen Zeit mal eben die Elbe runtergeknallt sind. 900 km… wer es braucht. Gerne.

Da war er wieder der stechende Kopfschmerz – auf nach Stade

Wie weit wir heute fahren? Nicht so viel, wir haben ja keine Kraft. Zwischen Cuxhaven und Stade ist aber nix. Weder schön noch irgendwas. Das hatten wir uns anderes vorgestellt. Am Ende vom Tag sind wir 94 km gefahren, haben gefühlte 3l Sonnenmilch verbraucht und landen wieder in einem Zimmer, weil es in der Nähe keinen Platz für unser Zelt gibt. Diesmal freuen wir uns über ein Bett, denn wir sind wirklich durch. Stade selbst ist eine klasse Stadt, zumindest im Kern. Nach einem kleinen Stadtbummel inklusive Nahrungsaufnahme fallen wir tot ins Bett. 

Hamburg City wir kommen – Quer durchs Alte Land

Wir fahren durch das alte Land, vorbei an riesigen Obstplantagen und alten Gutshöfen. Wenn wir mal groß sind kaufen wir uns auch so eine schnörkelige Tür, fürs Zelt. Für mehr wir es wohl nicht reichen, wenn überhaupt. So unschön der letzte Tag landschaftlich war, umso schöner ist es jetzt. Stade – Hamburg, eine super Etappe. @Henrik aka zu Hause gebliebener Rabauke: Leckeren Käsekuchen gibt es übrigens an der alten Mühle Aurora in Jork kurz vor Hamburg.

St. Pauli ist leider die letzte Station auf dem Nordseeküstenradweg

Leider ist Hamburg auch unsere letzte Station auf dieser Tour. Das Gute ist, dass wir noch drei ganze Tage haben, um es uns richtig gut gehen zu lassen und ein Geschenk bekomm’ ich auch noch noch. Fix ist ein Hotel im Herzen von St. Pauli gebucht und schon wieder haben wir einen ganz anderen Urlaub. Zwar ein Städtetrip, diesmal aber mit einer sehr kompetenten Stadtführerin. Nina hat einige Jahre in Hamburg gewohnt und somit ist es eine Art Heimspiel. Wir bewegen uns abseits der typischen Touristenhochburgen und können so voll und ganz in die Stadt eintauchen. Hamburg meine Perle. 

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins – besser nicht

Samstag Abend wir stürzen uns ins Getümmel. Hotelzimmer ist keine Option, denn es ist Samstag und wir sind wieder unter Leuten. Spontan treffen wir noch eine Freundin und lassen den Abend bei Astra und einer lauen Sommernacht (!) in Hamburg (!) ausklingen.

Der nächste Tag lässt sich wie folgt zusammenfassen: Elbstrand, bevor der große Andrang kommt. Besuchen der alten Hood von Nina. Besuch der “Kleinen Konditorei” und die verzweifelte Suche nach Dinkelvollkorntalern, mit anschließendem Besuch bei Anna-Lena zu Hause und wieder essen. Eimsbüddel, auch ganz nett. 

Jetzt aber nichts wie ab ins Bett, denn morgen ist..

…Geschenke Tag! Yeah! Ein Kanutrip auf der Alster

Wir paddeln auf der Alster. Wenn ihr in Hamburg seid, macht das! Kleine Kanäle und eine ganz andere Perspektive auf die Stadt. Mega! Mehr kann man dazu nicht sagen. Wir paddeln so lange bis uns nach 4,5 h Stunden der Hintern und die Arme weh tun. Erstmal ausruhen am Wasser, bis der Magen knurrt. Richtiges Essen! Richtige Pizza. Essen macht schon glücklich oder eben unglücklich, wenn man auf Restaurants angewiesen ist, die nicht wirklich günstig sind, aber eben solches Essen verkaufen. Fazit: Der Nordseeradweg ist keine kulinarische Reise wie die Kulturelle Landpartie.

Fazit einer sehr geilen Tour entlang der Nordseeküste

Zusammenfassend lässt sich sagen: der Nordseeküstenradweg ist eine abwechslungsreiche Tour. Weit mehr als Schafe, Deiche, Regen und Schafsmist auf den Wegen.

Hier gibt es noch Frauen, die ihre Männer verabschieden, wenn sie aufs Meer fahren. Schön mal weniger schöne Abschnitte. Sonne und Regen im ständigen Wechsel. Tolle und weniger schöne, fast trostlose Orte. Gefühlt sind es mehrere Urlaube in einem und mit Hamburg als krönendem Abschluss kann man einfach nichts verkehrt machen. Infos zur Küste und allem Zipp und Zapp, nicht nur zu Radtouren gibt es auf https://www.reiseland-niedersachsen.de.

Gerne wären wir einfach weiter gefahren, doch das ganze Geld für die Hotels und Pensionen muss jetzt erstmal wieder verdient werden. Danke Nordsee! Es war schön.

 

 

Impressionen

 

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.