Zwei Kölner, noch mehr Kölsch und die Idee mit dem Rad unser zu Hause zu erkunden.

Monat: August 2018

Rheinradweg – von Köln nach Xanten

Rheinradweg – von Köln nach Xanten in zwei Tagen Die Sonne lacht bzw. besser knallt über Köln. Seit Tagen. Normalerweise checken wir das Wetter und hoffen, dass es nicht regnet….

Rheinradweg – von Köln nach Xanten in zwei Tagen

Die Sonne lacht bzw. besser knallt über Köln. Seit Tagen. Normalerweise checken wir das Wetter und hoffen, dass es nicht regnet. An diesem Wochenende ist es einmal anders. Angesichts der langen Hitzewelle von weit über 30°C hoffen wir, dass es sich etwas abkühlt und wir den Rheinradweg ohne Sonnenbrand erleben werden. Verkehrte Welt.

Brauhaus, Fahrradrabauken und ein todsicheres Dingen

Alleine reisen ist bestimmt auch schön, doch zu zweit oder mit mehreren noch schöner. Dieses Mal gibt es eine Rabaukentour in einer Alternativbesetzung mit meinem Bruder aus Münster. Treffpunkt ist Freitagnachmittag in Deutz, wir freuen uns wie Bolle, dass wir uns endlich wieder sehen und vier lange Tage vor uns haben. Da es erst Samstag losgeht, bleibt noch genug Zeit, um die Taschen zu packen, euphorisch über die anstehende Tour zu diskutieren und für das ein oder andere Kölsch.

Fahrradrabauken plus Münster-Support

In der Original-Rabaukenbesetzung plus Münster-Support sitzen wir auf Barhockern und lassen uns die warme Luft von Köllefornia um die Nase wehen. Besser geht es nicht. Leider ist Henrik dieses Mal nicht mit von der Partie, aber ein Geschwisterwochenende hatten wir auch noch nie. Also zack Kölsch ausgetrunken, Augen geschlossen wieder aufgemacht und die Welt ein weiteres Mal verflucht. Vorfreude sollte man, besonders bei der Hitze nicht mit Kölsch feiern. Egal. Los gehts.

Gotta gotta gotta go! Eins, Zwei Abenteuer!

Schnell sind alle Taschen am Rad und wir auf der Straße. Erst mal raus aus Köln, denn mit Autos haben wir in den nächsten Tagen keinen Vertrag. Dieses Mal haben wir keine Karte, denn der Rhein wird uns als Orientierung reichen, oder?

Immer Richtung Norden am Rhein entlang

Geradelt wird in Richtung Norden, an den Ford Werken vorbei. Dass es hier schön ist, wäre gelogen, aber danach sind wir erst mal raus aus der Stadt. Der Weg ist bekannt, nur das wir dieses Mal nicht nach Monheim mit der Fähre übersetzten, sondern auf der einen Rheinseite bleiben wollen. Zum Glück ist es heute etwas bewölkt, so dass der Schweiß zwar läuft, uns aber zumindest die Sonne nicht sofort verbrennt. 

Wir bleiben unserem Motto “Erst mal machen und dann nachdenken” treu und fahren dicht am Rhein. Der Asphalt wechselt zu Schotter und der Schotter zu Wiese mit Löchern. Die Geschwindigkeit reduziert sich rapide und wir wackeln auf dünnen Reifen durch die zerklüftete Prärie am Rhein.

Steppe in der Zonser Grind

 

Steppe gibt es nicht nur in Afrika

Keine FahrradfahrerInnen, nur noch FußgängerInnen und JoggerInnen kommen uns entgegen. Kann einem zu denken geben, muss es aber nicht. Also weiter, bis das T-Shirt nass ist und wir uns nach einem glatten Straßenbelag sehen. Die Sonne hat die Wiese mittlerweile so weit verbrannt, dass sich vor uns eine endlose gelbe Wüste auftut. Vielleicht ein Superlativ, aber angesichts des Vorabends und der Hitze: Gefühlte Strecke = reale Strecke x 1000.

(c) Googlemaps – Zonser Grind

 

“Wer pinkeln muss, hat noch nicht genug gestrampelt”

Irgendwer hat mal gesagt: “Wer Pinkeln muss, hat noch nicht genug gestrampelt” das nur am Rande. Weiter immer weiter. Das Schöne ist, wenn man keine Karte hat, dass man sich von Ort zu Ort treten kann. Deswegen soll es an dieser Stelle keinen Routenvorschlag von unserer Seite geben. Guckt euch grob die Orte auf der Karte an und fahrt einfach los – Fahrt quasi euren eigenen Rheinradweg. Es gibt natürlich auch eine vorgegebene Strecke, die sicherlich sehr schön ist und auch von uns das ein oder andere Mal in Teilen gefahren wurde, aber eine gewisse Planlosigkeit macht eben Spaß. Probiert es aus.
Falls Ihr doch Lust habt auf den Spuren der Rabauken unterwegs zu sein, hier die Ortsnamen zum Sammeln und Abfahren:

Tag 1: Niehl – Merkenich – Worringen – Rheinfeld – Feste Zons – Stürzelberg – Uedesheim – Grimlinghausen – Neuss- Düsseldorf – Meerbusch

Rheincamping Meerbusch – Wer (fast) am Rhein zelten will… bidde!

So ziemlich auf der Hälfte (Nähe Meerbusch) findet ihr einen tollen Campingplatz am Rhein. 70km stehen mittlerweile auf dem Tacho, aber richtig kaputt sind wir irgendwie noch nicht. Sollen wir weiterfahren oder es einfach gut sein lassen und unser Zelt aufbauen? Eine Pause muss auf jeden Fall erstmals sein. Weit und breit ist eigentlich nichts außer der Campingplatz “Rheincamping Meerbusch” und ein Hotel mit Marmortischen und dem dazugehörigen Publikum. Warum sitzen wir hier nochmal? “Also bei Swissair* gibt es immer Blaubeersaft” danke für diesen kosmopolitischen Beitrag, werter Herr am Nachbartisch. (*Name geändert)

Nobel geht die Welt zugrunde – bloß weg hier

Nobel geht die Welt zugrunde, wenn das unsere aktuellen Probleme sind, dann gute Nacht. Wir grinsen, schütteln unsere Köpfe und wollen bezahlen. 6€ pro Bier – geschenkt! Ist eben auch das Four Seasons mit vier Sternen. Nicht unsere Welt und wird es auch nie werden. Noch nicht mal Speisekarten gibt es. Pfff… also ab auf den 50m entfernten Campingplatz. Mit ca. 23€ für ein Zelt und zwei Personen nicht das super Schnäppchen, aber direkt am Rhein und mit Strandbar! Diese kann man auch ohne Platzgebühr besuchen. Daher der Rabaukentipp: Nicht in den vier Sterne Tempel, sondern mit netten Leuten und den Füßen im Sand ab in die Strandbar.

Strandbar – Camping Meerbusch

 

Zelten, der Rhein und Nudeln im selbst gebauten Spirituskocher

Das Zelt ist schnell aufgebaut und wir setzen uns noch eine Weile an den Rhein und schauen den Schiffen hinterher. Doch, wir sind geschafft, aber glücklich. Am Zelt wartet auf uns eine Packung Nudeln mit Pesto. Was will man in einem Vier Sterne Hotel, wenn das Glück doch so nahe liegt. Mein Bruder hat sich einen eigenen Spirituskocher aus einer Dose gebaut. Der ultimative Test sind die 2L Wasser zum Nudel kochen. Es klappt. Geil! Wir werden bei Zeiten eine Anleitung einstellen, denn einfacher und günstiger kann man draußen nicht kochen. Danke kleiner Bruder, wieder etwas gelernt.

 

Wie lange ist es noch hell? Die Fingermethode – analog und ohne Internet

Die Sonne geht langsam unter und taucht alles, inklusive gelber Wiesen in ein goldenes Licht. Wie lange ist es noch hell? In Münster weiß man anscheinend noch mehr über die Natur. Hier die Anleitung zur Zeitmessung (dabei ein kleiner Dank an Bear Grylls): Man halte eine Hand gegen den Himmel und zähle die Finger zwischen Sonne und Horizont. Ein Finger steht für etwa 15min. Uns bleiben somit noch drei Fingerbreiten. Wer kann rechnen?

Danach folgt die Campingplatzroutine: Spülen – Zähne putzen, ab in den Schlafsack, noch etwas lesen und schon sind die Augen zu.

Wiedermal kein Frühstück – aber topfit und hoch motiviert

Frühstück haben wir nicht bestellt und somit gibt es Müsliriegel und Kaffee vom Spirituskocher. Geiles Teil!

Camping Meerbusch – Bikepacking vom Feinsten

 

Erinnerungen an den Ruhrtalradweg – Duisburg und die Rheinorange

Um neun Uhr sitzen wir wieder auf dem Rad. In der Ferne taucht Duisburg auf, Rheinorange inklusive. Jetzt kann ich endlich mal etwas erklären und erzähle von unserer Tour über den Ruhrradweg. Genau hier mündet die Ruhr in den Rhein. Okay die Finger- und Spirituskochernummer war cooler, trotzdem irgendwie komisch, vor einem Jahr standen wir noch auf der anderen Seite und hatten unsere erste Tour im Sack.

Direktor bei Thyssen und Reisefotograf – was für ein Leben

Das Schöne am Reisen ist, dass man immer wieder Leute trifft, die, wenn man Glück hat, ihre Geschichte erzählen. Wir machen eine längere Pause auf dem Deich und treffen einem Fotografen mit seiner Frau. Beide schon Ende siebzig. Wir fachsimpeln über Kameras und er erzählt von seinen Fotoreisen. Spannend. Wirklich. Zumal er erst mit 54 Fotograf geworden ist, nach dem er einen sehr gut bezahlten Job aufgegeben hat, jetzt aber auch “nur noch” Ausstellungen organisiert. Was wir wohl mit 54 machen? Hoffentlich irgendwas, was wir uns jetzt noch nicht vorstellen können. Das Leben ist schön und wir rollen weiter.

Kilometer schrubben und das surren der Reifen

Der Ehrgeiz hat und gepackt und wir fahren eine ganze Zeitlang über 30 km/h. Schweiß, Wind und das Surren der Reifen… und ein Vogelschiss. Bringt Glück, sieht nur kacke aus, vor allem wenn der Vogel sich allem Anschein nach vorher den Bauch mit blauen Beeren vollgeschlagen hat. Bis dahin dachten wir, dass es die nur bei Swissair gibt…

Shirtwechsel auf offenem Feld und weiter auf der Zielgeraden. Xanten.

 

 

Wir schieben durch die Innenstadt. Eigentlich hat die Stadt im Kreis Wesel ca. 21.000 EinwohnerInnen, aber es ist Wochenende und es erinnert, bei den Menschenmassen, eher an den Rhein-Promenadenflohmarkt in Köln. Wieder mal haben wir Glück und finden am Ende der Altstadt einen kleinen gemütlichen Biergarten und können dem Trubel entgehen. Erstmal wieder zu Kräften kommen und ein “Drehmoment” trinken. Hört sich schlimm an ist aber tierisch lecker, ebenso das Landbier. Wenn ihr mal in Xanten seid, geht in den Mühlengarten. Top Essen. Top Bier. Top Lage.

Mühlengarten in Xanten

 

Camping oder doch Hotel?

Zum Schlafen gibt es einen Campingplatz ca. 5km entfernt von Xanten, hier sollte eigentlich unser Basislager für die nächsten beiden Tage stehen. Mit dem Planen ist es aber so eine Sache. Aufgrund einer kleinen Geburtstagsfeier und großer Wiedersehensfreude mit dem Rest der Familie haben wir dann doch in einem Hotel eingecheckt. Nicht rabaukig aber zentral. Das ist aber eine andere Geschichte…

 

Fazit einer klasse Wochenendtour

Eine schöne Strecke und an einem Wochenende gut machbar. Am besten man fährt Freitagmittag los, mit einem Zwischenstopp in Meerbusch. Den Samstag hat man dann in Xanten und Sonntag kann es bequem mit der Bahn zurückgehen. Entweder direkt aus Xanten oder man fährt noch ca. 50 km nach Duisburg. Die Gesamtlänge der Strecke ist somit 140 km bzw. 190 km, wenn ihr am Sonntag noch fahren wollt. Probiert es einfach mal aus.

 

Impressionen

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